Di., 13.11.2018

Kommentar zu Arminia Bielefeld Diese Rettung ist Marketing für ganz OWL

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Thomas F. Starke

Von Michael Diekmann

Der 12. November 2018 ist ein denkwürdiger Tag. Der DSC Arminia Bielefeld ist gerettet. Finanziell zumindest, jubilieren die Fußballbegeisterten. Der Ball rollt weiter in der Schüco-Arena.

Passiert ist in gerade zwölf Monaten viel mehr. Etwas, wie es in dieser Qualität wohl nur die von mittelständischen Familienunternehmen geprägte und in Wohl und Wohlstand getragene Region OWL hinbekommt.

Arminias Präsident Hans-Jürgen Laufer verwendet das Wort phänomenal. Das könnte es treffen. Dr. Maurice Eschweiler, Personalvorstand bei DMG Mori, spricht von einem Ausnahme­modell, wie man es wohl nur in Ostwestfalen bauen könne. Nur Ostwestfalen wissen, wie die Leute hier ticken und was OWL braucht. Nach dem Husarenstück mit dem viel beachteten Netzwerk OWL Maschinenbau ist der Region zum zweiten Mal ein Meisterstück gelungen. Alle sprechen von Nachhaltigkeit. Erstmals sind Sport und Finanzressort entkoppelt, zwingt ein Abstieg nicht sofort in den Ruin.

Der Erfolg ist umso größer, als Zweifler und Neider genau genommen seit 1973/74, seit der ersten gelungenen Rettung des damals mit nur einer Million Mark überschuldeten DSC Arminia Bielefeld, oft von Häme und Neid getragen spekuliert hatten: Mit Arminias Rettung würde das nie etwas werden. Fast hätte die Negativfraktion sogar richtig gelegen. Immer tiefer der Sumpf.

Mehr als einmal hat der Verein vor der Insolvenz gestanden. Manche Finanzkonstruktionen waren geradezu abenteuerlich. Waren keine Rettung, sondern wieder ein Schritt näher an den Abgrund. Jetzt hat ein Bündnis für Ostwestfalen den Rettungsanker geworfen. Zweifler fragen sich: Wie lange diesmal? Realisten müssen sehen: Es ist diesmal anders. Kein einzelner Investor mehr. Auch keine Gläubiger. Sondern Eigentümer und Vermieter. Nicht zu vergessen: Viele Gläubiger haben vorab auf große Teile ihres Geldes verzichtet. Ein Großteil der Fan-Anleihe blieb ebenfalls bei Arminia. Auch die Stadt hat Federn gelassen.

Entscheidend: Dieses Mal stimmt offensichtlich die Chemie in einem Netzwerk von Familienunternehmern. Man spricht auf Augenhöhe. Man sieht das Engagement nicht als Investition in Fußball, sondern als gut angelegtes Geld in Standortmarketing.

Kommentare

Die Rettung

Wenn hier von Nachhaltigkeit gesprochen wird und der Eindruck entstehen soll, dass damit die Stabilität und die natürliche Regenerationsfähigkeit von Arminia gewährleistet wird, irrt sich gewaltig. Ich nenne es eine moderne Form der Kapitalvernichtung, die den Namen des Vereins tragen wird.

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