Kommentar zu Social Bots
Zur Forderung nach einem Gesetz gegen Bots: Pro und Contra

Vor den Wahlen im kommenden Jahr hat sich der Vorsitzende der Unionsfraktion, Ralph Brinkhaus, besorgt gezeigt über Verzerrungen politischer Debatten über soziale Netzwerke.

Montag, 17.12.2018, 21:00 Uhr
Der Vorsitzende der Unionsfraktion, Ralph Brinkhaus. Foto: dpa
Der Vorsitzende der Unionsfraktion, Ralph Brinkhaus. Foto: dpa

Pro: Social Bots sind eine Gefahr

Man kann darüber streiten, ob Bots schon soweit sind, dass sie die Demokratie gefährden. Auf jeden Fall sind sie die ekelhafteste Form einer neuen Generation von Robotern, die den Menschen nicht nur handwerkliche Arbeit, sondern in den sozialen Netzwerken auf eine subversive Art auch das eigenständige Denken abnehmen will. Nicht zuletzt wegen der Erfahrungen mit Putins Trollarmee im US-Wahlkampf und der Bot-Schwemme, die in Deutschland jüngst mit Hass- und Falschmeldungen gegen den Migrationspakt mobil machte, ist es gut, dass sich Politiker wie der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus Gedanken machen, wie der digitalen Manipulation Einhalt geboten werden kann.

Dass die Bots so gefährlich sind, liegt daran, dass viele Menschen liebend gern mit der Mehrheit schwimmen. Natürlich gibt es andere und ältere Formen der Manipulation. Doch mit traditioneller Werbung haben die Menschen gelernt, umzugehen. Außerdem gibt es für sie längst gesetzliche Regelungen. So müssen Anzeigen nicht nur als solche gekennzeichnet sein; sie dürfen auch nichts Unwahres behaupten.

Contra: Mehr Fragen als Antworten

Social Bots sind Programme, die sich in sozialen Netzwerken für Menschen ausgeben und versuchen, Meinung zu beeinflussen. Experten sind uneins, welche Bedeutung diese Programme bei der Meinungsbildung wirklich haben. Unklar ist zudem, nach welchen Kriterien man die Beiträge von Bots von denen »richtiger Menschen« (und automatisierter Beiträge von Medienunternehmen) zuverlässig unterscheiden kann. Sollen Facebook & Co. verdonnert werden, Milliarden Beiträge täglich daraufhin zu untersuchen, ob sie möglicherweise von einem Bot kommen und der Manipulation von Meinung dienen? Mit dem Risiko, echte Meinung zu unterdrücken? Oder soll die chronisch überlastete Staatsanwaltschaft dieses Feld beackern? Viele Fragen und Probleme, aber das hindert Brinkhaus & Co. nicht, nach neuen Gesetzen zu rufen. Das ist billig und populär, aber wenig hilfreich. Wir brauchen ein neues Verständnis für den Umgang mit Nachrichten, in dem für Falschmeldungen und Manipulation, egal, ob von Bots oder Trump & Co., kein Platz ist, weil eine neue Art Nutzer sich kritisch mit Inhalten und Quellen auseinandersetzt.

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