So., 10.02.2019

Kommentar zur Lehrsituation in NRW Eine andere Perspektive

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Jan Gruhn

Die Zahl der Quereinsteiger in den Lehrerberuf ist in Nordrhein-Westfalen wieder gestiegen – und das ist gut so. Nicht nur deshalb, weil damit – wie von Schulministerin Yvonne Gebauer geäußert – Unterrichtsausfall verhindert werden kann.

Wer den klassischen Weg ins Lehramt wählt, nimmt sich selten die Zeit, einen Abstecher in die freie Wirtschaft zu machen. Nach dem eigenen Abitur geht’s fix an die Uni. Das Studium wird in Regelstudienzeit durchgezogen, schon winkt der Vorbereitungsdienst. In dieser Struktur gibt es kaum eine Möglichkeit für einen Blick rechts und links des Weges.

Schwer vorstellbar, dass diese Lehrer-Typen ihre Schüler mit authentischer Begeisterung von einer Karriere als zum Beispiel Elektrotechniker überzeugen können.

Seiteneinsteiger indes können genau das leisten. Sicher: Eine fundierte pädagogische Ausbildung der Lehrkräfte ist unerlässlich. Ohne das »klassische« Lehrerkollegium geht es also nicht. Doch Schulleiter sollten sich überlegen, ob manchmal nicht ein Bewerber mit einer etwas anderen Berufsbiografie die richtige Wahl wäre.

Kommentare

Schräges Lehrerbild

Sehr geehrter Herr Gruhn, erwarten Sie nicht auch von einem Elektrotechniker, dass er sein Studium zielstrebiges durchführt? Sonst dürfte er für seinen angestrebten Beruf ebenfalls ungeeignet sein. Und er hat sein Studium nicht begonnen, um mit jungen Menschen zu arbeiten und ihnen die Welt zu erschließen. Insofern sollte man vorsichtig sein, für viele Quereinsteiger ist der Weg in die Schule eher die letzte Möglichkeit überhaupt noch beruflich Fuß zu fassen. Gegebenenfalls kann der Quereinsteiger auch erst spät doch seine Motivation mit jungen Menschen zu arbeiten entdeckt haben und ist dann ebenfalls wie der klassische und früh entschlossene Lehramtsanwärter interessiert, die ihm anvertrauten Schüler auf dem Weg in das Leben zu motivierend zu begleiten und für alle Facetten des Lebens vorzubereiten. Vielleicht hat er wie viele Lehramtsstudierende bereits „nebenberuflich“ früh in Sportvereinen und Jugendorganisationen hoch aktiv sich eingebracht und durch die ehrenamtliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sich motiviert auf den Weg in das Lehramt gemacht. Gerade diese langfristigen Erfahrungen im Jugendbereich sind oft der Grund, sich trotz aller Vorurteile für einen eher in Anbetracht dergleichen Studienlänge für den eher mäßig bezahlten Lehrerberuf und gegen eine gut dotierte Karriere in der Wirtschaft zu entscheiden, sollte nicht wie Sie es beschreiben diskreditiert werden. Als( Physik)lehrer(in)geht es mir vor allem darum und zwar authentisch, den mir anvertrauten Schülern Wege aufzuzeigen, die zu einem in allen Facetten glücklich und erfolgreichen Leben sowohl in Beruf wie Familie führen. Das kann dann zu einem Elektroingenieur oder auch zukünftigen Lehrerkollegen führen. Und das bitte auch unabhängig ob es sich um Schülerinnen oder Schüler handelt. Sollten Sie bereits Kinder in der passenden Alterskategorie haben, entscheiden Sie mal, ob eine immer noch hochmotivierte Lehrerin, die sich bewusst für diesen Beruf entschieden hat, nicht doch mehr für das Leben und die Berufsentscheidung tun kann als ein frustrierter Quereinsteiger, der nie mit Kindern arbeiten wollte und vielleicht noch immer sich als vom Schicksal verhinderter Hochschuldozent fühlt und agiert. Für einen weitere Diskussion und Informationen über die Situation für Lehrer stehe ich gerne zur Verfügung. Eine Kommentierung Ihrerseits, dass durch langfristig nicht genügend viel ausgebildeten Lehrern überhaupt erst diese Mangelsituation großer Klassen und Quereinsteigern notwendig geworden ist, wäre unbedingt notwendig gewesen. Einer davon unabhängige positive Einschätzung, dass Blicke über den Tellerrand in Industrie und Wirtschaft die Berufswahlwünsche beflügeln können, stimme ich zu, aber das lässt sich auch durch Projekte in Kooperation mit der IHK realisieren.
Mit freundlichen Grüßen Claudia Wolff

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