Do., 14.02.2019

Kommentar zu Scheidungskindern Wenn das Zuhause schon zerbrochen ist

Symbolbild.

Symbolbild.

Von Werner Kolhoff

 

Eine Trennung ist ein Unglück für jedes Kind. Ob sie zur Katastrophe wird, hängt davon ab, wie die Eltern in der folgenden Zeit mit dem Kind und mit sich selbst umgehen.

Was ist das Beste für alle Beteiligten, das Wechselmodell nach dem Prinzip eine Woche hier, eine Woche da? Oder der Wochenend-Papa? Auf diese Alternative spitzt sich das Thema derzeit zu, obwohl die Frage des Aufenthaltsortes aus Kindessicht nicht die einzig entscheidende ist. Zeit, Wärme, Liebe sind noch viel wichtiger.

Es wird erregt diskutiert. Die FDP fordert, die Halbe-Halbe-Regelung zum Standard zu machen, damit die Familiengerichte sie öfter anordnen können. Die Linke hält dagegen. Väterinitiativen erklären, der Lobby der alleinerziehenden Mütter gehe es nur ums Geld. Ihnen nicht? Die Mütter wiederum warnen vor einer Verletzung des Kindeswohls. Als ob nur sie es garantieren könnten.

Kinder müssen Geborgenheit finden

Dabei sollte doch gelten: Wenn Gleichberechtigung im Familienalltag das Ziel ist – und vielleicht sogar schon gelebt wurde –, sollte es auch die gleichberechtigte Erziehung nach der Trennung sein. Die überforderte alleinerziehende Mutter (Väter viel seltener) hier, der Sugar-Daddy für den Kinobesuch am Wochenende da, das kann nicht das Leitbild sein. Die Kinder müssen bei beiden Elternteilen Geborgenheit finden. Und dazu gehört auch der Alltag. Mit Hausaufgaben, Krankheiten, Geschwisterstreit, Klamotten kaufen, Sport. Das ganze Programm.

Kinder brauchen ein Zuhause, nicht zwei, wird entgegengehalten. Ja, aber dieses eine Zuhause ist mit der Trennung sowieso schon zerbrochen. Zwei halbe sind dann die bessere Variante, wenn es zwei gute sind. Sie sind es aber nicht automatisch, nicht immer und nicht überall.

Kooperationsbereitschaft erforderlich

Das Wechselmodell setzt zum Beispiel Arbeitszeiten voraus, die damit vereinbar sind. Es erfordert nahe beieinander liegende Wohnungen, in denen es Kinderzimmer gibt, ist also teuer. Und es verlangt von beiden Elternteilen große Kooperationsbereitschaft. Also das Gegenteil von dem, was es oft nach Trennungen gibt.

Gesetzlich ist schwer zu entscheiden, was in jedem Einzelfall die bessere Lösung ist. Gesetzlich sollte man kein einziges Modell festlegen. Aber man sollte das Wechselmodell endlich so fördern, dass es als gleich gute Variante in Erwägung gezogen werden kann. Im Steuerrecht, bei Hartz IV und beim Wohngeld, bei der Aufteilung des Kindergeldes oder des Familienzuschlages. Und auch von den Familiengerichten.

Das ist alles bisher noch auf das Alleinerziehermodell zugeschnitten. Außerdem muss man die Mediation ausbauen, also die Eltern besser beraten. Womöglich würden dann nicht nur 15 Prozent der Scheidungseltern das kooperative Wechselmodell wählen, sondern viel mehr. Ihnen und den Kindern wäre es zu wünschen.

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6390236?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F