Mo., 18.03.2019

Kommentar zu Özil Özil soll Erdogan eingeladen haben: Pro und Contra

Mesut Özil und seine Verlobte Amine Gülse beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Mesut Özil und seine Verlobte Amine Gülse beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Foto: dpa

Von Oliver Kreth (Pro) und Andreas Kolesch (Contra)

Ein Pro-Kommentar von Oliver Kreth

Nur um das klarzustellen, ich hätte Recep Tayyip Erdogan nicht als Ehrengast zu meiner Hochzeit eingeladen. Genauso wenig aber auch Helmut Kohl oder Willy Brandt oder Hans-Dietrich Genscher.

Erstaunlich bleibt der fast alttestamentarische Zorn, der das Handeln von Mesut Özil begleitet. Schon beim Trikot-Gate galt die Aufregung vor allem Özil. Ilkay Gündogan hatte damals seinem Präsidenten schriftlich auf dem Shirt gehuldigt. Als er sich aber öffentlich entschuldigt hatte, ebbte die Kritik ab. Bei Özil tat sie das nie. Vielleicht auch, weil er Deutschland und dem DFB einen Spiegel vorhielt, in dem man sich nicht erkennen konnte – oder wollte.

Mesut Özil ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Er hat jetzt erneut eine merkwürdige Entscheidung getroffen – vielleicht auch aus wirtschaft­lichen Erwägungen. Das tut Deutschland übrigens ständig im Umgang mit Despoten. Und mit Verlaub: Das finde ich schlimmer.

Ein Contra-Kommentar von Andreas Kolesch

Nein, Mesut Özil ist nicht einfach nur irgendein deutscher Fußballspieler mit familiären Wurzeln in der Türkei. Und schon gar nicht ist Recep Tayyip Erdogan irgendein Politiker, mit dem man ungeniert Umgang pflegen dürfte.

Dem ehemaligen deutschen Nationalspieler Özil müsste der Anfang der deutschen Nationalhymne doch geläufig sein: »Einigkeit und Recht und Freiheit« werden dort beschworen. Mit seiner demonstrativen Hinwendung zu dem Despoten vom Bosporus aber befördert Özil nicht etwa die Einigkeit aller Deutschen gleich welcher Herkunft, sondern er treibt den Keil noch tiefer zwischen die ethnischen Gruppen.

Und was der von Özil kurz vor der Kommunalwahl hofierte Präsident Erdogan von den Begriffen »Recht« und »Freiheit« hält, darüber könnten die zu Tausenden in der Türkei eingesperrten Oppositionellen Auskunft geben, wären sie nicht allesamt mundtot gemacht. Sorry, Mesut Özil: Das war erneut ein grobes Foul.

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