Mo., 18.03.2019

Ein Kommentar zur Luftverschmutzung Sündenböcke sind nutzlos

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Detlef Drewes

Das Ergebnis ist keine Überraschung. Schon seit Jahren weiß die Brüsseler EU-Kommission, dass die Deutschen bei der Errichtung der Messstellen für Feinstaub, Stickoxid und andere Luftbelastungen ziemlich genau vorgingen. Da wurden die Filter auch schon mal mitten auf eine viel befahrene Kreuzung gestellt, während andere Mitgliedstaaten sie hinter der nächsten Ecke aufbauten. Das ist ärgerlich, unfair, aber letztlich nicht die erlösende Nachricht, mit der die Gegner von Fahrverboten sich nun neu munitionieren könnten. Denn dass die Bundesrepublik im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten schlechter dasteht, ist für die Belastung der Atemluft vor Ort ohne Belang. Und nur darum geht es.

Dass die Experten, die die Erhebung im Auftrag des EU-Parlamentes durchgeführt haben, Ungenauigkeiten in der EU-Richtlinie feststellten, überrascht nicht. Aber es führt offen gestanden elf Jahre nach deren Abfassung auch nicht weiter. Auf dem Tisch liegen Daten zur Luftverschmutzung. Seit gestern wissen wir auch, dass die Hardware-Nachrüstung zwar funktioniert, aber noch längst nicht serienreif ist.

Die EU-Grenzwerte gelten

Tatsächlich lässt sich die Diskussion relativ einfach zusammenfassen: Die EU-Grenzwerte gelten. Sie wurden schließlich von allen Mitgliedstaaten erlassen – auch der Vertreter der Bundesregierung, das war damals Sigmar Gabriel, hat vor elf Jahren seine Hand gehoben. Ebenso scheint klar zu sein, dass die Hersteller die technische Herausforderung strenger Grenzwerte nicht gemeistert haben und sich stattdessen auf Software-Lösungen konzen­trierten, um die Behörden und die Käufer zu täuschen. Betroffen sind viele Autos, nicht nur Diesel-Motoren. Die EU-Kommission wird dazu in Kürze mehr enthüllen.

Beteiligt sind Verkehrsmittel wie Schiffe, die in der Öffentlichkeit noch zu wenig als Verursacher einbezogen werden

Zur Abhilfe auf Fahrverbote zu setzen, ist kurzsichtig. Denn die Luft wird nicht sauberer, der Dreck wird nur anders verteilt. Einzige Lösung: Vor allem in den Ballungsräumen sind Alternativangebote nötig, damit die Menschen das Auto stehenlassen. Dann – und nur dann – gibt es nennenswerte Entlastungen. Alle politischen Ebenen sollten deshalb ihr Augenmerk darauf richten, Städte und Gemeinden in die Lage zu versetzen, ihre Verkehrsangebote entsprechend umzustellen. Ideen sind gefragt, keine kurzfristig (un)wirksamen Placebos. Und die Vernichtung einer Technologie wie des Diesel-Antriebs auch nicht.

Längst tragen auch Benziner zur Luftverschmutzung mehr bei als bisher oft zugegeben wird. Beteiligt sind Verkehrsmittel wie Schiffe, die in der Öffentlichkeit noch zu wenig als Verursacher einbezogen werden. Wer Klimaschutz ernstnimmt und Luftreinhaltung auf seine Fahnen schreibt, braucht ein ganzheitliches Konzept, um Mobilität und Ökologie zusammenzubringen. Sich auf einzelne Sündenböcke zu stürzen, ist Unfug.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6481368?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F