Mi., 27.03.2019

Meinung Kooperation statt Ausbeutung

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Fotolia

Von Werner Kolhoff

Wenn ein außenpolitisches Grundsatzpapier wie die Afrika-Strategie der Bundesregierung bereits nach fünf Jahren neu formuliert werden muss, dann ist etwas Gravierendes passiert. Das ist zum einen die Migrationskrise. Sie hat schlaglichtartig gezeigt, wie unmittelbar sich negative Entwicklungen auf dem Nachbarkontinent auf die hiesigen Gesellschaften auswirken. Das andere ist das chinesische Investment in Afrika.

Die Konkurrenz schläft nicht, wenn man ihr das Feld überlässt. Dass China am Wohl und Wehe der afrikanischen Staaten oder an einer Eindämmung der Flüchtlingsströme gelegen ist, kann man wahrlich nicht sagen. Sondern nur an der Sicherung von Rohstoffen, gern in Kooperation mit örtlichen Diktatoren. Es wurde also höchste Zeit, sich stärker zu kümmern. Und dafür ein Konzept zu formulieren, das länger hält als fünf Jahre.

Afrika fehlt es an destruktiven Konkurrenzen

Der gewählte Ansatz unterscheidet sich wohltuend von dem Pekings. Er setzt auf Kooperation statt auf Ausbeutung, auf Respekt statt auf Bevormundung. Er enthält sogar ein Bekenntnis zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes. Man will stark mit der Zivilgesellschaft kooperieren, nicht nur mit Regierungen. Also mit den vielen jungen Menschen, die vorankommen wollen und wirtschaftlich initiativ sind. Das ist nicht mehr Brunnen bauen wie früher. Und nicht Häfen und Eisenbahnstrecken errichten, wie es heute die Chinesen machen. Sondern das ist die Förderung kleiner Unternehmen, lokaler Finanzinstitutionen, der Bildung und guter Regierungsführung.

In Afrika ist die Bereitschaft zum Multilateralismus noch groß. Dafür steht die Afrikanische Union. Es fehlt auf dem Kontinent an großen, destruktiven Konkurrenzen, wie sie Asien mit China und Indien hat oder Europa mit der EU und Russland. Das kann bei der Konfliktregulierung helfen, aber auch bei der Bildung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes.

Größte globalpolitische Herausforderung

Das Konzept baut ausdrücklich darauf. Für die Glaubwürdigkeit dieser Herangehensweise wäre es freilich hilfreich, wenn Deutschland in der EU dafür sorgen würde, dass europäische Trawler nicht mehr die Fanggründe vor Westafrika leer fischen, dass die dortigen Agrarmärkte nicht mehr mit Billig-Geflügel von hier geschwemmt werden, und dass die massiven Waffenexporte – etwa nach Algerien – aufhören.

Die Zahl der Afrikaner wird sich bis 2050 auf zwei Milliarden verdoppeln, vier Mal so viele wie es Europäer gibt. Die Armut wird wachsen. Aber es gibt auch eine wachsende Mittelschicht. Afrika ist die größte globalpolitische Herausforderung, die es für Europa gibt. Ein Staat allein kann da gar nichts bewirken. Die Anwesenheit des französischen Außenministers gestern im Bundeskabinett zeigt, dass immerhin Berlin und Paris verstanden haben, worum es geht. Wenigstens auf dem Papier.

Kommentare

Kooperation statt ausbeutunb

Was ist mit dem EU-Freihandelsabkommen mit Afrika, dem Vertrag von Cotonou? Was folgte nach der Konferenz der EU-Afrika-Handelsbeziehungen im Juni 2017? Und was ist mit den kritischen Meinungen der Entwicklungsgesellschaften oder dem Vorschlag von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller aus April 2018? Was wurde aus den Wirtschaftspartnerschaftsabkommen WPA und EPA? Seit 2007 sind jegliche Verhandlungen gescheitert

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