So., 31.03.2019

Kommentar zu Elektro-Ladesäulen Alternativlos

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Wünschenswert ist es, wenn vor der Einführung einer neuen Technologie die Risiken und Nebenwirkungen bekannt und möglichst behoben sind. Davon kann beim Elektroauto nicht die Rede sein – wie bei anderen Technologien früher auch.

Problematisch sind vor allem Produktion und Recycling der Batterien. Der Abbau von Kobalt findet im Kongo unter sklaverei-ähnlichen Bedingungen statt, zum Teil unter Kinderarbeit. Hinzu kommt der schleppende Netzausbau für alternative Energien – ohne die E-Autos aber nicht umweltfreundlich fahren können.

Kunden zögern beim E-Auto auch wegen des Preises, suboptimaler Reichweite und fehlender Ladestationen in der Nähe. Indem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer dieses Problem nun angeht, setzt er ein Zeichen.

Das aber ist alternativlos. Die Regierung muss als ihren Beitrag zum Schutz des Weltklimas den Kohlendioxidausstoß reduzieren. Gleichzeitig drängt die deutsche Autoindustrie. Angesichts der schneller wachsenden Nachfrage nach E-Autos in Ländern wie China, Norwegen und Großbritannien wäre ein weiteres Verzögern fatal.

Kommentare

Kommentar zu Elektroladesäulen, alternativlos

Lieber Bernhard Hertlein,

Ihr Kommentar zu Scheuers neuestem Vorstoß ist in allen Punkten richtig und unterstreichenswert, aber angesichts der Komplexität ein nachhaltiges Mobilitätskonzept für die Zukunft zu entwerfen, müssen verschiedene Argumente nachgeschoben werden.
Statt sich an den Erfordernissen für eine klimaschonende Mobilitätswende zu orientieren, scheint neue Zukunftsstrategie der Autokonzerne zu sein, wir machen weiter so wie bisher, nur mit Batterien statt mit Benzintanks. Dass das der falsche Weg ist, hat Anna Steiner in der FASZ von gestern eindrücklich beschrieben.
Es ist ein Irrweg, mit immer größeren - Trend zum SUV- und schwereren – durch die Batterien, die viele 100 km durchhalten sollen- und vor allem -zu Lasten der Städte- bereiteren KFZ, das CO2 Problem lösen zu wollen.
Es ist schier unmöglich mit reinem E-Antrieb dem Verbraucher die eierlegende Wollmilchsau anzubieten, die sowohl im Stadtverkehr als auch im Überlandverkehr nachhaltig bewegt werden kann. Vielmehr müssen die Autos kleiner, leichter, schmaler und PS-schwächer werden. Erst wenn diese Ziele definiert sind, stellt sich die Frage nach dem richtigen Antrieb.
80.000 Pendler nach Bielefeld, stünden mit Ihren E-SUV’s genauso im Stau, nähmen den Platz weg und wären trotz massivsten Ausbaus der Ladeinfrastruktur ein Hindernis, weil: Sie brauchen einfach zu viel Strom.
Geradezu unvorstellbar ist, wie eine Pfingstreisewelle mit plötzlichen 20 Millionen Fernreisebewegungen infrastrukturell gemanagt werden soll. Wenn ich dann mit dem Strom nachtanken dran bin, ist der Pfingsturlaub um. Die Bevölkerung wehrt sich vehement gegen den Ausbau der Stromtrassen, die es bewirken würde, dass der Strom dorthin geliefert würde, wo er gebraucht wird. Wie passt das also alles zusammen??
Eine E-Wende gibt es bereits und sie muss funktionieren von Unten nach oben, also vom Pedelec, dass Millionen Bürger vom Auto auf das Fahrrad bringt, von E-Motorroller, der endlich die Zweittaktstinker beseitigen würde, über die Kleinstautos, wie z.B. den Renault Twizzy, als Ein- oder Zwei-Sitzer. Im Gegensatz zu den meisten E-Fahrzeuges der großen Konzerne, haben solche Fahrzeuge 12-18 PS statt 120-180 PS und verbrauchen entsprechend weniger Strom. Den weitaus meisten Bürgern, die nach Bielefeld einpendeln, wäre mit diesen Fahrzeugen, die etwa 100 km weit kommen, maximal 7.000,00 € kosten und nur wenig Strom verbrauchen, geholfen. Sie sind zwar für herkömmliche Autonarren nicht cool, aber vielleicht hilft ja die fridays for future Kampagne, das Image zu verbessen. Einfach mal Probefahren und schauen.
Wer sagt, solche Kleinwagen seien nicht verkehrssicher, zäumt das Pferd ebenfalls von hinten auf. Die SUVs kommen doch deshalb als modernere Panzerspähwagen daher, da die Aufrüstung durch die Aufrüstung der anderen geboten ist. Die Gesellschaft muss hingegen für Sorge tragen, dass sich jeder im Straßenverkehr sicher bewegen kann, vom Fußgänger, über den Rad- und Rollerfahrer, über den Kleinstwagenbesitzer bis zum großen PKW. Sprichwörtlich ist ja das Bonmot, dass die Mittelstandsmutti in Ihrem SUV für mehr verkehrstote Kinder vor Schulen sorgt. Hauptsache Ihr Blag ist geschützt, die anderen sind herzlich egal.
Von irgendwelchen Anreizprogrammen, von Verkehrsminister Scheuer, halte ich gar nichts, da es im schlimmsten Fall zu gar keinen Ergebnissen und im besten Fall wieder zu Fehlsteuerungen führt. Volkswirtschaftlich richtig wäre es hingegen, schlicht über die Anhebung der Mineralölsteuer zu einer korrekten Besteuerung des Ressourcenverbrauchs zu kommen. Ganz wichtig, einschließlich des Luftverkehrs, der sich, allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz, hier nach wie vor einen schlanken Fuß macht.
Ich brauche auch keine Kilometerabgabe, wie gerade wieder diskutiert, die mittels GPS-Systemen die gefahrenen Kilometer misst und besteuert. Wer hat sich das ausgedacht, der CIA oder Huawei?
Allein die Mineralölsteuer ist sinnvoll, da sie über den Kraftstoffverbraucher exakt den Ressourcenverbrauch misst. Wer schonend fährt, zahlt wenig, wer rast, zahlt viel und das Schöne, die Erhebung kostet gar nicht, das System ist schon da.
Was die Mobilität im Personenverkehr angeht, so wären mit der richtigen Steuerung, der richtig Weg in eine nachhaltige Zukunft weisbar. Die Umdenkprozesse finden dann von ganz allein statt. Habe ich erstmal ein kleines E-Mobil für meine Alltagsmobilität, frage ich mich, ob ich für die wenigen weiten Fahrten im Jahr wirklich ein großes Auto brauche, oder ob es dann nicht die Bahn mit einem Mietwagen tut, oder ein Carsharing Fahrzeug.
Was die Mobilität im Frachtverkehr angeht, muss man auf digitale Vernetzung setzen und dabei nicht vergessen, die sprichwörtlichen Fahrten zum Krabbenpulen nach Marokko im Auge zu behalten.

Beste Grüße
Ihr Thomas Keitel

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