Di., 02.04.2019

Reinhard Grindel hat Konseqeunzen aus der Kritik gezogen Abtritt des DFB-Präsidenten: Pro und Contra

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Reinhard Grindel, gibt in der Zentrale des Verbandes seinen sofortigen Rücktritt bekannt.

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Reinhard Grindel, gibt in der Zentrale des Verbandes seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Foto: dpa

Von Oliver Kreth und Andreas Schnadwinkel

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Konsequenzen aus der wachsenden Kritik gezogen. Der Verbandschef räumt nach knapp drei Jahren seinen Posten. Die Nachfolge übernimmt vorerst wieder eine Doppelspitze.

Pro-Kommentar von Oliver Kreth: Ein Eigentor zu viel

Das Beste, was Reinhard Grindel für den deutschen Fußball getan hat, ist, dass er gestern zurücktrat. Die Notlösung nach dem Niersbach-Desaster hatte eigentlich alles mitgebracht, was man beim Deutschen Fußballbund damals wohl suchte: medienerfahren, Politiker, Mitglied im Sportausschuss des Bundestages, gut angesehen bei den Amateuren, akzeptiert bei den Profis. Doch auf dem Platz glänzte Grindel vor allem durch Eigentore. Die 6000-Euro-Uhr war nur der letzte Fehltritt in einer langen Reihe.

Grindel war mit der Aufgabe, der Rolle als oberster Fußballer Deutschlands, sichtlich überfordert. Der Umgang mit der Causa Özil, der Eiertanz in Sachen Löw/Hummels/Boateng/Müller – das waren Offenbarungseide.

Doch Grindel trägt die Verantwortung für sein Scheitern nicht alleine. Hatte sich denn keiner über den Mann informiert, der an die Spitze des weltgrößten Sportverbandes gewählt wurde, eines Verbandes, der so stolz ist auf die integrative Kraft des Fußballs?

Grindel ist DFB-Geschichte. Hinterlassen hat er wenig, auch wenn er das, wie bei ihm zu erwarten war, anders sieht. Dass der 57-Jährige sich die Vergabe der Euro 2024 ans eigene Revers heftet, zeugt von Realitätsverlust. Man spricht eher davon, dass der DFB trotz seines Chefs den Zuschlag bekommen hat.

Der Deutsche Fußballbund sollte sich jetzt Zeit lassen, einen würdigen Präsidenten oder eine Präsidentin zu suchen. Wahrscheinlich wären Philipp Lahm oder Christoph Metzelder eine gute Wahl. Die derzeit als mögliche Kandidaten Genannten erfüllen zumindest einen Punkt des Anforderungsprofils: Sie wären Kandidaten außerhalb des DFB-Präsidiums. Ligapräsident Reinhard Rauball, der den Verband mit Amateur-Boss Rainer Koch bis zum DFB-Bundestag am 27. September führt, sagt aber auch, dass durch Grindels Rücktritt der Weg »für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB« frei sei. Und ob Lahm oder Metzelder diese Aufgabe stemmen könnten, darf man bezweifeln.

Der Job des Sportfunktionärs hat, das wird erneut klar, ein schlechtes Image. Daran ist auch Reinhard Grindel schuld. Es wird spannend zu sehen sein, wer sich seine Nachfolge zutraut.

Contra-Kommentar von Andreas Schnadwinkel: Politische und mediale Kampagne

Was der Fall Grindel mit dem Fall Maaßen zu tun hat? Der Mechanismus ist der gleiche. Dem dominanten linken Medienmainstream passt die politische Weltanschauung einer Person in einer exponierten Position nicht, und schon beginnt die Kampagne – mit dem Ziel, die Person aus ihrer Funktion zu entfernen.

Ob Verfassungsschutzpräsident oder DFB-Präsident. Und am Ende – das ist so typisch deutsch – wird mit einer Neiddebatte über ein höheres Gehalt oder eine geschenkte Uhr der Deckel drauf gemacht. Reinhard Grindel und Hans-Georg Maaßen gehören dem heutzutage eher als konservativ einzuordnenden Teil der CDU an. Wo Maaßen die massenhafte unkontrollierte Zuwanderung nach Deutschland kritisiert hat, da hätte Grindel die türkisch-stämmigen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil wegen des Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan am liebsten aus dem WM-Kader gestrichen.

Das wäre sportlich und gesellschaftspolitisch richtig gewesen, war gegenüber Bundestrainer Joachim Löw aber nicht durchsetzbar. Dass der sportliche Verursacher des WM-Desasters im Amt bleibt, der sportlich nicht verantwortliche Funktionär aber gehen muss, ist aberwitzig. Grindel ist an sich selbst, am System Löw-Bierhoff und an den Medien gescheitert. Als DFB-Präsident hätte er Löw nach dem Scheitern in Russland entlassen müssen. Erst recht, als sich der Bundestrainer über Wochen ei­ner öffentlichen Stellungnahme und Analyse verweigerte. Und als Löw seine Sicht der Dinge verspätet präsentierte, gab es wegen der inhaltlich fragwürdigen WM-Aufarbeitung Gründe genug für eine Entlassung.

Und auch gegen DFB-Direktor Oliver Bierhoff konnte sich Grindel nicht durchsetzen, als es darum ging, den Marketingslogan »Die Mannschaft« endlich aufzugeben. Warum Löw von den meisten Medien geschützt wird? Warum Löw von den meisten Medien geschützt wird? Laut einer Studie der Freien Universität Berlin sagen 26,9 Prozent der befragten Politikjournalisten, dass sie den Grünen am nächsten stünden. 15,5 Prozent sagen das über die SPD und 4,2 Prozent über die Linken. Löw, der für die Grünen als Mitglied der Bundesversammlung an der Wahl des Bundespräsidenten teilnahm, ist für die mehrheitlich linken Medien ein Mann ihrer Gesinnung.

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