Do., 11.07.2019

Kommentar zu Merkels Gesundheit Ein Stuhl für die Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nehmen Platz, bevor die Nationalhymnen im Ehrenhof des Bundeskanzleramtes abgespielt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nehmen Platz, bevor die Nationalhymnen im Ehrenhof des Bundeskanzleramtes abgespielt werden. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Von Stefan Vetter

Es ist auch ein Bild der Schwäche. Drei Mal innerhalb weniger Wochen hat Angela Merkel bei vergleichbaren Anlässen stehend einen Zitteranfall bekommen. Sie hat danach von einer »Verarbeitungsphase« gesprochen.

Die Sorge muss anschließend enorm gewesen sein, dass sie ein viertes Mal innerhalb kurzer Zeit hätte zitternd vor laufenden Kameras dastehen können. Angesichts dieses psychologischen Drucks war die Idee mit dem Stuhl naheliegend. Aber sie löst womöglich nicht das Problem.

Natürlich sind Politiker keine Maschinen. Sie sind Menschen mit gesundheitlichen Stärken und Schwächen. Und richtig ist auch, dass dies in Deutschland in allererster Linie eine Privatangelegenheit ist – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern.

Als führende Politikerin des Landes ist Merkel allerdings eine öffentliche Person. Sie steht wie kaum jemand anderes im öffentlichen Rampenlicht. Also hat die Öffentlichkeit auch ein Recht darauf zu erfahren, wie es um Merkels gesundheitliche Verfassung wirklich steht.

Zumal nach dem wiederholten Auftreten der verstörend wirkenden Symptome. Beruhigungspillen nach dem Muster »Macht euch keine Sorgen« tragen jedenfalls eher zum Gegenteil bei. Auch im politischen Ausland. Wer als »mächtigste Frau der Welt« gilt, und diesen Ruf genießt Merkel in weiten Teilen der Welt bis heute, der muss damit leben, dass man besonders genau auf sie schaut.

Von der Bundeskanzlerin ist bekannt, dass sie nicht viel Aufhebens um ihre Person macht. Genau das macht sie für viele Menschen auch sympathisch. Aber nicht um den Preis der Vertuschung einer möglichen ernsthaften Erkrankung.

Angela Merkel wird am Mittwoch kommender Woche 65 Jahre alt. Eine Zahl, die mit Ruhestand in Verbindung gebracht wird. Danach geht sie in den wohlverdienten Sommerurlaub. Zeit, um Kraft zu tanken und sich zu kurieren. Sollte das Zittern anschließend immer noch auftreten, wird sich die Regierungschefin zu ihrer Gesundheit erklären müssen.

Kommentare

Ein Stuhl für......

Merkel ist nicht die "mächtigste Frau der Welt, nicht einmal in Deutschland. Und ihr Alter (65) in Zusammenhang mit ihrer Leistungsfaehigkeit zubringen, ist unangemessen. Ich erinnere mich an Konrad Adenauer, der in diesem Alter erst richtig aufgedreht hat, obwohl auch er gesundheitliche Defizite hatte.

1 Kommentare

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