Do., 25.07.2019

Kommentar zu Verdi und MZG-Tarif Jetzt verhandeln!

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Patrick Seeger/dpa

Von Maike Stahl

Wenn Arbeitnehmer erst dann auf die Gewerkschaft aufmerksam werden, wenn eine erwartete Lohnerhöhung ausbleibt, ist das natürlich nicht gut. Wenn nicht mal jeder fünfte Arbeitnehmer eines Betriebes organisiert ist, darf Verdi das kritisch sehen. Aber beides darf kein Grund sein, nicht in Tarifverhandlungen einzusteigen – gerade dann, wenn diese Arbeitnehmer mit ihren Gehaltsstufen noch deutlich unter den Regelungen des Flächentarifvertrages, in diesem Falle des TVöD, liegen.

Das ist den immerhin 200 organisierten Mitgliedern gegenüber nicht fair und auch perspektivisch zu kurz gesprungen. Denn warum sollte jemand Mitglied in einer Gewerkschaft werden, die sich seiner Wahrnehmung nach gerade eben nicht für ihn einsetzt – obwohl selbst die Geschäftsführung Gesprächsbereitschaft signalisiert? Das dürfte nur schwer zu vermitteln sein.

Wenn die Verhandlungen sich schwierig gestalten, ist Solidarität gefragt. Dann wird es den organisierten Kollegen aber auch eher gelingen, Mitglieder zu werben. Denn die sehen dann, dass es sich lohnen kann, für ihre Ziele einzutreten.

Kommentare

Undemokratisch

Wenn sich die Mehrheit einer Belegschaft gegen die Gewerkschaft entscheidet, dann wären Tarifverhandlungen demokratisch nicht legitimiert. Warum soll eine Minderheit einer Mehrheit einen Tarifvertrag aufzwingen, wenn diese gar keinen will?
Was ist das Motiv des Arbeitgebers, der nun ganz offensichtlich mit Unterstützung dieser Zeitung Druck erzeugt, damit die Tarifverhandlungen doch aufgenommen werden? Ist es vielleicht so, dass der Arbeitgeber lieber mit einem schwachen Gegenüber verhandelt, also mit einer Belegschaft, die nur zu einem Bruchteil gewerkschaftlich organisiert ist um sich so leichter durchzusetzen?
Ich finde ver.di macht das richtig. Und ich finde es schäbig vom Kommentator, die Mitglieder nun gegen die Tarifkommission aufzuwiegeln nach dem Motto: ver.di lässt Euch im Stich. Das Gegenteil ist richtig. Nur mit einer stark organisierten Belegschaft sind Verhandlungen mit dem Arbeitgeber auf Augenhöhe möglich. Alles andere ist kollektives Betteln! Es ist richtig zu warten bis sich die anderen Beschäftigten der Gewerkschaft anschließen um dann ein gutes Ergebnis für alle zu erreichen.

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