Mo., 12.08.2019

Kommentar zu Klimapolitik Neue Energie für Afrika

Das Thema, zu dem sich Clemens Tönnies kürzlich in Paderborn rassistisch geäußert und dafür viel Kritik geerntet hat, ist klimapolitisch relevant. Auch den richtigen Ansprechpartner hat Tönnies in dem Zusammenhang selbst genannt.

Das Thema, zu dem sich Clemens Tönnies kürzlich in Paderborn rassistisch geäußert und dafür viel Kritik geerntet hat, ist klimapolitisch relevant. Auch den richtigen Ansprechpartner hat Tönnies in dem Zusammenhang selbst genannt. Foto: Ina Fassbender/dpa

Von Reinhard Brockmann

Wären die Überlegungen des Clemens Tönnies über Klimaschutz und Investitionen in Afrika nicht am Satzende so fürchterlich rassistisch versumpft, gäbe es ein wirklich streitwertes Thema. Der unsägliche Satz hätte ja auch so schließen können: »... denn jede Hütte mit Stromanschluss ist eine Fluchtursache weniger.« Oder: »Helfen wir einem kommenden Kontinent die Fehler der alten Welt zu vermeiden.«

Die Rezepte dafür liegen auf dem Tisch und Tönnies hat selbst den richtigen Ansprechpartner genannt. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), ein Name den jeder Fußballer behält, wirbt seit Jahren für Investitionen in ausgewählten Ländern Afrikas. Deutschland hat die G20-Präsidentschaft 2017 für eine globale Afrika-Initiative genutzt. In enger Anlehnung an Ziele der Afrikanischen Union wurde ein bislang viel zu wenig beachteter »Marshallplan mit Afrika« aufgelegt.

Darin wird haarklein beschrieben, wie die faire und ökologisch vertretbare Zukunft auf dem ressourcenreichsten Stück Erde aussehen kann. Deutschland bietet sich an, private Investitionen für klimaschonende Landwirtschaft, CO 2 -senkende Aufforstungen, grüne Industrie und Energieerzeugung zu mobilisieren. Wenn das kein Ansatzpunkt ist.

Afrika könnte ohne den Umweg über umweltbelastende Technologien die Versorgung auf Basis erneuerbarer Energien massiv ausbauen. Technologien zur Gewinnung von Energie durch Sonne, Wasser, Wind, Biomasse und Geothermie sind vorhanden. Wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, und das ist vielfach noch der Haken, ist die Investitionsbereitschaft hoch. Fachminister Müller ist überzeugt, dass bis 2030 für 90 Prozent der afrikanischen Bevölkerung ein Stromanschluss geschaffen werden kann.

Berlin und Brüssel haben sich auch die Bekämpfung von Fluchtursachen vorgenommen. Ein Drittel der 54 Länder Afrikas ist extrem schwach. Hier werden mit wenig Geld die größten Fortschritte erzielt. Denn: Migration hat Gründe, keiner flüchtet freiwillig.

Es wäre zu wünschen, dass Clemens Tönnies seinen dreimonatigen (Fußball-)Platzverweis nutzt, um sich 20 Energielösungen auf der Basis von Solar-, Wind-, Biomasse- und Wasserenergie anzuschauen. Es gibt sie, man muss sie nur stärker ausbauen. Großer Handlungsbedarf besteht auch in den stark wachsenden Städten. Menschen leben in Townships ohne Energie-, Wasser- oder Sanitärversorgung. Das wirtschaftliche Potenzial der Städte wird verschenkt.

Leider hält sich die deutsche Groß- und mittelständische Industrie mit Investitionen extrem zurück. Das bedauert zu aller erst der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft. Er brauchte noch einen geeigneten Festredner, dem die absolute Aufmerksamkeit seiner Zuhörerschaft garantiert ist...

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