Do., 22.08.2019

Kommentar zum Strafzinsverbot Verkehrte Welt für Sparer

EZB-Präsident Mario Draghi hat angedeutet, dass die Notenbank den Strafzinssatz auf 0,5 Prozent anheben könnte. Das hat die Branche alarmiert – und könnte bedeuten, dass Banken die Belastung in letzter Konsequenz auch an Privatkunden weitergeben.

EZB-Präsident Mario Draghi hat angedeutet, dass die Notenbank den Strafzinssatz auf 0,5 Prozent anheben könnte. Das hat die Branche alarmiert – und könnte bedeuten, dass Banken die Belastung in letzter Konsequenz auch an Privatkunden weitergeben. Foto: Arne Dedert/dpa

Von Stefan Vetter

Es ist schon ein Jammer: Was einst als große Tugend galt, droht immer mehr zur Farce zu werden. Das Sparen. Millionen brave Bundesbürger haben viele Milliarden angelegt, für die sie kaum oder gar keine Zinsen mehr bekommen. So manches Altersversorgungskonzept hat sich deshalb schon in Luft aufgelöst.

Und nun geht auch noch das Gespenst des Negativzinses um. Wer spart, müsste also sogar noch draufzahlen, anstatt von seiner Geldanlage zu profitieren. Verkehrte Welt. Da werden viele sicher froh sein, dass sich kein geringerer als der Bundesfinanzminister darum kümmern will, diese Welt wenigstens wieder ein bisschen gerade zu rücken.

Olaf Scholz, zugleich SPD-Vize und prominentester Bewerber um den Genossen-Vorsitz, lässt jetzt prüfen, ob Banken dazu verdonnert werden können, Kleinsparern nicht auch noch drohende Strafzinsen aufzubrummen. Sonderlich viel Hoffnung sollte man darauf allerdings nicht verwenden.

Bekanntlich ist die D-Mark schon seit langem vom Euro abgelöst worden. Geldpolitik wird also nicht mehr national gemacht, sondern europäisch. Bereits daran lässt sich erkennen, dass sich Scholz’ Ankündigung wohl eher als Totgeburt entpuppen wird. Vielmehr leiten den Kassenwart politisch-taktische Motive.

Schließlich hat CSU-Chef Markus Söder die Forderung nach einem Strafzinsverbot für alle Spareinlagen bis 100.000 Euro aufgebracht. Da will die SPD nicht zurückstehen, zumal in wenigen Tagen wichtige Landtagswahlen im Osten anstehen. Dass sich der Staat zum Banker aufschwingt, erinnert bei nüchterner Betrachtung übrigens tatsächlich an die DDR.

Anstatt sich hoffnungslos zu verkämpfen, sollte die Bundesregierung besser überlegen, wie sich Sparern wirklich helfen lässt. Denn der Staat verdient ja prächtig am Null- bis-Negativzins-Niveau. Wer ihm Geld borgt, macht schon jetzt Verluste. Umgekehrt könnte der Staat mit der Zinsersparnis, die sich besonders in den vergangenen Jahren zu stattlichen Milliarden-Gewinnen aufgetürmt hat, beispielsweise die Riester-Förderung stärken oder einen Pensionsfonds auflegen, wie es ihn in Norwegen gibt.

Nach Lage der Dinge werden sich die Sparer wohl selbst helfen müssen. Dazu gehört schon jetzt, sich eine andere Bank zu suchen, wenn das angestammte Geldinstitut besonders kräftig an der Gebührenschraube dreht. Denn letztlich ist das auch eine Art negativer Zins.

Und dazu gehört die Einsicht, dass traditionelle Anlagen wie Sparbücher oder Bausparverträge praktisch gar nichts mehr abwerfen und man sich deshalb wohl auch stärker mit Anlagen wie Aktien oder Aktienfonds vertraut machen sollte. Langfristig haben viele von ihnen zu ansehnlichen Renditen geführt. Hier ist Deutschland noch ein Entwicklungsland.

Kommentare

„Weltspartag“

Der „Weltspartag“ wird dann folgerichtiger Weise umbenannt in
„WeltGeldInsKloSchmeissTag“, „WeltGeldEntwertungsTag“ oder „WeltGeldVernichtungsTag“.

Ich mein, man will doch nicht schon die lieben Kleinen -sagen wir der Netiquette geschuldet- auf’s Glatteis führen.

Und den Alten, die langsam auch begreifen, wirft man vor, keine Rücklagen für Notzeiten oder für‘s Alter zu haben. Nennt man das nicht bipolare Störung¿

Krankenkassenbeitrag auf negatives Einkommen ...

Ich als Langzeitarbeitsloser ohne Leistungsbezug (siehe hierzu auch eine Petition bei change.org) bezahle wie jeder andere in der gesetzlichen Krankenkasse prozentual meinen Beitrag auf mein Einkommen.

Kein Leistungsbezug bedeutet, kein Hartz IV, weil zuviel gespart, also mehr als das sogenannte Schonvermögen in Höhe von zur Zeit ungefaehr 10.000 Euro.

Einkommen bedeutet in diesem Fall Zinsen und Dividenden.

Die belaufen sich jetzt schon nach Abzug der Gebühren auf +-0.

Wenn man kein Einkommen hat wird die sogenannte Mindestbemessungsgrundlage, ein fiktives Einkommen von zur Zeit ungefaehr 1040 Euro monatlichem Bruttoeinkommen herangezogen und man kommt auf einen monatlichen Beitrag von zur Zeit ungefaehr 193 Euro nur zur Gesetzlichen Krankenversicherung.

Für einen Hartz IV Empänger ist der Beitrag den der Staat bezahlt wesentlich geringer.

Jemand mit einem Midijob und Bruttoeinnahmen in Höhe von 450,01 Euro bezahlt mit Arbeitgeberanteil einen Beitrag von um 60 Euro. Mit Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung liegt der Gesamtsozialbeitrag mit Arbeitgeberanteil bei genanntem Brutto bei 140 Euro. Die 17 Millionen Euro auf dem Sparbuch werden im Gegensatz zum Nichthartzer nicht berücksichtigt.

Dann gibt es da noch familienversicherte Ehepartner mit oder ohne Minijob, deren Beitrag bei Lichte von der gesamten Solidargemeinschaft bzw. Versicherungsgemeinschaft also von allen Beitragszahler aufgebracht wird.

Was ist hier los? Soziale Ungerechtigkeit in Reinstform. Der Arbeitslose ohne Leistungsbezug und ohne Einkommen finanziert also auch noch Nichtbeitragszahler mit. ....

Aber das wird ja dann jetzt besser?
Für negatives Einkommen also Ausgaben muß man dann doch bestimmt auch negative Beitraege zahlen also bekommen? In diesem Fall dann natuerlich nicht auf einen fiktives Negativeinkommen sondern auf das Realnegativeinkommen.

Gut, das bewegt sich dann im Centbereich, aber immerhin ein Anfang.

Natürlich, war dies, falls es jemand nicht gemerkt haben sollte, ein Scherz.

Due jetzige Berechnung des monatlichen Beitrags für Langzeitarbeitslose ohne Leistungsbezug war seit Einführung der Hartz IV Gesetze ein Witz. Vielleicht sogar diese selber.


Übrigens, der Steuerzahler und der Sparer haben due Finanzkrise bezahlt.
Die Verursacher der Krise haben von der Krise profitiert.
Die Politiker, die dieses Nenannte Szenario getrieben durch die Banken hervorgerufen haben, wurden nicht zur Rechenschaft gezogen.

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran (Fehlfarben).

Ich fürchte nur in die falsche Richtung.

Der Schuß geht ein weiteres Mal nach hinten los. ...

Weiter so!

Hörte ich nicht diese Tage jemanden sagen, es käme die Zeit, da werden die Mistgabeln wieder ausgepackt.

Wundern taet es mich nicht mehr. Oder schon, der deutsche Michel scheint ja eine nahezu unendliche Geduld zu haben.

2 Kommentare

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