Di., 03.09.2019

Meinung Sind die im Osten wirklich so anders? – Ja.

Antje Feiks (l-r), Spitzenkandidatin Die Linke für Sachsen, Rico Gebhardt, Spitzenkandidat Die Linke für Sachsen, Kathrin Dannenberg, Spitzenkandidatin Die Linke für Brandenburg, und Sebastian Walter, Spitzenkandidat Die Linke für Brandenburg, sitzen auf einer Pressekonferenz nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen in der Bundespressekonferenz.

Antje Feiks (l-r), Spitzenkandidatin Die Linke für Sachsen, Rico Gebhardt, Spitzenkandidat Die Linke für Sachsen, Kathrin Dannenberg, Spitzenkandidatin Die Linke für Brandenburg, und Sebastian Walter, Spitzenkandidat Die Linke für Brandenburg, sitzen auf einer Pressekonferenz nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen in der Bundespressekonferenz. Foto: dpa

Von Werner Kolhoff

Was bilden sich die Ossis eigentlich ein? Jeder Vierte hat am Sonntag AfD gewählt. Jetzt wird überall versucht, den Osten zu verstehen. Muss man das? Vielleicht muss man den Leuten dort einfach mal ein paar unangenehme Fragen stellen. Voilà:

Ihr wählt Protest. In den Nachwendejahren war das nachvollziehbar, alles war den Bach runtergegangen. Aber wogegen protestiert ihr heute? Dass bei euch Dörfer und Städte in Randregionen veröden? Dagegen würde es mehr helfen, Zugereiste mit Freude im Gesicht, Neugier und Offenheit zu empfangen. Dann kämen vielleicht auch ein paar Investoren. Seit der Wende sind zwei Billionen Euro in den Osten geflossen. Die Tschechen und Polen hatten das nicht. Und sie jammern viel weniger.

Glorifizierung

Ihr glorifiziert euer untergegangenes Land. Mauer, Stacheldraht, Stasi, alles schon vergessen? Oh ja, es war nicht alles schlecht. Der Zusammenhalt, die niedrigen Mieten, die Kinderbetreuung. Aber warum wollten bloß so viele fliehen damals? Und warum habt ihr eurem Staat auch nach dem Mauerfall keine Chance gegeben, als es möglich gewesen wäre? Wolltet ihr eigentlich nur einen Sozialismus mit Westmark?

Protest wählen, das ginge ja noch. Aber ihr wählt Rechts, richtige Rassisten. Ihr wählt die schmierige Höcke-AfD, Leute mit übler Vergangenheit. Die Anführer sind Wessis, die in den alten Ländern keine Resonanz gefunden haben, weil ihre Parolen zu dumpf sind. Habt ihr nicht gewusst, dass die Bundesrepublik, mit der ihr wiedervereinigt werden wolltet, ein westliches, offenes und liberales Land ist? Eine Demokratie, die vom Mitmachen ihrer Bürger und von Toleranz lebt? Wollt ihr ernsthaft sagen, ihre habt nie Westfernsehen geguckt?

Was habt ihr gegen Ausländer? Und gegen Flüchtlinge? Kennt ihr überhaupt welche? Wo ist eure Empathie? Empathie ist die Fähigkeit, nachzufühlen, was andere empfinden. Die müsstet ihr haben, denn viele von euch sind 1989 und davor selbst auf der Flucht gewesen. Die Züge, die Notaufnahmelager – alles vergessen?

Wo ist die Empathie?

Und wenn ihr schon keine Empathie habt, wo ist dann wenigstens euer Geschichtsbewusstsein? Wisst ihr nicht, dass das Herumhacken auf Fremden, Minderheiten und Andersgläubigen ungefähr das Dümmste ist, was die Menschheit je hervorgebracht hat? Und das Zweitdümmste ist, solche Leute zu wählen, die das tun. Hattet ihr das nicht in der Schule?

Ihr solltet dringend etwas mehr nachdenken.

Der Autor ist gebürtiger Niedersachse.

Kommentare

Re. Sind denn die Ossis wirklich so anders?

Nun, Werner Kolhoff, dem gebürtigen Niedersachsen, ein interessanter Artikel mit offenen Fragen. Da halte ich es mit unserem Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier der vor wenigen Tagen äußerte "In Deutschland seien in diesen Zeiten mehr politische Diskussionen und Austausch nötig. Gerade wenn die Fliehkräfte an unserer Gesellschaft zerren, dann müssen wir zusammenkommen aus Ost und West und Nord und Süd, sagte der Bundespräsident." Daher möchte ich als gebürtiger Sachse, in Chemnitz lebender und sozialisierter Ossi auf Basis Ihres Artikels und der damit geäußerten Fragen etwas zu diesem vom Bundespräsidenten gewünschtem Zusammenkommen einbringen, zu einigen Ihrer Fragen Stellung beziehen:

"Was bilden diese Ossis sich eigentlich ein? Jeder Vierte hat am Sonntag AfD gewählt" Wir bilden uns ein, dreißig Jahre nach der von uns eingeleiteten friedlichen Wende frei nach unserer Meinung und persönlichem Empfinden eine demokratisch legitimierte Partei wählen zu können, ohne uns anschließend in irgendeiner Weise hierfür rechtfertigen zu müssen.

"Ihr wählt Protest" Ja, das kann man so sehen, jedoch überzeugen uns auch mehrfach vor den Wahlen wiederholte Versprechen einiger Parteien nicht mehr so wie sich diese das wünschen, möglicherweise überzeugen uns stattdessen plausible Argumentationen und Sichtweisen von Landtagskanditaten der AfD mehr, deren Verständnis von ökonomischen und ökologischen Ansichten, welche diese in Ihrer bisherigen parlamentarischen Oppositionsarbeit im sächsischen Landtag eingebracht haben, diese von der Regierungsbank abgelehnt wurden um in Einzelfällen in adaptierter Form anschließend seitens der Regierungsparteien erneut zur Abstimmung gebracht und umgesetzt wurden, freilich ohne den ursprünglichen Ideengeber zu nennen.

In der Nachwendezeit wäre ein Protest unpassend gewesen, wir hatten im gewissen Rahmen Verständnis dafür von Westdeutschen Fachkräften im neuen System geführt und geleitet zu werden, doch dreizig Jahre später ruft es beispielsweise Unverständnis hervor wenn der geringste Teil von Führungskräften in Universitäten, Ämtern und öffentlichen Einrichtungen von Ostdeutschen besetzt werden, da wir in Sachen Bildung nachweislich Spitzenreiter in Deutschland sind, kann es zumindest an mangelnder Bildung nicht liegen.

Natürlich kann man verwaisende Regionen mit Zugereisten beleben, keine Frage, wir erwarten hierbei jedoch nicht nur eine sprachliche und berufliche, sondern auch eine soziale Integration.
Ihre Fragen "Was habt Ihr gegen Ausländer? Was habt Ihr gegen Flüchtlinge? Kennt Ihr überhaupt welche?" Ich persönlich habe ungarisches Wurzeln in der Familie, eine Zuwanderung die wir in der DDR hatten welche klar geregelt war und auf echter Integration und nicht auf Parallelgesellschaften beruhte, die Sprachkenntnisse wurden persönlich im privaten Umfeld erworben, Kinder wuchsen in einigen Fällen trotz Migrationshintergrund einsprachig deutsch auf um Ihren ausländischen Elternteil bei der deutschen Sprache zu unterstützen, Nichtdeutsche Mitbürger sprachen nach wenigen Jahren sehr gut, teilweise nach 25 Jahren dialektfrei und perfekt deutsch, hatten einen deutschen Freundes- und Arbeitskollegenkreis und waren teils "deutscher" als Ihre Nachbarn, unabhängig Ihrer Herkunft, jene Beispiele sind für uns die Musterbeispiele an Integration, nicht jene, womit wir Ossis, womit beispielsweise ich während meines mehrjährigem beruflich begründetem Lebens im Rhein/Main Gebiet, im Rheinland und in Berlin beinahe täglich konfrontiert wurde, wie zum Beispiel Parallelgesellschaften, Ausländer, welche seit mehr als dreizig Jahren von Sozialleistungen leben und kaum ein Wort deutsch sprechen, deren Kinder im Göritzer Park unter Duldung der Behörden mit Drogen dealen und vor keiner staatlichen Institution Respekt haben, möglicherweise kann man wider Erwarten auch in diesem Punkt etwas von uns lernen, nämlich das jenes Umsetzen von Recht und Gesetz unabdingbar für ein Zusammenleben ist.

Wir glorifizieren unseren untergegangenen Staat? In einigen Punkten durchaus, anders als Ihr haben wir nämlich in beiden Systemen gelebt und die jeweiligen Vor- und Nachteile kennengelernt. Wie Sie aufgeführt hatten war so einiges, doch bei weitem nicht alles besser, das wissen mittlerweile auch viele West- und Ostdeutsche, ob wir nur die D-Mark und die Reisefreiheit wollten? Vielleicht, oder aber vielmehr ein echtes Zusammenwachsen, mit offenem und gegenseitigem Lernen der jeweils besseren Entwicklungen, einer echten gemeinsamen neuen Verfassung, einer neuen gemeinsamen Hymne als Identfikation und nicht der "feindlichen" Übernahme mit aller Demütigung, Hohn und Spott, sondern dem Respekt den wir aufgrund der Veränderungen, welcher größer war als diese jede andere Region in Westdeutschland nur ansatzweise unterliegt" die wir in unserem Landesteil gemeistert haben, verdient hätten. Versuchten Sie doch mal in den 90igern des letzten Jahrhunderts auf einer westdeutschen Baustelle "Ossis raus" zu rufen, dort wäre es aufgrund unserer fehlenden Arbeitskraft, unserer Leistungsbereitschaft und unseres ostdeutschen beruflichen Einfallsreichtums nicht mehr vorwärts gegangen, dies zu dumping Lohnkosten, wird Ihnen jeder Westdeutsche Generalunternehmer bestätigen.

Und abschließend die innerdeutsche Migration in westdeutsche Notaufnahmelager mit der aktuellen Migrationssituation gleichzusetzen weist eine deutliche Unverhältnismäßigkeit auf, die uns regelmäßig auf die Palme bringt, fragen Sie doch mal nach wie lange die damaligen ostdeutschen Migranten aus den westdeutschen Sozialsystemen versorgt wurden? Wie häufig es aufgrund sozialer, religiöser oder sprachlicher Unterschiede es zu Problemen kam?

Und wenn Sie das so sehen, dann wählen wir mit der AfD das vermeintliche Rechts, richtige Rassisten, doch in heutigen Diskussionen werde ich ja schon als Rassist bezeichnet wenn ich die Aussagen von Helmut Schmidt zum Thema Migration vom Hindukusch aus seinem Maischberger Interview von 2012 zitiere, wenn diese Sichtweisen auch in Ihren Augen rassistisch sind, dann sind wir das mehrheitlich in Sachsen wohl. Anders als von Ihnen dargelegt ist ungefähr das Dümmste innerhalb einer Demokratie große Teile der Bevölkerung, wie derzeit in Sachsen ca. 27%, nicht wahrzunehmen, diesen Menschen nicht zuzuhören und stattdessen mit einem Stigmata in eine vermeintlich radikale Ecke zu stellen, stattdessen würde ich mir wünschen das wir in Ost und West uns endlich auf Augenhöhe begegnen, die verschiedene Sozialisierung akzeptieren können.

Rico

Wir haben nichts vergessen und so viele sind gar nicht weggelaufen. STASI UND Stacheldraht ja richtig, heute ist es das Netztdurchgreifungsgesetzt. Stacheldraht ,gleichvFB Sperre,
Welche Demokratie denn , in denen sich 2 Parteivorsitzende via WhatsApp über einen künftigen Bundespresidenten abstimmen??
Liberal gegen Linksterroristen , schon die RAF vergessen??
Ja es sind Protestwahlen , weil durch CDU und Wolfgang Schäuble, ganze Arbeitsplätze als künftige Kongruenz vernichtet wurden, und keine Ser Nachfolgenden Regierungen es schafft die Konjunktur im Osten anzukurbeln wären man in Niedersachsen ,Gelder in den VW Konzern steckt , damit trotz Dieselstandal und Milliarden Klagen in den USA nicht Pleite geht.
Das sind Proteste , weil Polizei dann der Liberalen immer mehr abgebaut wurden ,und dann die Sicherheitslage in Deutschland massiv durch kriminelle Einwanderer aus Afrika gefährdet wurde .
Weil Mädchen hier zu Freiwild erklärt wurden und, Vergewaltigungen und Sexuelle Straftaten gefühlt überhand nehmen.
Weil wir immer mehr auf öffentliche Plätze mit Beton Pollern absichern müssen .Polizisten mit MPis auf Flughäfen und Größeren Bahnhöfen. Sichern müssen.

2 Kommentare

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