Fr., 13.09.2019

Kommentar zur Bahn Gefährlich für die Klimapläne

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Hagen Strauß

Der Bundesrechnungshof und die Deutsche Bahn werden keine Freunde mehr. In schöner Regelmäßigkeit veröffentlichen die Prüfer Ungutes über den Zustand des Konzerns. Jetzt also die Horrormeldung, dass dem Unternehmen bis zum Jahresende drei Milliarden Euro fehlen werden. Das angespannte Verhältnis zwischen Behörde und Unternehmen ändert nichts daran, dass die Milliardenlücke und der Vorwurf des Missmanagements zwei Männern besonders gefährlich werden könnten: Bahnchef Richard Lutz und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Kommende Woche ist Aufsichtsratssitzung, in Berlin wabert schon länger das Gerücht, dass es für Lutz womöglich eng werden wird.

Zum einen, weil er als früherer Finanzvorstand in die Affäre um teure Beraterverträge für Ex-Manager des Konzerns verwickelt sein soll; zum anderen, weil Lutz in seiner damaligen Funktion für die alten und in seiner jetzigen für die neuen Milliardenlöcher verantwortlich zeichnet, plus all der anderen Probleme, die die Bahn mehr schlecht als recht in den Griff bekommt. Wobei man einräumen muss: Zuletzt war erkennbar, dass der Boss begriffen hat, worum es eigentlich gehen muss. Um die Beförderung von Zuggästen und Gütern, pünktlich, zuverlässig und schnell, am besten auch günstiger als andere Verkehrsträger.

Dafür erhält die Bahn gemäß der neuen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung vom Bund in den nächsten zehn Jahren bereits 86 Milliarden Euro. Das ist erheblich mehr als ursprünglich für die Sanierung des Schienennetzes veranschlagt gewesen ist. Längst versprochenes Geld also, das Minister Scheuer jetzt auch als Teil seines neuen Klimapaketes verkauft.

Scheuers ambitionierte Pläne – und damit die der gesamten Regierung – hängen zu einem nicht unwichtigen Teil vom Erfolg der Bahn ab. Doch keiner weiß, wie der Konzern mehr Fahrgäste überhaupt bewältigen will, wenn schon jetzt Züge fehlen und die Infrastruktur in einem schlechten Zustand ist. Somit beinhaltet die Lage des Unternehmens im Allgemeinen und das aktuelle Milliardenloch im Speziellen ein erhebliches Risiko für Minister Scheuer und seine Klimaziele. Noch ist offen, wie der CSU-Mann konkret dagegenhalten will. Und der Aufsichtsrat auch.

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