Do., 19.09.2019

Konstruktiv gegen destruktiv Konstruktiv gegen destruktiv

Alice Weidel, AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, spricht bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag. Sie bezeichnete die Klimaschutzvorhaben als »monströses Deindustrialisierungsprogramm«.

Alice Weidel, AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, spricht bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag. Sie bezeichnete die Klimaschutzvorhaben als »monströses Deindustrialisierungsprogramm«. Foto: Michael Kappeler/dpa

Von Werner Kolhoff

Die AfD hat sich entschieden: Der ganze Klimaschutz ist Tinnef. Weil es nach ihrer Ansicht keinen menschengemachten Klimawandel gibt. Am Donnerstag startete die Partei ihre Kampagne. Filme, Faltblätter, Polemiken. Noch bevor die Koalition ihr Klimaschutzprogramm vorlegte. Was beschlossen wird, ist egal.

Erneut findet hier ein Prozess der Selbstradikalisierung statt, wie es ihn schon in Sachen Migration gab. Auch da wurden alle Zwischentöne in den Echoräumen der eigenen sozialen Medien ausgeblendet, Nachrichten nur noch selektiv wahrgenommen. Auch da ging es um pure Ablehnung, nicht um Lösungen. Die andere Seite wird auch jetzt wieder karikiert, für doof erklärt, sogar gehasst. Das Motiv ist klar: Die AfD weiß, dass etwa 30 Prozent der Bevölkerung die Angst vor dem Klimawandel für abwegig halten oder glauben, dass man sowieso nichts machen kann. Und sie weiß, dass dieser Anteil steigen könnte, je nachdem, ob die beschlossenen Maßnahmen die Gewohnheiten der Bürger, ihre Portemonnaies oder gar die Arbeitsplätze berühren. Die AfD versucht, eine destruktive Minderheit zu mobilisieren. Für sich.

Allerdings ist die Strategie nicht ohne Risiko. Meuthen, Weidel, Gauland und Co. können die Verantwortung für das, was sie da tun, gar nicht tragen. Jedenfalls nicht, wenn die beschriebenen Folgen des Klimawandels tatsächlich eintreten. Aber auch kurzfristig ist der Erfolg nicht garantiert. So mancher Bauer wird nachdenklich werden, wenn er immer häufiger Dürren verkraften soll. Und die von den Rechten beschworene Heimatliebe leidet sehr, wenn Wälder sterben. Außerdem macht der harte Anti-Klima-Kurs die Partei noch unattraktiver für junge Wähler. Auch deshalb gehen Teile der AfD-Nachwuchsorganisationen nicht mit. Der Vorschlag, Atomkraftwerke zu bauen, hilft übrigens auch nicht viel, solange man nicht sagt, wo. In den betreffenden Regionen würde die Gefolgschaft der AfD wohl sofort auf Null sinken.

Auch auf der anderen Seite gibt es Radikalisierungstendenzen. Teile der Umweltbewegung um Fridays for Future wollen härtere Aktionen. Straßen- oder Flughafenblockaden zum Beispiel. Doch gibt es – mindestens in dieser Phase – für solche Formen des Protestes noch keinen Grund. Noch ringen die Staaten international und national um Wege, das Pariser Abkommen einzuhalten. Noch mühen sich Wirtschaft und Wissenschaft, technologische Lösungen zu finden. Noch gibt es jenseits der AfD eine ganz große Koalition derjenigen, die im Prinzip willig sind. Diese Koalition braucht zuverlässige Fakten und differenzierte Analysen über die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen. Sie braucht Klima- und Energieforschung. Sie braucht sicher auch harte Debatten und moralischen Druck. Aber, schlag nach bei Greta: Je friedlicher der ist, desto überzeugender.

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