Fr., 20.09.2019

Kommentar zum Klimapaket Noch lebt der Glaube an den Fortschritt

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Ulrich Windolph

Die Bewegung »Fridays for Future« bringt Millionen Menschen auf die Straße, und im Kanzleramt läuft die Bundesregierung heiß. Dieser Freitag wird in die politische Geschichte unseres Landes eingehen, auch wenn ihm weder unmittelbar der Weltuntergang noch die Weltenrettung folgt.

Und doch ist das Klimapaket ein großer Schritt in die richtige Richtung, weil es auf Langzeitwirkung setzt und der Kraft des Fortschritts mehr vertraut als dem Verbot. Dass es trotzdem Kritik von allen Seiten gibt, überrascht nicht. Wie sollte es anders sein, wenn sich Leugner des menschengemachten Klimawandels auf der einen und Anhänger einer neuen Öko-Religion auf der anderen Seite gegenüberstehen. Da wäre es sogar für die stärkste und selbstbewussteste Regierung unmöglich gewesen, es allen Recht zu machen. Und diese Koalition aus CDU/CSU und SPD ist weder besonders stark noch besonders selbstbewusst.

Rechte-Tasche-Linke-Tasche-Effekt

So verwundert es nicht, dass einige Maßnahmen eher dem Durchhaltewillen der Regierenden geschuldet sind und zur Beruhigung der Regierten dienen sollen. Im berechtigten Bemühen, die Akzeptanz unterschiedlichster Interessengruppen zu erlangen, ist die Große Koalition zum Teil doch arg ins Klein-Klein verfallen. Zugleich erweckt sie so einen Rechte-Tasche-Linke-Tasche-Effekt.

Ein radikales Umsteuern, wie es die Umweltverbände und ih­re wahrlich nicht nur jungen Anhänger fordern, hätte sicher anders ausgesehen. Doch ist es gerade das Beste an den Beschlüssen, dass sie nicht auf Radikalität und den »Systemumsturz« setzen.

Denn niemand kann glauben, dass ein Kurs des plumpen Verbietens langfristig betrachtet Aussicht auf Erfolg hätte. Ebenso sollte niemand glauben, dass ein Klimaschutzpaket einer deutschen Regierung genügen könnte, um die Pro­bleme in den Griff zu bekommen. Dafür ist viel zu lange viel zu wenig passiert. Und so sind jetzt nicht nur die Politiker, sondern wir alle gefordert – und das für ziemlich lange Zeit mit ziemlich einschneidenden Veränderungen.

Vor diesem Hintergrund ist es auch das einzig Richtige, auf eine CO 2 -Bepreisung über den Handel mit Verschmutzungsrechten zu setzen statt auf eine CO 2 -Steuer. Das Vertrauen in die Kraft und Lösungsfähigkeit der Marktwirtschaft darf nicht verloren gehen. Doch wird alles Bemühen erfolglos bleiben, wenn der Zertifikatehandel an Deutschlands Grenzen Halt macht. Man darf gespannt sein, was dazu an diesem Wochenende beim UN-Klimagipfel in New York zu hören sein wird.

Überhaupt sollte die Tatsache, dass Deutschland für exakt 2,1 Prozent der energiebedingten weltweiten CO 2 -Emissionen verantwortlich ist, nicht außer Blick geraten. Und zwar nicht, um daraus eine faule Ausrede für das Nichtstun abzuleiten, sondern um technologische Lösungen zu entwickeln, die weltweit überzeugen und als Vorbild dienen können.

Kommentare

Glaubenskrieg


Glaubenskrieg, ..

hierum handelt es sich wohl, wobei gemaess irgendeiner ominoesen Quelle irgendwo auf Facebook ungefaehr 80% der Greta-Religion (Religionsstifterin St. Greta T., der Klimawandel ist ausschliesslich von Menschen gemacht) angehoert und die Unglaeubigen 20% glauben, dass der Klimawandel, der nicht verneint wird, hoechstens zum Teil von Menschen und zum anderen Teil von der Natur selbst durch z.B. staerkere Sonnenaktivitaet und z.B. durch Aenderung des Winkels der Erdachse von Pol zu Pol gemacht wird.


Dann ist doch die Loesung ganz einfach:

Fuer seinen Glauben muss man doch etwas tun z.B. auch Opfer bringen.

Die Anhaenger dieser Religion werden hiermit europaweit (besser noch weltweit) natuerlich frewillig verpflichtet,

an den Wochenenden, also Samstag und Sonntag, auf ihr Auto zu verzichten, wenn es denn nicht lebensnotwendigerweise noetig ist,

die Klimaanlage, elektrische Fensterheber, elektrische Sitzverstellung, Airbags (no risk no fun) usw. auszubauen und so das Gewicht um 500 kg zu reduzieren und die PS-Zahl zu halbieren,

nur noch regional “erzeugtes” Fleisch mit ausschliesslich regionalem Futter erzeugtes Fleisch zu kaufen,

nur noch regionales Gemuese und Obst zu kaufen,

ausschliesslich Oekostrom zu kaufen,

die Oelheizung sofort zu ersetzen oder im Winter zu frieren.

Fuer alle gilt ab sofort Tempo 130 km/h auf den Autobahnen.

Dann musste es doch moeglich sein, den Temperaturanstieg bis ans Ende des Jahrhunderts auf 0,5 Grad zu beschraenken und alle waere zufrieden.

Wo ist das Problem?

22. Sept. Anno Gretii 16, also gestern, ....

...fuhr ich mal wieder - mancher meint vielleicht sinnlos - mit dem Fahrrad durch die Gegend. Einfach weil ich’s kann und auch aus Spass. Neuenbeken, Altenbeken, Kempen, Feldrom, Altenbeken, Buke, Schwaney, Dahl, Tanke (Tankstelle) an der B64 am “Hengkrug” zwischen Dahl und Neuenbeken, Neuenbeken. Sehr schoen, auch optisch. Nach dem Wasserfassen an der Tanke schaute ich so auf die B64 und hatte das Gefuehl, dass da mehr Verkehr war als wochentachs (westfaelisch) zur Rush Hour.

Anstelle der CO2 Bepreisung von Sprit und Heizoel, also auf Stoffe, die sowieso schon durch hohe Steuern bepreist sind, sollte man vielleicht ganz einfach mal wieder autofreie Sonntage einfuehren, mindestens 12, und auch das Tempolimit von 130 km/h auch gegen die Unkenrufe des ADAC. Das waere kein linke Tasche - rechte Tasche Spiel und wuerde nicht selektiv Menschen aus aermeren Schichten belasten. Ferner muesste unbedingt díe Globalisierung zumindest in Teilen im wahrsten Sinne des Wortes zurueckgefahren werden. Das sind Massnahmen, die wirklich greifen, will also keiner. Schade.

Seien wir ehrlich, es wird nicht ohne Verbote gehen.

2 Kommentare

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