Kommentar zur Kita-Studie
Was sind uns unsere Kinder wert?

Armin Laschet war mal Kinder- und Familienminister in NRW. Als solcher gilt er als Erfinder des Kinderbildungsgesetzes – kurz Kibiz – und hat sich damals ganz schön was anhören müssen von Kita-Trägern und Beschäftigten. Die Kampfparole der Kritiker und der Landtagsopposition lautete damals: Kibiz ist Mumpitz!

Donnerstag, 26.09.2019, 21:02 Uhr aktualisiert: 26.09.2019, 21:10 Uhr
Was sind uns unsere Kinder wert? Diese Frage muss sich die Gesellschaft endlich ehrlich beantworten. Foto: dpa
Was sind uns unsere Kinder wert? Diese Frage muss sich die Gesellschaft endlich ehrlich beantworten. Foto: dpa

Seither weiß Laschet, wie schwer es ist, eine Kita-Finanzierung auf die Beine zu stellen, die allen gerecht wird. Vielleicht hat er sich deshalb jahrelang dafür ausgesprochen, zusätzlich verfügbares Geld für die Kitas an erster Stelle in eine bessere Qualität – also ins Personal – zu stecken und nicht in Gebührengeschenke. Als CDU-Ministerpräsident ist Laschet dann doch schwach geworden. Ab 2020 sind die letzten beiden Kita-Jahre in NRW kostenlos. Das kostet pro Jahr mal eben 200 Millionen Euro. Geld, das vor allem besserverdienenden Eltern zugute kommt.

Und heute? Von Mumpitz spricht niemand mehr. Doch Joachim Stamp (FDP), der jetzt Kinder- und Familienminister in NRW ist, muss sich ebenfalls ganz schön was anhören. Das nächste Mal wahrscheinlich am Montag, wenn es eine Landtagsanhörung zur Kita-Finanzierung gibt. Das neue Gesetz bringt unstrittig Verbesserungen – etwa bei der seit Jahren geforderten Anerkennung des Zeitaufwands für die Kita-Leitung auch in kleineren Einrichtungen und bei einem besseren Personalschlüssel.

Doch betrachtet man die jüngste Bertelsmann-Studie, so sind die Änderungen in NRW eher Mangelbeseitigung denn Zukunftsvision. Klar, Stamp kann darauf verweisen, dass Tausende neue Kitaplätze geschaffen und Zehntausende Mitarbeiter neu eingestellt wurden. Unterm Strich bleibt aber die Erkenntnis, dass die NRW-Kitas zumeist noch immer meilenweit entfernt sind von einer Personalausstattung, die laut Bertelsmann-Studie für eine gute Entwicklung der Kinder notwendig wäre. Ob sich die Eltern angesichts dieser Zahlen über die künftig wegfallenden Gebühren wirklich freuen können?

Und dann sind da noch die Kirchen, die viele Kitas im Lande betreiben und schon die Alarmglocken läuten. Wenn sich die Finanzierung nicht langfristig zum Besseren wende, dann werde die zunehmende Belastung »nicht mehr zu schultern sein«. Das ist die höfliche Form der Drohung, den Laden einfach dicht zu machen.

Das Gezerre um die Kitas muss ein Ende haben. Verbindliche Standards sowohl bei der Menge als auch bei der Ausbildung des Personals sind überfällig – und das bundesweit. Solche Standards müssen auch dann Bestand haben, wenn die Staatskasse nicht mehr überquillt. Und die Kita-Träger brauchen Gewissheit, dass sie auch in zehn Jahren noch über die Runden kommen.

Was sind uns unsere Kinder wert? Diese Frage muss sich die Gesellschaft endlich ehrlich beantworten.

Kommentare

Stranz, Gerhard  schrieb: 27.09.2019 09:12
So lange es das KIBIZ gibt wird es nie zu einer guten Lösung kommen
Ja. Andreas Kolesch hat Recht, wenn er sagt, dass das Gezerre um die Bedingungen für die Förderung von Kindern im Elementarbereich ein Ende haben müssen.
Aber solange es das Kinderbildungsgesetz - KiBiz - gibt, wird es nie zu einer auskömmlichen und guten Lösung kommen. Das KiBiz hat einige Systemfehler, in dem es Kinder zu "Pauschalen" macht und somit einen sogenannte "subjektorientierte" Förderungssystematik hat. In der Zeit, als das KiBiz im Jahr 2007 wurde auf diesen Fehler bereits hingewiesen. Damals haben Länder, in denen solche Systeme schon länger galten, diese wieder abgeschafft,weil sie feststellten, dass diese nicht geeignet sind, die Qualität der Arbeit zu verbessern.
Die jetzt vorgesehene Reparatur des KiBiz wird insofern wieder nicht zu einer Verbesserung führen.
Solange das Landesausführungsgesetz nicht das Wohl des Kindes als Ausgangspunkt nicht - sondern die Höhe des eingesetzten Geldes - und Land und Kommunen die Bedarfsplanung - entsprechend den bundesgesetzlichen Vorgaben - so ausrichten, dass auch ein unvorhergesehener Bedarf gedeckt werden kann, wird es bei der Mangelverwaltung bleiben. Es leiden die Kinder. Diese werden uns die Unzulänglichkeit irgendwann mal "heimzahlen".
Schade, dass die Verantwortlichen nicht nachhaltig denken und handeln!
Paul Schneider  schrieb: 27.09.2019 08:11
Kinder
Und das Problem wird durch ständigen Zuzug Schutzsuchender und die Geburtenzunahme noch grösser werden. Das ist die Meinung vieler Erzieherin, die sich aber nicht wagen, dies offen auszusprechen. Ich frage mich, wie es weiter gehen soll? Wie will man noch mehr Integrations-, Sprach- und Vorbereitungsleistungen erbringen. In NRW ist die finanzielle Darstellung kein Problem. Der Schuldenmeister der Nation finanziert dies mit neuen Krediten, also einer weiteren Verschuldung. Die politische Begründung ist dann plausibel. Wenn Mütter arbeiten müssen, um die Armut einigermassen erträglich zu machen, dann braucht es einfach mehr Kita-Plätze. Doch woher will mann das Personal nehmen, wenn bis 2025 270.000 Fachkräfte fehlen . Es reicht eben nicht, wenn die Ministerin Karliczek meint:" um ein Kind grosszuziehen, braucht es das ganze Dorf."
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