Fr., 11.10.2019

Kommentar zum Friedensnobelpreis Erleichterung bei Gretas Anhängern

Mehrere hundert Schüler beteiligen sich an der »Fridays for Future«-Klimademonstration.

Mehrere hundert Schüler beteiligen sich an der »Fridays for Future«-Klimademonstration. Foto: dpa

Von Andreas Schnadwinkel

Die Nachricht ist nicht, dass der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis bekommen hat. Die Nachricht ist, dass Greta Thunberg ihn nicht bekommen hat.

Dabei ist erstaunlich, dass gerade die, die Greta seit einem Jahr hochleben lassen, über die Entscheidung erleichtert sind. Und das aus guten Gründen, denn die Auszeichnung für die Schwedin hätte der Klimaschutz-Bewegung geschadet. Der Friedensnobelpreis für die 16-Jährige hätte die ohnehin schon gekippte Stimmung noch verschärft.

In einer repräsentativen Umfrage vor der Verleihung haben sich 66 Prozent der Befragten in Deutschland gegen Greta Thunberg als Preisträgerin ausgesprochen und nur 15 Prozent dafür. Auch hier tritt einmal mehr die Diskrepanz zwischen veröffentlichter Meinung und öffentlicher Meinung zutage: »Fridays for Future« ist keine Massenbewegung, sondern eine erfolgreiche Medienkampagne. Laut jüngstem ARD-»Deutschlandtrend« lehnen 63 Prozent die Schülerproteste ab.

Ob die junge Aktivistin wirklich Favoritin des Nobelkomitees war oder ihr diese Rolle bloß zugeschrieben wurde, wird man wohl nicht erfahren. Jedenfalls wäre es hilfreicher gewesen, statt auf die Quoten der Buchmacher zu blicken, einfach die Anforderungen zu lesen, die eine Preisträgerin oder ein Preisträger gemäß dem Erbe Alfred Nobels zu erfüllen hat. Laut dieser Definition konnte Greta zu keinem Zeitpunkt ernsthaft in Betracht kommen.

Klar: Wer Klimaschutz mit Friedensarbeit gleichsetzt, der findet Ansätze. Andererseits hat Greta – oder das Team hinter ihr – durch radikale Äußerungen auch Unfrieden gestiftet und die Gesellschaft beim Thema Klimaschutz polarisiert. Und dabei sind Maß und Mitte verloren gegangen.

Klimaveränderungen sind eines der größten Probleme unserer Zeit, das steht außer Frage. Verzicht und Verbote werden diese globale Herausforderung nicht lösen, und schon gar keine Straßensperren für Autos in Deutschland.

Derzeit wirkt Klimaschutz wie ein Erste-Welt-Problem der weißen Mittelschicht in den Ländern der westlichen Welt. In den postmateriellen Milieus der urbanen Eliten mögen Lastenfahrräder zum Lifestyle gehören. In den asiatischen Schwellenländern und in der Dritten Welt werden echte Lasten damit bewegt.

Das Nobelpreiskomitee hat eine gute Entscheidung getroffen, weil es die Auszeichnung vor einem gesteuerten Hype geschützt hat.

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