Fr., 15.11.2019

Kommentar zum Lückenschluss Diese A33 ist auch ein Mahnmal

Hier geht’s nach Bielefeld, Paderborn oder Osnabrück: ein A33-Verkehrsschild in Halle am Ravennapark.

Hier geht’s nach Bielefeld, Paderborn oder Osnabrück: ein A33-Verkehrsschild in Halle am Ravennapark. Foto: Oliver Horst

Von Stefan Küppers

Wenn an diesem Montag die A33 in der letzten verbliebenen Lücke zwischen Halle und Borgholzhausen für den Verkehr freigegeben wird, werden die mutmaßlich meisten Menschen in der Region darauf mit Erleichterung reagieren. Und viele von diesen werden mit einem sarkastischen Unterton womöglich noch hinzufügen: Dass ich das noch erleben darf...

In der Tat: Dieser Lückenschluss am 18. November 2019 ist allein deshalb schon ein sehr besonderes Ereignis, weil sich an der A33 mittlerweile ganze Generationen von Politikern, durch Lärm und Dreck frustrierte B68-Anlieger, kämpferische Naturschützer, besorgten Unternehmer und im Dauerstau schimpfende Verkehrsteilnehmern abgearbeitet haben. Im Laufe der nahezu 60-jährigen Planungsgeschichte ist der Kampf für und gegen diese Autobahn immer stärker emotionalisiert und politisch instrumentalisiert worden. Mit koordiniertem Widerstand auf höchster Ebene (erst SPD-Verkehrsminister Zöpel in den 80er Jahren, später Grünen-Umweltministerin Höhn in den 2000er Jahren) diente diese A33 immer auch dazu, politische Exempel zu statuieren. Dass Vertreter der Umweltverbände anlässlich der Eröffnung wieder von einer »Dinosaurierplanung« sprechen, obwohl sie an der sogenannten Konsenstrasse rund um den Tatenhausener Wald mit sechs Grünbrücken auf knapp zehn Kilometer seinerzeit mitgewirkt haben, zeigt, dass alte Wunden längst nicht verheilt sind.

Im Laufe der Planungsjahre aber haben immer mehr Bürger die Überzeugung gewonnen, dass solche Dauer-Auseinandersetzungen beendet werden müssen. Lange vor dem Berliner Flughafen BER war die A33 zu einem Symbol dafür heran gewachsen, was in diesem Land alles nicht geht. Der großen Bürgerdemonstration pro A33 von 2012 in Halle, ohne die es den Lückenschluss bis 2019 wohl nicht gegeben hätte, lag der tiefe Wunsch nach pragmatischen Lösungen und mehr politischer Einigkeit zugrunde.

Und das ist es wohl im Kern, was man aus dieser nahezu unendlichen A33-Geschichte für die Zukunft lernen kann: Die Mehrzahl der Bürger wünscht sich eine pragmatisch orientierte Herangehensweise gerade an Probleme der Infrastruktur. Gelegentlich helfen pfiffige ÖPNV-Konzepte weiter, manchmal aber braucht es eben auch eine neue Straße, um Alltagsprobleme und -bedürfnisse von Menschen zu lösen.

Dieses Land ist im globalen Wettbewerb darauf angewiesen, dass Fortentwicklungen angestoßen, entschieden und zügig umgesetzt werden. Ideologische Kämpfe, wie sie sich aktuell im Kulturkampf gegen das Auto zeigen, und fehlender politischer Grundkonsens hingegen können über Jahrzehnte Stillstand erzeugen. Und dafür ist diese A33, bei aller Freude über den Lückenschluss, leider eben auch ein Mahnmal.

Kommentare

Kulturkampf gegen das Auto?

Na klar: der Wohlstand dieses Land geht auf seine hervorragende Infrastruktur zurück. Und doch ist der Lückenschluss und die Art, wie er in der Region gefeiert wird, ob der aktuellen Diskussion um die Frage, wie wir die Erde behandeln, doch reichlich irritierend: unser Ziel muss doch sein, den Autoverkehr zu reduzieren, um CO2-Emissionen zu senken und in den Städten die Lebensqualität zu erhöhen. Mit der nunmehr deutlichen Attraktivierung der Sprint-Strecke Osnabrück - OWL wird wahrscheinlich das Gegenteil passieren: mehr Straßen schaffen mehr Verkehr. Deshalb kann das nicht das Ende der Bemühungen sein. Die Autobahn eignet sich auch für Schnellbusverkehre - und so wie die Fahrtzeit mit dem Auto sich nunmehr reduziert, so muss das auch auf der Schiene passieren. Es wäre schon viel gewonnen, wenn am Ende nicht mehr, sondern weniger Autos unterwegs wären. Auch wenn. Das Westfalen-Blatt nennt das "Kulturkampf gegen das Auto", Menschen, die Nachhaltigkeit im Sinn haben, nennen das "Vernunft".

Nachdenken...

Es ist schwierig.

Wirklich.
Wir bewundern heute die Pflasterstraßen der Römer. Goutieren die Brücken und sogar Tunnels, die in frühen Jahren gebaut wurden.
Aber WEHE! WEHE, irgendjemand kommt auf die Idee, den jetzigen/heutigen Fortbewegungsmethoden adäquate Wege zu bereiten...
Protest!
Der - übrigens - nicht selten begründet ist.
Was hilft?
Ganz krass: Zu Fuß gehen!
Geht auch nicht ohne Wege. Aber "umwelt"freundlich. Was immer das sei.
Wem das zu radikal (=Wurzel) ist, der möge der Abschaffung modernen und sich entwickelnden Lebens das Wort reden.
Also - entsprechend dem (offensichtlichen) "Verfahren" der Evolution...

2 Kommentare

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