Sa., 16.11.2019

Kommentar zum Abschied von Elmar Brok Ostwestfalens größter Europäer

Elmar Brok beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg im Dezember 2018.

Elmar Brok beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg im Dezember 2018. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Von Ulrich Windolph

Diese Stelle ist zumeist der Platz für Kritik an Politikern und ihrem Handeln oder Nicht-Handeln. Für die Frage, warum die Dinge nicht schneller vorangehen oder besser zu regeln sind. Und wer was wann und warum falsch gemacht hat. Heute nicht. Heute ist es an der Zeit, an dieser Stelle Respekt und Anerkennung zu zollen.

Wenn Elmar Brok an diesem Samstag im Rahmen einer Feierstunde von seiner CDU als EU-Abgeordneter offiziell verabschiedet wird, geht eine beeindruckende Politikerkarriere zu Ende. Das kann man anerkennen, ohne den Lehrsatz von Hanns Joachim Friedrichs zu verletzen, wonach der Journalist »sich nicht gemein machen soll mit einer Sache – auch nicht mit einer guten«.

Elmar Brok zog 1980 aus, um Ostwestfalen-Lippe in Europa bekannt zu machen und Europa nach Ostwestfalen-Lippe zu bringen. Am Samstag auf dem Maidan in der Ukraine und tags darauf schon wieder beim Schützenfrühstück in Beverungen. Und zwischendrin noch schnell um 6.05 Uhr in der Frühe ein Interview mit dem »Deutschlandfunk«. Elmar Brok hat all diese Strapazen stets irgendwie unter ei­nen Hut gebracht – 16 Jahre CDU-Bezirksvorsitz inklusive. Und wenn er dann mal (wieder) zu spät war, nahm es das Pu­blikum mit ei­nem Schmunzler. Es konnte ja gut sein, dass er hinter dem Festzelt noch kurz mit der Kanzlerin telefoniert hatte.

Brok war fordernd, hart ge­gen sich selbst und ge­gen andere. Und natürlich war er parteiisch – wie hätte es anders sein sollen. Mit Elmar Brok musste man streiten. Aber man konnte es auch (und wird es hoffentlich noch oft können). Denn Brok mag für seine Überzeugungen und die CDU durchs Feuer gehen, dogmatisch ist er nicht. Vielleicht ist das überhaupt eines seiner Erfolgsgeheimnisse, dass er Brücken bauen kann, wo es für andere nur Trümmer gibt, dass er Gespräche führt, wo sich andere nur noch anschweigen. Er, der das einzigartige Friedenswerk EU noch mit den eigenen Kindheitserfahrungen aus der Nachkriegszeit in Verbindung bringen kann, hat sich wahrlich verdient gemacht um unser politisches Gemeinwesen.

Elmar Brok ist einer der erfahrensten Sherpas auf dem Berg Eu­ropa, auf dem die Luft oft dünn und die Bedingungen rau sind. Auch jetzt gerade wieder. Was Wunder also, dass der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker noch bis zuletzt auf die Expertise des Ostwestfalen setzt und zeitgleich schon die designierte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Brok um Rat und Hilfe bittet.

Nicht immer eben sind es nur die im Rampenlicht, die auf der ganz großen Bühne, auf die es ankommt. Ohne seinen Sherpa Tenzing Norgay wäre einst Edmund Hillary wohl kaum auf den Mount Everest gekommen. Und ohne Elmar Brok wäre mancher Gipfel in der EU nicht erreicht worden.

Das wusste Helmut Kohl zeit seiner 16-jährigen Kanzlerschaft zu nutzen, obwohl dieser Elmar Brok doch eigentlich ein Mann des Kohl-Rivalen Rainer Barzel gewesen war. Und das weiß Angela Merkel bis auf den heutigen Tag ihrer nun gut 14-jährigen Kanzlerschaft zu schätzen. Ein Amt als EU-Kommissar hat Elmar Brok für all das nicht gebraucht, obwohl er es gewiss verdient und wahrscheinlich auch gern angenommen hätte.

Diese Nicht-Berücksichtigung hat seinem Engagement jedoch nie einen Abbruch getan. Er hat mancher Enttäuschung getrotzt und allen Kritikern die Stirn geboten, ob es nun um sein jahrelanges Engagement für den Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann ging oder ob die Schelte von Satirikern wie Martin Sonneborn kam. Elmar Brok hat langen Atem bewiesen und stets eine Antwort gefunden. Allein das ist eine herausragende Leistung.

Elmar Brok geht erhobenen Hauptes, auch wenn er gern noch geblieben wäre. Hinter den Kulissen wird er gewiss weiterwirken. Und doch hinterlässt der 73-Jährige eine Lücke in der Europapolitik, die für die CDU nicht leicht zu schließen sein wird. Und ganz gewiss gilt: Elmar Brok ist Ostwestfalens größter Europäer! Dankeschön für 39 Jahre unermüdlichen Einsatz für unsere Heimat und das gemeinsame Haus Europa!

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