Di., 03.12.2019

Kommentar zu „70 Jahre Nato“ Eine träge Truppe

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Elmar Ries

Die Nato wird 70, da knallen die Sektkorken, da werden vielstimmig Lobeshymnen gesungen. Das Jubiläum macht für einen Tag vergessen, dass das mächtigste Militärbündnis in einer tiefen Krise steckt.

Die USA haben sich abgewandt, Frankreich attestiert dem Bündnis den „Hirntod“ und liebäugelt zeitgleich mit Russl and – während der Rest hartnäckig ums liebe Geld streitet und dabei die zentrale Frage unbeantwortet lässt: Wer ist aktuell eigentlich der erste Feind? Der internationale Terror – wie Frankreich meint, oder Russland – so sieht das das Gros der anderen Mitglieder.

Trotz dieser Friktionen bleibt zum Geburtstag zweierlei unbestritten: Die Nato war so notwendig, wie sie es weiterhin ist. Und: Das Bündnis hat zu 75 Jahren Frieden in Europa beigetragen und ist darum eine Erfolgsgeschichte.

Fast 50 Jahre lang war die Welt in zwei Blöcke aufgeteilt und sicherheitspolitisch vergleichsweise einfach gestrickt. Das Atomwaffen-Arsenal auf beiden Seiten garantierte ein Patt und sorgte dafür, dass der Kalte Krieg nicht heiß lief. Allenfalls Stellvertreter-Kriege mussten im Auge behalten werden.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Russland ist wieder Großmacht und rasselt – wie im Fall Ukraine – nicht mehr nur mit dem Säbel, der Terror agiert inzwischen global, China ist auf dem Sprung, Großmacht zu werden, und fordert seinen Platz in der Welt unverhohlen ein, während der Nahe Osten bleibt, was er ist: ein Pulverfass.

Das ist die globale Kulisse, vor der sich die Nato behaupten muss – und das Bündnis wirkt dabei doch arg aus der Zeit gefallen. Vorbei sind die Zeiten, in denen die USA den atomaren Schutzschirm aufgespannt hielt und damit ihre Hand schützend über Europa. Unter Trump hat sich der einstige Sicherheitsgarant zu einem unsicheren Kantonisten entwickelt.

Die übrigen 28 Staaten müssen das nicht nur zur Kenntnis nehmen. Sie müssen auch darauf reagieren. Das Bündnis muss reformiert, neu aufgestellt und vor allem europäischer werden. Stattdessen ergeht sich der Nato-Club weiterhin im Klein-Klein – und erstarrt in Trägheit. Streit ums Geld, Streit ums Engagement, Streit um die richtige Richtung. Viel Worte, noch mehr Lippenbekenntnisse, aber wenig Tatkraft.

Sicherheit kostet. Energie, Kraft, Wille, Mut, Verantwortung und letztlich, ja, auch Geld. Von all dem muss vor allem Deutschland viel mehr in die Waagschale des Bündnisses legen. Nicht nur in Form von Fensterreden. Wer in Europa politisch und wirtschaftlich führt, darf bei dessen Verteidigung nicht kneifen.

Kommentare

Träge Truppe

Mehr als 70 Jahre Frieden in Europa? Und was war mit dem Balkankrieg? Darüber hinaus wurden unter Beteiligung der NATO im Ausland Kriege geführt. Damit ist x-mal der NATO-Vertrag, der von einem Verteidigungsbündnis spricht, gebrochen worden. Wer hat denn den Krieg in er Ukraine vom Zaun gebrochen und die Putschisten bezahlt? Russland hat noch nie Angriffskrieg geführt. Merke: Genscher hat es seinerzeit auf den Punkt gebracht: Ein Frieden ohne Russland und gegen Russland kann es nicht geben. Und jetzt sollen die Europäer mehr Geld ausgeben, das kommt der amerikanischen Rüstungsindustrie sehr gelegen. Und Trump dankt es mit einem Laecheln.

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