Kommentar zum WDR-Beitrag
Das ist keine Lappalie

Ja, das ist ein Skandal. Wenn es kein Skandal wäre, hätte sich der WDR-Intendant nicht persönlich eingeschaltet. Tom Buhrow hat die Tragweite dieses Vorgangs erkannt und versucht nun zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Montag, 30.12.2019, 11:33 Uhr aktualisiert: 30.12.2019, 11:36 Uhr
Symbolbild. Foto: Oliver Berg/dpa
Symbolbild. Foto: Oliver Berg/dpa

Im Gegenteil. Die meisten Reaktionen aus dem Funkhaus am Kölner Appellhofplatz machen die Sache nicht besser. In einer Stellungnahme schreibt der Leiter des WDR-Kinderchores davon, dass mit dem Lied „der Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn genommen werden“ solle. Dieser angebliche Generationenkonflikt wegen des Klimaschutzes findet wohl nur im Kopf des Chorleiters statt oder soll mutwillig erzeugt werden. Die Mädchen, die da singen, wissen nicht, was sie singen. Ihnen ist gesagt worden, dass das witzig sei. Sie beleidigen ihre Großmütter.

Auch der Versuch, sich mit dem Label „Satire“ zu retten, ist zum Scheitern verurteilt. Wenn dieses Lied eine Satire sein soll, dann worauf? Auf Indoktrination in totalitären Systemen, auf den ideologischen Drill von Kindern im Faschismus, Kommunismus und Nationalsozialismus? In diesem Fall ginge das Lied als Satire durch.

Dass sich obendrein ein WDR-Mitarbeiter bei Twitter dazu hinreißen lässt, die „Umweltsau“ zur „Nazisau“ zu steigern, steht für die Radikalisierungen in der Klimadebatte.

Derzeit ist viel von vermeintlichen Analogien der 1920er Jahre zu den beginnenden 2020er Jahren die Rede. Man kann den Gedanken für übertrieben halten, aber wenn im Zusammenhang mit der Großeltern-Generation Begriffe wie „Umweltsau“ und „Nazisau“ benutzt werden, dann erinnert das an „Judensau“. „Knallt ab den Walther Rathenau, die gottverdammte Judensau“ hatten antisemitische Freikorpssoldaten über den Reichsaußenminister gesungen, bevor dieser 1922 ermordet wurde.

Und heute? Muss es wieder „Wehret den Anfängen!“ heißen? Was bedeutet es, wenn die Großmutter als „Umweltsau“ bezeichnet wird, SUV-Fahrer von Klima-Aktivisten an der Weiterfahrt gehindert und grüne Hausnummern für „nachhaltige Lebensweise“ verteilt werden? Eine Gruppe der Gesellschaft (Großeltern und SUV-Fahrer) wird von einer anderen Gruppe (selbsternannte Klimaschützer) als schädlich definiert und stigmatisiert. Das sind Ansätze von Faschismus, nicht mehr und nicht weniger. Wer solche Vorfälle als harmlos abtun will, hat von der Entwicklung dieser Gesellschaft nicht viel verstanden, will es nicht verstehen oder begrüßt diese Entwicklung.

Der WDR muss diesen Skandal vollständig und transparent aufklären. Wie konnte es zu diesem Lied kommen? Wer hat es geschrieben? Und wer ist für Aufnahme und Ausstrahlung verantwortlich? Da reicht keine läppische Twitter-Botschaft. Und auch keine Entschuldigung des Intendanten.

Kommentare

franz.B  schrieb: 04.01.2020 19:13
Diffamierungen
Viele Stellungnahmen der Journalisten bzw. Redakteure führen zu der Diffamierung eines ganzen, unbescholtenen Teils unserer Bervölkerung und das beweist, dass ihre politische Ausrichtung von Denunzierung und Ausgrenzung bestimmt ist. Hätte ein Rentner, Herr X., Umweltfrevel begangen, so hätte man Herrn X. in einer Satire mit Ironie als Umweltsau bezeichnen können. Vor 80 Jahren hat man auch Mitglieder/innen einer Volksgruppe als "...sau" bezeichnet. Das faschistische System wurde zu recht verurteilt. Hätte das heute jemand zu einem anderen Volksteil gesagt, wären die gleichen Redakteure und Journalisten aufgebracht und würden diese Äußerung als Satire leugnen und als Faschismus bezeichnen.
Unsere Journalisten beim WDR sind politisch gefärbt und haben nichts gelernt. Ausgrenzende, spaltende Diffamierung Andersdenkender kennen wir noch aus dem System der DDR. Die politische Gesinnung der betroffenen Journalisten scheint dieser zu ähneln. Mit Demokratie, Ironie und künstlerischer Freiheit hat das aber auch gar nichts zu tun. Es ist schlichtweg manipulative "Staatsdoktrin".
Dirk Strothmann  schrieb: 02.01.2020 15:09
Skandal?
Dieser "Skandal" zeigt vor allem, dass die unterschwellige Zustimmung zur AfD (Stichwort:Zwangsgebühren, Lügenpresse) immer weiter wächst- auch bei vielen, die sich selbst (noch?) für Gegner der AfD halten.
Ob das WDR-Satirelied geschmacklos und niveaulos ist, steht auf einem anderen Blatt. Wenn aber mit derartiger Vehemenz in den begeisterten Kommentaren zu diesem Artikel die "Zwangsfinanzierung der öffentlich rechtlichen Lügenpresse" herbeigeschrien wird, stimmt das sehr nachdenklich.
Leo-Armine  schrieb: 02.01.2020 10:03
Ein sehr treffender Kommentar, lieber Andreas Schnadwinkel.

Danke und ein gesegnetes neues Jahr!
Vivien O.  schrieb: 02.01.2020 03:20
Soviel heiße Luft...
Gute Güte, wo anfangen?
1. Nein, es ist kein Skandal, es ist ein satirisches Lied, das einige offenbar in den falschen Hals bekommen haben.
2. Nein, der Kinderchor beleidigt nicht seine Großmütter, es sei denn, diese "fahren mit dem Motorrad durch den Hühnerstall" und "überfahren Opis mit Rollator". Hm. Unwahrscheinlich.
3. Die "Nazisau" des WDR-Mitarbeiters fiel im Zusammenhang mit massiven Androhungen von Gewalt durch Nazis, nicht als allgemeine Aussage und auch nicht als direkte Beleidigung konkreter Omas.
4. Nein, bei dem Lied ist nicht und war nie die Kriegs- und Nachkriegsgeneration gemeint, sondern die Babyboomer der 60er-Jahre, wie alt man halt wäre, wenn man heute eine zehnjährige Enkelin hätte.
5. Nein, "Umweltsau" und "Judensau" spielen nicht in derselben Liga: Das eine kritisiert ein Tun, das andere brandmarkt ein Sein. Und im Grunde verbietet sich dieser semantische Vergleich für anständige Menschen.
6. Wie man auf die Idee kommt, es handele sich bei dem Lied um Faschismus oder einen Vorboten desselben ist mir vollkommen schleierhaft. Weiß der Autor nicht, was Faschismus ist?
7. Ein Herz für SUV-Fahrer, aber um die Kinder des Chores, die sicherlich ob der ganzen Aufregung total irritiert bis verschreckt sind, schert sich in sämtlichen Diskussionen der Oma-Verteidiger keine Sau. Wirklich: Niemand.
8. Die pseudo-aufklärerischen Fragen am Ende sollen wohl investigativ rüberkommen, sind aber einfach nur albern: Es geht hier um ein Satire-Liedchen, nicht um verdeckte Wahlkampfspenden oder das aktuelle Maut-Desaster. Wo wurde es aufgenommen, wie oft wurde geprobt, schien die Sonne draußen zu der Zeit? Mann, Mann, Mann.

Gesamt: Lieber Herr Schnadwinkel, es ist ja in Ordnung, dass Sie sich journalistisch profilieren wollen, aber wäre es nicht auch drei Nummern kleiner gegangen? Und musste es unbedingt dieser Zug sein, auf den Sie aufspringen? Wie praktisch, wo er doch schon so schön rollt.
Bob  schrieb: 01.01.2020 17:07
Danke, für diesen wahren Kommentar
Ich hatte mein Vertrauen in unsere Medienlandschaft nahezu gänzlich verloren.
Welche ein herrlicher Kontrast zu der Neuen Westfälischen, die die öR und den kleinen Tom auch noch in Schutz nimmt.
Sie sprechen mir aus dem Mund: Wehret den Anfängen!
Ich werde es nicht zulassen, das meine Kinder weiter indoktriniert und instrumentalisiert werden. Es schaudert mir und errinnert mich an 1933, wenn diese verpflichtend im Rahmen des Unterrichts an der FFF Demo im Kreis Lippe teilnehmen müssen, um "sich eine eigene Meinung zu bilden", so wie vor den Weihnachtsferien geschehen. Man hat jetzt schon Sorge, in die Schublade der Reichsbürger oder "Nazis" gesteckt zu werden und Nachteile zu erfahren, wenn man seinen Unmut an die Schulleitung kundtut. Leider sind die Kinder rhetorsich noch nicht reif genug, ihre eigene, womöglich vom Mainstream abweichende Haltung zum Thema "Klima" zu verteidigen und laufen Gefahr, entweder mitzuschimmen, oder sich einer öffentlich diffarmierenden Kritik (zu neudeutsch "Shitstorm") auszusetzen.
Ele  schrieb: 01.01.2020 16:50
"Umweltsau" So eine Schmäh gegen Großmütter
Wie kann man als ein "intelligenter Chorleiter ??" so ein
dummes, unverschämtes Lied, von Kleinkindern gesungen,
veröffentlichen.
Gerade die Großmütter waren es doch, die nach dem
Krieg sparten, alles wiederverwendeten und auf keinen
Fall so einen Liedertext verdient haben. Eine große
Schade ist das, meiner Meinung nach.
Hier müßte seitens des WDR anders reagiert werden,
wer das als "SATIRE" bezeichnet, ist ja wohl ein
unverantwortlicher Mensch.
Kalamares  schrieb: 01.01.2020 14:46
Erfreulicher Kommentar - weiter so
Die nahezu einhellige Verurteilung des WDR-Beitrags wie hier im Westfalen-Blatt macht Hoffnung, dass deutsche Print-Medien allmählich wieder zur Besinnung kommen. Ich hoffe ebenso, dass die Diskussion um die Abschaffung der Zwangsfinanzierung unseres öffentlich-rechtlichen Rundfunks allmählich Fahrt aufnimmt. Es ist nicht hinnehmbar, dass gegen 15% - 25% der Wählerschaft (je nach Bundesland) systematisch Front gemacht wird mit Quasi-Steuermitteln. Die Einseitigkeit des öffentlich-rechtlichen Funks ist schädlich für unsere Demokratie. Gegen Rechte (ich meine nicht „Rechtsradikale“) wird ständig Stimmung gemacht, während Aktionen des linken Meinungsspektrums, auch wenn sie gegen Gesetz und Ordnung verstoßen, bejubelt und beklatscht werden (zB die im Namen der Klima-Rettung erfolgenden Blockaden unserer Innenstädte). Gegen Zeitungen, die dieses mitmachen, und das ist leider der größte Teil unserer Print-Medien, kann ich mich als Andersdenkender wehren: ich habe schon seit mehreren Jahren kein Zeitungs-Abo mehr . Meine ständige geistige Vergewaltigung will ich schließlich nicht finanzieren. Aber: wenn zB das WB zu einem Kurs zurückkehrt, wie er für diese Zeitung früher prägend war, nämlich liberal-konservativ, dann käme für mich ein Abo wieder in Betracht.
Helga  schrieb: 01.01.2020 12:14
Das ist keine Lappalie
Ich frage mich, ob den Eltern unbekannt gewesen war, was ihre Kinder singen? Diese Methode nennt man Gehirnwäsche und ist öfter in totalitären politischen Systemen benutzt. Ich erinnere mich, als marschierende Kinder in einem 1 Mai Umzug in der DDR, vor der Tribüne ein Slogan rezitierten; „Eins, zwei, drei, wir sind die Kampfreserve der Partei“. Was für eine Partei gemeint war wusste jeder. Was für ein Kampf sein sollte wusste nur Honecker. Die Kinder haben nur, wie Papageien wiederholt, was ihnen aufgetragen wurde. Es ist das letzte Kinder für ideologische Zwecke ausnutzen.
Solche „Gedichte“, oder Lieder sollten verboten sein, wenn unsere Kinder in der Zukunft gesunde und realistische Meinung bilden sollen.
Was für Konsequenzen sind bei Verweigerung der GEZ Beiträge zu zahlen, zu erwarten?
Ich beabsichtige nicht diese Beleidigung noch finanziell zu unterstützen.
49 Kommentare
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