Mo., 13.01.2020

Kommentar zu Siemens Falscher Adressat

Drei Aktivisten der Bewegung Fridays for Future halten am Rande einer Demonstration vor dem Hauptsitz des Elektrokonzerns Siemens in München ein Plakat in den Händen.

Drei Aktivisten der Bewegung Fridays for Future halten am Rande einer Demonstration vor dem Hauptsitz des Elektrokonzerns Siemens in München ein Plakat in den Händen. Foto: Tobias Hase/dpa

Von Paul Edgar Fels

Für Siemens wäre der Verzicht auf den Auftrag in Australien leicht zu verschmerzen gewesen. Vergleichsweise schlappe 18 Millionen Euro spült die Lieferung von Zugsignaltechnik für ein Kohlebergwerk in die Kasse. Etwas mehr als Siemens-Chef Joe Kaeser im Jahr verdient, nämlich 14 Millionen. Und ein Bruchteil des Jahresumsatzes von rund 87 Milliarden Euro.

Doch Siemens hat sich für einen anderen Weg entschieden. Die Münchner wollen den Auftrag und berufen sich auf bestehende Verträge. Was nun droht, ist ein völlig unnötiger Imageschaden. Es war schlicht unklug, sich in diesen Zeiten – in denen sich die Erde zu unser aller Schaden zu sehr erwärmt – zur Zielscheibe der Umweltbewegung zu machen.

Andererseits sollten sich die Klimaaktivisten aber fragen, ob sie den richtigen Adressaten im Visier haben. Siemens selbst baut das Kohlekraftwerk nicht und der Bau würde auch nicht verhindert, wenn Siemens den Auftrag anderen überlässt. Nach dieser Logik müssten die Aktivisten auch gegen viele andere Unternehmen zu Felde ziehen. Sie müssten gegen Rüstungshersteller demonstrieren, die Waffen liefern, oder gegen Autozulieferer, die Komponenten für Dieselmotoren bauen.

Die Attacke gegen die Wirtschaft – die sich rechtlich nichts vorzuwerfen hat – ist fehl am Platz. Die Proteste müssen dort weitergehen, wo sie bisher schon angekommen waren: bei der Politik.

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