Kommentar zum britischen Königshaus
Zukunftsmodell Royal in Teilzeit?

Wenn die Queen persönlich zum Gespräch bittet, ist das ein Alarmzeichen. Thronfolger Prinz Charles und seine beiden Söhne Prinz William und Prinz Harry reisten am Montag brav zum Landsitz Sandringham.

Dienstag, 14.01.2020, 09:32 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 09:34 Uhr
Meghan Markle und Prinz Harry. Foto: Toby Melville
Meghan Markle und Prinz Harry. Foto: Toby Melville

Dort berieten sie zusammen mit der Monarchin Lösungsmöglichkeiten, wie dem Wunsch von Harry und seiner Frau Meghan entsprochen werden kann, in Zukunft als Royals kürzer treten zu wollen. Vielsagend: Herzogin Meghan war schon am Donnerstag zurück nach Kanada geflogen. Sie beteiligte sich an den Gesprächen nur per Videoschaltung. In Anlehnung an den Brexit wird der Rückzugswunsch der Sussexes ja bereits „Megxit“ genannt.

Auf Schloss Sandringham wird nun verhandelt, ob es ein harter oder ein weicher Megxit werden soll. Wollen Harry und Meghan überhaupt keine royalen Dienste mehr übernehmen? Oder könnte ein Modell gefunden werden, das den beiden eine reduzierte Mitarbeit bei den öffentlichen Aufgaben der Krone erlaubt? Je weniger Engagement Harry und Meghan anbieten wollen, desto schwieriger würde die Lösung einer ganzen Reihe von Problemen wie Finanzierung, Personenschutz oder Wohnrecht im Frogmore Cottage, das zur Zeit die offizielle Residenz des Herzogspaar ist. Harry geht es nicht nur um sein Anliegen: Es geht um ein neues Modell für jüngere Royals, die nicht zum Kernteam der Windsors – wie der Queen und den beiden Thronfolgern – gehören.

Immerhin werden sein eigener Sohn Archie, aber auch die zweit- und drittgeborenen Kinder von Prinz William einmal mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Es ist allerdings fraglich, kommen Einwände von Verfassungsexperten, ob das überhaupt geht, nur ein Teilzeit- Royal sein zu wollen. Bei Königlichen Hoheiten, sagte Dr. Bob Morris vom University College London, „gilt die Regel: Man ist entweder drinnen oder draußen.“ Über das Wochenende wurde bekannt, wie tief der Graben innerhalb der Königlichen Familie geworden ist.

Die „Sunday Times“ kolportierte die Worte, die Prinz William einem Freund gegenüber äußerte, als er über sein Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder Harry sprach. „Ich habe unser ganzes Leben lang einen schützenden Arm um meinen Bruder gelegt“, sagte er, „ich kann es nicht mehr.“ Von einem Bruderzwist war schon länger die Rede. Prinz William soll Harry gegenüber Bedenken über dessen Verbindung mit Meghan geäußert haben – worauf bei dem Jüngeren alle Sicherungen durchgebrannt sein sollen. Das spricht Bände.

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