Kommentar zur Grünen Woche in Berlin
Die Perspektive einer ganzen Branche

Diese Zahlen lügen nicht – und beinhalten aber auch einmal Grund zur Zuversicht in einer Branche, die zuletzt stark unter Druck geraten ist: Die deutsche Ernährungsindustrie steigert im vergangenen Jahr ihren Gesamtumsatz um drei Prozent auf 61,4 Milliarden Euro. Ein Drittel der Agrar-Produkte „Made in Germany“ wird dabei aktuell ins Ausland verkauft. Zahlen und Fakten, die noch einmal die Bedeutung der Landwirtschaft und der nachgelagerten Bereiche wie des Maschinenbaus und der Veredlungsbranche unterstreichen.

Donnerstag, 16.01.2020, 11:49 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 12:05 Uhr
Aufbauarbeiten für die Grüne Woche in Berlin. Foto: dpa
Aufbauarbeiten für die Grüne Woche in Berlin. Foto: dpa

Doch – und das ist das große Thema auf der Grünen Woche in Berlin – diese Wachstumsstory stößt an ihre Grenzen. Neben fehlenden Arbeitskräften, horrend hohen Preisen für nutzbare Flächen und Platzbeschränkungen zum Beispiel für Stallneubauten drängt die Konkurrenz aus fast allen Ländern auf den – angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung äußerst lukrativen – Ernährungsmarkt.

Spanisches Obst und Gemüse, brasilianisches Fleisch oder Zutaten für das Müsli aus China – die Produkte sind auf globalen Warenterminmärkten für alle Verbraucher nur einen Klick entfernt. Die Kosten für die Lieferung fast aller Produkte fallen angesichts eines knallharten Preiskampfes und eines in fast allen Ländern niedrigeren Lohnniveaus kaum ins Gewicht.

Entwicklungen, die seit Jahren die Agrarmärkte bestimmen, aber meist nur Fachleute beschäftigen. Doch dies hat sich angesichts der Debatte über die Zukunftsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft verändert. Wie können deutsche Bauern wettbewerbsfähig Lebensmittel „produzieren“ – auch unter strengeren Regeln und Auflagen, die nicht zuletzt die Grundlagen ihres Schaffens wie zum Beispiel den Zustand des Bodens, des Grundwassers oder der Pflanzen schonen?

Die Branche ist sich bewusst, dass es Wachstum um jeden Preis in Deutschland nicht mehr geben kann. Doch die politisch Verantwortlichen wie zum Beispiel die Ministerinnen Schulze (Umwelt) und Klöckner (Agrar) müssen dafür sorgen, dass die Agrarbranche in Deutschland weiter eine wirtschaftliche Perspektive behält. Die zu erwartenden Proteste rund um die Grünen Woche sind legitim – doch sie sollten immer unter dem Gebot des Machbaren erfolgen.

Ein weiteres Höfesterben beschleunigt den ohnehin dramatischen Strukturwandel und führt dazu, dass namenlose Investoren aus dem Ausland sich in Betriebe, Äcker oder Wälder einkaufen. Die Jagd auf die höchste Rendite kennt aber keine Rücksicht auf ökologische, gesellschaftliche oder soziale Strukturen, auf die nicht nur Westfalen baut, sondern auf die das ganze Land angewiesen ist.

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