Do., 30.01.2020

Kommentar zu den Bolton-Enthüllungen Explosive Enthüllungen in den USA

John Bolton, damals nationaler Sicherheitsberater der USA, spricht beim jährlichen Treffen der «Christians United for Israel». Boltons noch unveröffentlichtes Buch soll Material enthalten, das US-Präsident Trump im Amtsenthebungsverfahren belasten würde.

John Bolton, damals nationaler Sicherheitsberater der USA, spricht beim jährlichen Treffen der «Christians United for Israel». Boltons noch unveröffentlichtes Buch soll Material enthalten, das US-Präsident Trump im Amtsenthebungsverfahren belasten würde. Foto: dpa

Von Claudia Kramer-Santel

Der Ton Trumps wird rauer: „Wenn ich auf ihn gehört hätte, wären wir jetzt im Sechsten Weltkrieg“, griff er seinen ehemaligen Berater John Bolton auf Twitter an . Was ist da nur los?

Das Amtsenthebungsverfahren schien bislang an Donald Trump abzuperlen. Da mögen die Demokraten sich im Repräsentantenhaus noch so abstrampeln, spätestens im Senat mit der republikanischen Mehrheit wäre die Sache ja ausgestanden. So hoffte er. Sein aggressiver Twitter-Tonfall spiegelt seine Wut, die Angelegenheit könnte nun doch für ihn ernster werden.

Trumps Rage hat einen Namen: John Bolton. Das gesamte Impeachment kreist inzwischen um die Frage: Was weiß er? Denn der gefeuerte – und offenbar schwer beleidigte – Berater Trumps hat ein Buch vorgelegt. US-Zeitungen berichten, es soll belastende Aussagen gegen Trump in der UkraineAffäre enthalten. So wäre es auch zu erklären, dass Trump Bolton nicht nur verbal, sondern sogar formal bedroht und seine Glaubwürdigkeit infrage stellt: Sein Buch soll nicht veröffentlicht werden, weil es angeblich bedeutende Mengen geheimer Informationen erhält, schrieb jetzt der Nationale Sicherheitsrat.

Starker Tobak und eine gefährliche Strategie Trumps: Würde sich herausstellen, dass er politische Institutionen wie den Nationalen Sicherheitsrat benutzt, um unliebsame Beweise gegen ihn ins Nirvana zu schicken, würde dies auch eingefleischte Trump-Fans zum Nachdenken bringen.

Alles kreist nun um die vier republikanischen Senatoren, deren Stimmen die Demokraten brauchen, um John Bolton als Zeugen vernehmen zu können. Ganz Washington munkelt über einen heimlichen Deal: Erhalten die Demokraten John Bolton als Zeugen, schicken sie im Gegenzug den Sohn von Joe Biden, Hunter, als Zeugen ins Impeachmentverfahren. Er hat eine unrühmliche Rolle in der Ukraine-Affäre gespielt und könnte somit seinem Vater, aussichtsreicher demokratischer Bewerber ums Präsidentenamt, schaden. Daraus hoffen wiederum die Republikaner Honig zu saugen.

Taktische Rochaden, schmutzige Deals und die Erkenntnis, dass viele Unwahrheiten mit im Spiel sind: Der US-Wahlkampf in einem gespaltenen Land zeigt seine Abgründe, bevor die erste Vorwahl in Iowa überhaupt begonnen hat. Wo soll das enden?

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