Mi., 12.02.2020

Kommentar zur Amazonas-Synode Der Papst bleibt vage

Der Papst bleibt vage.

Der Papst bleibt vage. Foto: dpa

Von Johannes Loy

Wer im Gefolge der Amazonas-Synode auf den Reformknall aus Rom gewartet hatte, der wird angesichts der 110 Abschnitte dieses nachsynodalen Schreibens enttäuscht sein. Denn Papst Franziskus bleibt in jenen Fragen, die natürlich besonders die Teilnehmer und Beobachter des „Synodalen Wegs“ interessieren, vage.

Dies vor allem an jenem Reibungspunkt, ob künftig in entlegenen Teilen des Amazonasgebiets auch „viri probati“, also in Familie und Beruf bewährte Männer, zum Priester geweiht werden sollen. Damit Gemeinden Eucharistie feiern und die Gläubigen regelmäßig die Sakramente empfangen können. Ganz und gar enttäuscht kann man aber aus der mitunter typisch deutsch oder europäisch eingeengten Sicht nur dann sein, wenn man damit gerechnet hat, der Papst werde eine Blaupause abliefern, mit der sich die Zugangswege zum Priesteramt global verändern ließen.

Besonders an einer Stelle ist Einsicht in Veränderungsdruck spürbar. Da heißt es: „Die Art und Weise der Gestaltung des Lebens und der Ausübung des Priesteramtes ist nicht monolithisch und nimmt an verschiedenen Orten der Erde unterschiedliche Ausformungen an.“

Schlummert da ein Denkansatz für künftig weitergehende Überlegungen? Es wäre wohlfeil, das Schreiben des Papstes damit ad acta zu legen. Denn es enthält wertvolle Denkansätze. Über die drängenden politischen, ökologischen und spirituellen Fragen, auch über verhängnisvolle kirchlichpolitische Verflechtungen bis hin zur Kritik an Konsumismus, Kapitalismus und Ausbeutung. Da ist Papst Franziskus ganz auf der Seite der Marginalisierten und setzt jene Option für die Armen um, die vor Jahrzehnten schon die Befreiungstheologie forderte. Neue Formen der Gemeinde- leitung durch Laien werden angeregt, die kirchlichen Dienste von Frauen und Män- nern gleichrangig bewertet und nicht machtspezifisch sortiert. Das alles klingt modern – aber letztlich doch auch nach Bewahrung des Status quo.

Kommentare

Der Papst bleibt vage

Die Vertreter des Zölibats haben sich durchgesetzt, wie seinerzeit bei der Unauflöslichkeit der Ehe. Auch wenn Franziksus I seit seiner Wahl unablässig gegen den Klerikalismus predigt. Trotzdem kann man erkennen, dass es nach wie vor eine Dialogverweigerung gibt. Vielleicht hofft der Klerus auf baldige Beendigung dieses Pontifikats. Dabei fällt mir ständig ein Dialog aus den Don Camillo und Peppone Filmen ein, als Hochwürden wieder einmal ungehalten war, dass es nicht schnell genug ging und Jesus antwortete: "Wir hier oben denken in Millionen von Jahren". Seinerzeit regt es zum Schmunzeln an. Heute kann man sich den Eindrucks nicht erwehren, das der Filmtext ein tieferen Sinn hatte.

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