Di., 18.02.2020

Kommentar zu Norbert Röttgens Bewerbung um den CDU-Vorsitz Das tut der CDU gut

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, bei seiner Pressekonferenz.

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, bei seiner Pressekonferenz. Foto: Christoph Soeder/dpa

Von Norbert Tiemann

Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte? Da sage noch einer, in der durchgemerkelten CDU fehle es an ambitioniertem Führungsnachwuchs. Die wuchtige Wortmeldung Norbert Röttgens ist der lebende Gegenbeweis.

Und ein Beleg dafür, dass Laschet, Spahn und Merz mit ihren Team-Träumereien und die gescheiterte Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer mit ihrem intransparenten Kungel-Kurs auf dem Holzweg sind.

Brillanter Analytiker

Norbert Röttgen ist ein brillanter Analytiker, der nach seinem Karriere-Knick 2012 mit kanzleramtlichem Rauswurf aus dem Ministeramt eine Zeit lang im politischen Abklingbecken verharrte, um danach entschlossen seinen Wiederaufstieg in Angriff zu nehmen. Mit Erfolg. Röttgen versteht sich auf messerscharfes Argumentieren und Formulieren – und lädt mit seiner offiziellen Bewerbung die anderen mutmaßlichen Aspiranten zum innerparteilich-inhaltlichen Sängerwettstreit auf.

Endlich. Denn eine solche Debatte, eine programmatische Selbstbestimmung, braucht die CDU, die sich viel zu lange in der Rolle eines Kanzlerwahlvereins gefiel. Keine Frage – es braucht neue Köpfe, aber eben auch eine politische Kursfestlegung. Also: Auf geht’s!

Kommentare

Das tut der CDU gut

Noch ist klar, dass die Demokratie in diesem Lande in der Form einer Person und einer Stimme (Merkel) geprägt wird.Und das wird auch Röttgen merken. Und er wird sich schmerzhaft an den Wahlkampf in NRW erinnern, als Merkel ihn kalt erwischt hat und ihn freistellte. Vorausgegangen war eine Massregelung von Sehhofer im Boulevard. Röttgen hatte im Zuge der Atomwende immer wieder Scharmützel in der Fraktion und vor allem mit dem Wirtschaftsflügel in der Partei geliefert. Wollte er nicht im Bundestag 2014 die Kürzung der Solarförderungen durchsetzen und bekam Sperrfeuer von den ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten? Und war er es nicht, der stärkere Sanktionen gegen Russland forderte? Bei seiner TV-Bewerbungsrede konnte man vermuten, dass er sich in der CDU ein geradliniges System für die Sachfragen wünscht. Dass er die intelektuellen Fähigkeiten für eine Erneuerung hat, bezweifle ich nicht. Er kämpft aber auf verloren Posten. Das wird er bald merken. Aber immerhin hat er die "gesellige Runde" bei AKK unter Druck gesetzt. Und Söder wird dazu freundlich genickt haben.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7271688?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F