Do., 20.02.2020

Kommentar zur Anschlag von Hanau Hass als Waffe

Hanau: Ein Mann legt am Heumarkt in unmittelbarer Nähe eines Tatorts Blumen ab. Hier befindet sich eine der beiden Bars, auf die Schüsse abgegeben wurden.

Hanau: Ein Mann legt am Heumarkt in unmittelbarer Nähe eines Tatorts Blumen ab. Hier befindet sich eine der beiden Bars, auf die Schüsse abgegeben wurden. Foto: Andreas Arnold/dpa

Von Andreas Kolesch

Es ist entsetzlich: Elf Menschen tot, mehrere verletzt. Die Tat von Hanau macht fassungslos. Was mag in einem Menschen vorgehen, der sich zum Herrn über Leben und Tod aufschwingt, der wahllos wildfremde Menschen umbringt und auch vor der eigenen Mutter nicht Halt macht?

Ein Verrückter? Das muss man wohl annehmen, auch wenn die Informationen über den mutmaßlichen Täter noch nicht umfassend sind . Ein krudes Manifest, Gedanken über Geheimdienste, die die Gehirne von Menschen fernsteuern, dazu eine abstruse Furcht von fremden Völkern: Das liest sich wie ein Musterfall aus einem psychiatrischen Lehrbuch. Da war kein kühl kalkulierender Terrorplaner am Werk, sondern ein rassistischer Wirrkopf.

Ein Wirrkopf mit Waffenschein

Allerdings: ein Wirrkopf mit Waffe, für die er sogar ganz legal einen Waffenschein besaß. Warum das so war, müssen jetzt die Ordnungsbehörden klären. Angeblich hat der Täter seine Gedankenwelt schon im November vergangenen Jahres dem Generalbundesanwalt offenbart – in einer wirren „Strafanzeige”. Wäre damals ein Blick ins Waffenregister geworfen worden, die Tragödie hätte womöglich verhindert werden können. Auf die beteiligten Behörden fällt jetzt zumindest ein Schatten.

Doch die Bluttat von Hanau hat ja nicht nur eine bürokratische Dimension, sondern auch eine gesellschaftliche. Und die reicht viel weiter. Woher rührt dieser unsägliche Hass auf alles Fremde, der sich ja offensichtlich auch beim Täter von Hanau Bahn gebrochen hat? Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat es auf den Punkt gebracht: „Solche Wahnsinnstaten geschehen nicht im luftleeren Raum, sie wachsen in einem vergifteten gesellschaftlichen Klima.”

Opfer haben mehr Respekt verdient

Die AfD hat die Tat von Hanau verurteilt. Schnell und deutlich. Das enthebt die Partei und ihr Umfeld allerdings nicht der Verantwortung dafür, dass sie mit ihren Parolen der fortschreitenden Verrohung des politischen Diskurses Vorschub geleistet haben. Hass – und sei es der gezielt, fahrlässig oder auch nur stillschweigend geschürte – kann zur tödlichen Waffe werden. Das hat die Bluttat von Hanau erneut bewiesen – gerade einmal vier Monate nach den tödlichen Schüssen von Halle. Juristisch ist das nicht zu fassen. Allenfalls moralisch, falls dieser Begriff heute noch einen Wert hat.

In den sogenannten sozialen Medien wurde jedenfalls schon am Morgen nach dem Massaker munter weiter gepöbelt, gehetzt und krakeelt. Die Opfer von Hanau: Sie hätten ein bisschen mehr Respekt verdient.

Kommentare

Hass

Schon wieder ein neues Verbrechen und damit ein neuer Schock. Und schon wieder müssen wir uns eingestehen, dass es uns bislang nicht gelungen ist, den Hass aus der Welt zu schaffen. Das Problem: Der Hass ist ein menschichles Grundgefühl, also ein Charakterzug. Wieviele Philosophen haben sich des Problems schon angenommen. Bislang ohne erkennbaren Erfolg. Nun erscheint ein Lichtblick am Horizint. Es soll eine schärfere Verfolgung der Hasstäter und ein striktes Hassverbot z. B. in den sozialen Netzwerken, durchgesetzt werden. Hasserfüllte Bemerkungen sollen künftig zur Anzeige gebracht werden, sobaldd sie bei Netzbetreibern, Freunden, Nachbarn und Familienmitlgiedern bekannt geworden sind. Ich bin der Meinung, dass sich auch diejenigen strafrechtlich verhalten, die Hassreden und Hassbemerkungen n i c h t melden. Deshalb sollte es eine klare strafrechtliche Regelung im StGB geben, z. B.: "Wer Hass fühlt und äussert oder geäusserten Hass nicht zur Anzeige bringt, der wird mit einer Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren bestraft. Eine Geldstrafe ist ausgeschlossen".

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