Di., 25.02.2020

Kommentar zum Vorwahlkampf in den USA Bernie Sanders in Sektlaune

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Eric Gay/dpa

Von Claudia Kramer-Santel

Was hat der 78-jährige linke Senator Bernie Sanders, was die anderen Kandidaten nicht haben? Diese Frage dürfte den demokratischen Strategen schlaflose Nächte bereiten. Sie hatten sich einen gemäßigten Herausforderer gewünscht, der Donald Trump die moderaten Wähler abwerben kann.

Doch weit gefehlt: Weder Joe Biden noch Pete Buttigieg gelingt bislang in den Vorwahlen der Durchbruch. Stattdessen ist das Momentum bei „Crazy Bernie“, wie Trump ihn spöttisch nennt. Jetzt sollen ihn angeblich auch noch die Russen im Wahlkampf „pushen“, damit Trump mit ihm als Gegenspieler sicher die Wiederwahl gewinnt. Wer soll Sanders noch stoppen?

Dabei trägt die demokratische Partei „Schuld“ an seinem Höhenflug. Denn während der Senator aus Vermont sich nach seiner Schlappe gegen Hillary Clinton neu erfunden hat, haben die Demokraten den Neustart verschlafen. Das revolutionäre Pathos von Sanders elektrisiert inzwischen nicht mehr nur junge Wähler. Er hat systematisch seine „Schwachstellen“ im Wahlvolk bearbeitet. Inzwischen ist er auch unter Latinos, Afroamerikanern und asiatischen Einwanderern beliebt. Ein großer Teil der Durchschnittsamerikaner hält ihn zwar weiter für zu links. Doch er versteht es, die Sehnsüchte vieler durch die Finanzkrise enttäuschter Familien anzusprechen. Weiterer strategischer Vorteil: Er ist nicht Teil des Establishments und noch nicht einmal Mitglied der Partei.

Wirklich nach oben bringt ihn aber der laute Streit unter den anderen Kandidaten. Zuletzt entzauberte das Bewerberfeld in nur einer Debatte Michael Bloomberg, der ja erst am „Super Tuesday“ einsteigen will. Immer lauter tönt die Kritik der Parteilinken an dem Milliardär: Kann man sich eine Kandidatur erkaufen, indem man Millionen in Wahlkampfwerbung steckt, anstatt sich mit dem Rest des Bewerberfelds durch die Weiten der USA zu kämpfen?

Fazit: Das Chaos bei den Demokraten wird eher größer als kleiner. Über allem schwebt ein Damoklesschwert: Was soll die Partei machen, wenn am Ende des monatelangen Vorwahl-Prozesses keiner der Kandidaten die Mehrheit erhält? Die Vorwahlen haben einen Überraschungs-Sieger, der sein Glück kaum fassen dürfte: Donald Trump.

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