Kommentar zur Bischofskonferenz
Märtyrer und Macher gesucht

Reform oder Restauration? Das ist die Frage, wenn die Deutsche Bischofskonferenz an diesem Dienstag einen neuen Vorsitzenden wählt. Und doch greift das Thema weiter, denn an Herausforderungen wird es dem Nachfolger für Kardinal Reinhard Marx nicht fehlen.

Montag, 02.03.2020, 20:22 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 14:46 Uhr
Foto: Federico Gambarini/dpa
Foto: Federico Gambarini/dpa

Die Bischofskonferenz ist uneins, in welche Richtung sie gehen will. Zudem kämpft die Kirche noch immer mit den Folgen des Missbrauchsskandals. Und schließlich sind da die Forderungen der Katholiken und vor allem der Katholikinnen nach mehr Teilhabe.

All das ist Gegenstand der größten Reformanstrengung, die die katholischen Kirche in den zurückliegenden Jahrzehnten unternommen hat, die un­ter dem Namen „Synodaler Weg“ firmiert. Dabei geht es um vier brisante Themen: die Sexualmoral der Kirche, die Position der Frauen, den Umgang der kirchlichen Würdenträger mit ihrer mit Macht und um den Zölibat – die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester.

Gewaltige Fliehkräfte

Die Fliehkräfte sind gewaltig, auch wenn eine Mehrheit der Bischöfe den Erneuerungsprozess zu begrüßen scheint. Dennoch wird der neue Vorsitzende den Spagat zwischen Integrationsfähigkeit und Führungsstärke hinbekommen müssen, will er nicht schon zu Beginn seiner Amtszeit sämtliche Erwartungen enttäuschen. Insbesondere die katholischen Laien erwarten viel, wahrscheinlich sogar zu viel von den gemeinsamen Anstrengungen, „ihre“ katholische Kirche auf ein neues Fundament zu stellen. Denn mit dem Schreiben „Querida Amazonia“ hat Papst Franziskus jüngst für einen erheblichen Dämpfer gesorgt. Oder anders: Warum sollte der Pontifex den deutschen Katholiken in puncto Rolle der Frau und Ehelosigkeit der Priester etwas zugestehen, was er Amazonien nach der Amazonas-Synode auch nicht zugestanden hat?

Folglich dürfte dem Marx-Nachfolger auch Leidensbereitschaft nicht schaden. In der Sprache des Glaubens hieße das wohl: Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz könnte mindestens zum Märtyrer werden, wenn er den „Synodalen Weg“ in einer Allianz der Willigen gegen alle Widerstände – ob im Vatikan oder daheim in Deutschland – beschreitet. Und im besseren Falle könnte er deutlich machen, dass regionale Unterschiede nicht automatisch die Einheit der Weltkirche in Gefahr bringen müssen.

Welche Entschädigung soll gezahlt werden?

Zu den Favoriten auf die Marx-Nachfolge sollen der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer (58) sowie der gastgebende Bischof Peter Kohlgraf (52) gehören. Doch wer immer es auch wird – er startet in eine heikle Mission. Schon der Auftakt hat es in sich, denn unmittelbar nach der Vorsitzendenwahl werden die Bischöfe bei ihrer Frühjahrskonferenz darüber beraten, wie sie künftig die Betroffenen von sexueller Gewalt entschädigen wollen. Dabei soll es die Idee geben, die bisher als Maximum genannte Summe von 5000 Euro zu erhöhen – und zwar um das Zehnfache.

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