Kommentar zur Corona-Pandemie
Ausgangssperre jetzt!

Kennen Sie das Schild mit der Aufschrift „Vernünftige Menschen fahren hier nicht Rad, allen anderen ist es verboten“, das in manchen Fußgängerzonen zu finden ist? Daran müssen sich aktuell die Politiker erinnert fühlen, die eine Verfügung nach der anderen erlassen und dann doch feststellen, dass das immer noch viel zu viele Menschen nicht interessiert.

Dienstag, 17.03.2020, 18:01 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 18:18 Uhr
Eine Fieberambulanz in Sachsen-Anhalt, in der nur Patienten mit typischen Corona Symptomen untersucht. Foto: Matthias Bein/dpa
Eine Fieberambulanz in Sachsen-Anhalt, in der nur Patienten mit typischen Corona Symptomen untersucht. Foto: Matthias Bein/dpa

Da werden ganze Schulen aufgrund ei­ner nachgewiesener Corona-Infektion un­ter häusliche Quarantäne gestellt, nur damit sich die Schüler dann in Eisdielen oder zu privaten Partys treffen. Wo sind hier eigentlich die verantwortlichen Eltern? Da heißt es Abstand zu halten und die Menschen drängeln sich in Shopping-Malls und Einkaufszentren. Man steht kopfschüttelend vor so viel Ignoranz, Gedankenlosigkeit und Unvernunft.

Natürlich ist es alles andere als leicht, sich auf unbestimmte Zeit quasi selbst einzusperren. Mit Kindern und in einer beengten Mietwohnung erst recht. Aber das hat auch niemand versprochen. Im Gegenteil: Seit Tagen reden sich Politiker in Bund, Ländern und Kommunen den Mund fusselig, dass die Maßnahmen einschneidend, aber notwendig sind, weil sie dem Ernst der Lage entsprechen. Und die Virologen tun es schon seit Monaten.

Unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat ist ein Segen. Und gewiss gibt es 1000 gute Gründe, die individuellen Freiheitsrechte zu verteidigen. Doch das hier ist kein wissenschaftliches Kolloquium des Rechts, sondern ein Appell an die Vernunft. Mit Immanuel Kant möchte man rufen – nein, schreien: „Die Freiheit des Einen hört dort auf, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ Was nichts anderes bedeutet als: Solidarität statt Egoismus!

Gott bewahre uns davor, dass wir Szenen erleben, wie sie sich gegenwärtig in der Lombardei abspielen. Doch um das noch zu verhindern, müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Ausnahmslos. Und nur ganz nebenbei: In Italien bezahlt jetzt schon jeder, der zwischen 8.00 und 18.00 Uhr ohne triftigen Grund auf den Straßen unterwegs ist, 206 Euro. Außerhalb dieser Zeiten ist es noch teurer.

Man kann nur hoffen, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und vor allem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der zur Zeit ei­nen Top-Job macht und beeindruckende Führungsstärke beweist, ihren Kurs unbeirrt fortsetzen. Denn mir fehlt der Glaube, dass wir Deutsche uns von allein konsequent an die Regeln halten. Es ist wirklich schlimm, dass man es sagen muss, doch hoffentlich heißt es deshalb bald: Ausgangssperre jetzt!

Kommentare

Anne Pähler  schrieb: 18.03.2020 08:41
Jetzt dringend und rigoros handeln.
Herr Windolph hat Recht. Ich würde mir sehr wünschen, dass jemand wie Herr Söder hier bei uns in NRW das Sagen hätte. Es stehen buchstäblich Menschenleben auf dem Spiel stehen. Die gilt es mit ALLEN notwendigen Maßnahmen zu schützen, auch mit Ausgangssperren. Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass die Menschen zu unvernünftig sind - höflich formuliert!
Die Regierung legt völlig zu Recht mit dem Geld der Bürger Hilfsfonds auf, um in Not geratenen Bürgern aus ihren Miseren zu helfen - dann sollte JEDER Bürger auch erwarten können, dass sie die notwendigen Maßnahmen trifft und nicht herumlaviert, bis es zu spät ist.
Manuela Krolik  schrieb: 18.03.2020 06:34
Ausgangssituation
Ich bin ganz der Meinung der Regierung!! Ich fühle mich auch schon eingesperrt, eine grausige Situation!! Aber man muss einfach auf Nummer Sicher gehen!! Ich selbst habe noch keine Symptome, mache noch keine Hamsterkäufe!! Habe Erwerbsunfähigkeitsrente und MUSS ab und zu noch raus, etwas einkaufen. Da ICH NIEMAND habe, der DAS für MICH erledigt!! Da Geld aber alle ist, muss ich bis 31.3. warten. UNMÖGLICH übrigens, das viele diesen , heute schon, Ausnahmezustand nicht ernst nehmen!! Egoistisch, unvernünftig bis zum geht nicht mehr!!! Verstehe ich nicht!! Ich gehe fast die Decke hoch, weil ich KAUM noch raus gehe, obwohl keine Symptome, aber ich möchte mit aller Macht verhindern, überhaupt Symptome zu bekommen, denn ich habe FÜNF KÄTZCHEN hier zu versorgen und möchte dringend verhindern, das diese 5 Kätzchen ins Tierheim kommen, sollte mir etwas passieren = sprich CORONA!! Also vernünftig bleiben und an alle anderen denken!!
Kolja Opitz  schrieb: 17.03.2020 23:12
uneingeschränkte Zustimmung
Ich bin nach wie vor beunruhigt, aber nun etwas zufriedener. Was Ulrich Windolph kommentiert ist nur die Spitze des Eisbergs. Aber es gibt wenigstens jemanden, dem die Ignoranz und Dummheit auffällt.
Wer aktuell mitbekommt, was Männlein und Fräulein Dummschwätzer dieser Tage in die Kamera (!) zum Besten geben oder in (a)sozialen Netzwerken verbreiten, fällt wirklich vom Glauben an ein aufgeklärtes und hoch entwickeltes Volk ab.
Da liegt man sich nach dem Joggen triefend in den Armen, ob der Wahnsinns-Fitness, die man sich erarbeitet hat. Oder man rückt sich im Straßen-Café bei Latte und Prosecco auf die Pelle. Keller, Vorratsräume und Kühltruhen platzen ob der Beladung bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Nur zuhören kann keiner! Nicht das Akademiker-Ehepaar, das die lieben kleinen nun nicht mehr fremdbespaßen lassen kann und deshalb auf die Barikaden geht. Nicht das Prekariat, das seine Brut dem Dauerqualm übervoller Aschenbecher aussetzt, anstatt sich ihrer entspannend zu widmen. Und auch nicht der Großteil der Verbraucher, die den leistungsfähigsten Lebensmittel-Einzelhandel Europas ins Chaos zu stürzen droht.
"(...) Die Lage ist sehr ernst, es geht um Leben und Tot (...)" um Armin Laschet zu zitieren. Wer das nicht kapiert oder einfach ignoriert, gehört eingesperrt bzw. dem gehört der Ausgang versperrt. Einer Steigerung der Infizierten und Erkrankten zu begegnen bedarf es wohl doch der drastischsten Maßnahmen, die unsere Volksvertreter bisher vermeiden wollten. Vulgo: Wer irgendwann nichts mehr zu Fressen hat, braucht auch kein Klopapier um sich den Hintern abzuputzen. Bleibt mit dem letzteren Zuhause, bis die Lage geklärt ist und eine Wiederkehr zu einer "normalen" Lage ermöglicht wurde.
mot  schrieb: 17.03.2020 22:38
Welch Schwachsinn ...
Hallo lieber Kommentator Ulrich Windolph,

selbstredend sollte jeder in dieser schweren Zeit der Corona-Krise mehr auf seine Mitmenschen als auf sich selbst achten. Aber es kann nicht sein, dass gesunde Bürger die keinerlei Symtome zeigen nicht an der frischen Luft spazieren gehen dürfen. Klar ein sicherer Abstand zu fremden Personen ist zwingend einzuhalten, darum aber gleich alle mit einer Ausgangssperre zu belegen, die unsere komplette Wirtschaft und die Versorgung von allen Menschen massiv einschränkt oder sogar gefährdet - davon ist sicher abzuraten.

Es ist gut, dass Hotspots wie Ämter und sonstiges geschlossen haben, wir alle haben e-Mail und Telefon und können so die Mitarbeiter dort gefahrlos erreichen. Aber alle aussprerren, alle zwangsweise unter Qarantäne stellen uhnd so die Versorgung unserer gesamten Gesellschaft auf Spiel setzen - welch irrsinniger Gedanke.

Gerade in ländliche Gebieten melden sich freiwillige Helfer, die Menschen die unter Qarantäne stehen unter die Arme greifen. Sie organisieren Einkäufe und Verpflegung der betroffenen. Was aber nicht sein kann und wie ich es heuite selber erleben musste, dass ein Vater seine Eltern besucht und einige Kinder des Vaters in Qarantäne stehen, weil sie mit einem infiziertem Lehrer in Kontakt standen. Da streuben selbst mir sich die Haare ... :(
Hermann  schrieb: 17.03.2020 19:35
So ist es leider.

Läuft man gestern und heute bei Frühlingswetter (mit Vernunft und Sicherheitsabstand) durch die Fußgängerzonen, Parks, vorbei an Spielplätzen, dann sieht man zahllose Menschengruppen, seien es vier, sechs, zehn...in Cafés dicht beinander sitzend, die Kinder in Gruppen spielend. In den Supermärkten Schlangen an den Kassen, dicht an dicht.

Gestern traf ich eine ältere Dame vor einem leeren Toilettenpapierregal in einem (großen) ostwestfälischen Supermarkt. Wir sprachen über das leere Regal und sie berichtete mir davon, zuvor bereits in drei anderen (großen) Märkten in unserer (beinahe) 60.000 Einwohenrstadt gewesen zu sein. Nirgends auch nur ein 2er Pack Toilettenpapier, kein Mehl, keine Hefe, kaum noch abgepacktes Brot. Sie war per pedes unterwegs, hatte nun schon einige Kilometer gemacht. Wir gingen lächelnd auseinander, in der Hoffnung, sie würde woanders noch fündig werden...
Ich hatte (ehrlich gesagt) auch vor, mir 2 Pakete Toilettenpapier zu kaufen, um mit meiner Familie etwas mehr zu Hause zu haben. Das werde ich nun (wenn ich denn überhaupt irgendwo etwas finden sollte in den nächsten Tagen) nicht tun. 1 Paket und Vertrauen in unsere stabile Infrastruktur müssen reichen.

Hamsterkäufe, unschöne Szenen in Drogeriemärkten (in denen die VerkäuferInnen um der Gemeinschaft willen andere von ihren Hamsterkäufen abzubringen versuchen und dabei beschimpft, gar angegriffen werden), Gruppen in Cafés und Parks, auf Spielplätzen und sonstwo zwingen zu drastischen und einschneidenden Maßnahmen in unsere Freiheit. Hier widerstreiten Freiheit und Vernunft, Egoismus und Solidarität, Gesellschaft und Staat...

Bei einigen (nicht wenigen) Mitmenschen wird der Ernst der Situation (trotz bereits eingeleiteter und noch nie im Nachkriegsdeutschland dagewesener Maßnahmen) wohl leider dennoch erst angekommen sein und angenommen werden, wenn sie selbst, ihre Liebsten, die Mutter oder Oma oder aber auch das vielleicht ganz unbemerkt vorerkrankte (Asthma, sonstwas) Kind der Nachbarn oder der rauchende liebste Arbeitskollege (und Freund) betroffen sein wird. So sind wir wohl gestrikt...erst wenn der eigene Brunnen leer ist wird Wasser gespart, erst wenn der eigene Himmel gelb statt blau ist, wird das Auto stehen gelassen und der verzweifelte Versuch unternommen, das Klima (zumindest das eigene) doch noch zu retten.

Also leider: Ja, ich stimme zu. Der Staat muss nun vermutlich seine Bürger zur Vernunft bringen ("zwingen"), damit die Gesellschaft vor den (aus welchen Gründen auch immer) sich verweigernden Mitmenschen geschützt werden kann.

Und (auch leider): Die Supermärkte sollten ab sofort stringent vorgehen, im Zweifel die Polizei rufen; sie haben das Hausrecht und zugleich einen Versorgungsauftrag (auch & v. a. ggü. älteren/schutzbedürftigen Menschen).

Spielplätze sind mittlerweile gesperrt. Es geht um das Wohl der Gesellschaft. Verstöße müssen nun auch (sofort) mit sehr hohen Bußgeldern durch die Ordnungs- oder subsidiär durch die Polizeibehörden geahndet werden! So ist es leider.
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