Kommentar zur Corona-Pandemie
Nutzen wir die Zwangspause!

Unser Leben hat sich durch die Corona-Krise radikal gewandelt. „Keine Panik“, sagen viele. Aber schon der bloße Gebrauch des Wortes schürt sie. Das Virus ist ansteckend und ansteckend ist die Angst davor. Bei manchen führt das zu Überreaktionen wie Hamsterkäufen. Das ist irrational, aber Menschen sind empfänglich für Irrationales. In unserer von Konsumismus geprägten Gesellschaft („Du sollst kaufen!“) haben einige offenbar die Sorge, Mangel erfahren zu müssen – etwas, was diese Gesellschaft zuletzt im Zweiten Weltkrieg erlebte. Anders ist so etwas nicht zu erklären.

Samstag, 21.03.2020, 09:42 Uhr aktualisiert: 21.03.2020, 14:08 Uhr
Seit Montag gibt es in Paderborn eine zentrale Anlaufstelle für Corona-Verdachtsfälle im Kreis Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Seit Montag gibt es in Paderborn eine zentrale Anlaufstelle für Corona-Verdachtsfälle im Kreis Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Das Sichere scheint nicht mehr sicher zu sein. Die Angst vor der Corona-Pandemie schafft das, was selbst der Krieg nicht geschafft hat: Gottesdienste und Taufen fallen aus, Hochzeiten werden abgesagt, Firmungen und Konfir­mationen verschoben.

Wie lange die Krise währt, weiß keiner. Die Menschen sind in Sorge um ihre Familie, ihren Arbeitsplatz, ihre Zukunft. Und dann sollen sie auch noch ihre sozialen Kontakte auf ein Mindestmaß einschränken. Das ist für eine Gesellschaft eine große Herausforderung, denn sie lebt von sozialen Kontakten. Aber anders geht es nicht! Manche dieser Maßnahmen sind zum Weinen: Die Alten in den Seniorenheimen dürfen nicht mehr besucht werden. Womöglich sind es die letzten Wochen ihres Lebens. Vielleicht beschleunigen nun Kummer und Traurigkeit ihren Tod.

Aber wollen wir die Verbreitung des Virus eindämmen und Menschen aus Risikogruppen schützen, müssen wir das gesellschaftliche Leben auf nahezu Null herunterfahren – auch wenn die Bilder mit leer gefegten Straßen und Geschäften gespenstisch sein werden.

Denn es gibt immer noch Unbelehrbare, die sich weiterhin zu Partys oder in Gruppen in Parks treffen oder mit ihren Kindern Spielplätze in Paderborn oder anderswo aufsuchen. Sie alle haben noch immer nicht begriffen, wie ernst die Situation ist. So viel ­Ignoranz, Gedankenlosigkeit und Unvernunft machen sprachlos. Es kommt auf unser Tun und unser Lassen an. Solidarität ist gefragt. Das aber haben viele noch immer nicht verstanden. Deswegen sind Ausgangssperren das einzige , was etwas ändern wird in den Köpfen dieser Menschen.

Aber in all dem liegt auch eine Chance. Das Hamsterrad hat aufgehört, sich zu drehen. Zu hoffen ist, dass wir in den nächsten Wochen darüber nachdenken werden, was wirklich wichtig ist in unserem Leben, unserem Job und in unserer Gesellschaft. Das Virus verschafft einer überreizten und erschöpften Gesellschaft eine Zwangspause. Nutzen wir sie! Was kommt? Was bleibt? Was muss nach dieser schweren, aber vielleicht dennoch bereichernden Zeit anders werden? Darauf sollten wir Antworten finden.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 22.03.2020 08:22
zwangspause
Ich warte auf den Tag, wenn der Verzicht und die Einschränlung als Verlust der persönlichen Freiheit empfunden wird, wenn der egoistische Lebensgenuss dahin schwindet. Wenn alle Anforderungen, die das Gesetz, die Eigenverantwortung,die Disziplin und der Verzicht verlangen, verweigert werden. Wenn es uns nicht gelingt, die Bedrohung mit Hilfe des Geistes zu durchdringen, werden wir die Angst nicht verlieren, Dass die Angst angeblich ein Bestandteil der Befreiung, wird uns nicht helfen. Wenn wir die Maxime des "Entweder-Oder" nicht durch das "Sowohl-als-auch" ersetzen, werden die Menschen der kommenden Generationen unter ihrer Masslosigkeit, der Vernachlässigung ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Pflichten, ihrer Undiszipliniertheit, ihrer sozialen Verantwortungslosigkeit, ihrer Vergeudung, ihrer Unzuverlässigkeit, ihrer moralischen und ethnischen Entwertung des Alters "leiden". Wenn wir uns nicht in der Solidargemeinschaft bewegen, werden extremste politische Spannungen das öffentiche Leben prägen. Die Demokratie wird dann der Diktatur weichen.
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