Kommentar zum US-Wahlkampf und Corona
Viel Geld, aber wenig Vernunft

Ein gigantisches Rettungspaket in den USA führt nach dem Crash nun zu Kurssprüngen an den Börsen. Es ist ein wichtiges Signal, sich gegen die drohende Rezession zu stemmen. Doch für Jubelstimmung besteht wahrlich kein Grund. Warum?

Donnerstag, 26.03.2020, 15:35 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 15:38 Uhr
Donald Trump, Präsident der USA, hält während einer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie im James-Brady-Raum des Weißen Hauses ein Schild mit der Aufschrift “15 Tage, um die Ausbreitung zu verlangsamen”. Foto: dpa
Donald Trump, Präsident der USA, hält während einer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie im James-Brady-Raum des Weißen Hauses ein Schild mit der Aufschrift “15 Tage, um die Ausbreitung zu verlangsamen”. Foto: dpa

Erstens: Die Spaltung zwischen Republikanern und Demokraten ist weiter groß. Selbst in einer existenziellen Krise brauchte es Tage, um die Gräben beim Rettungspaket zu überwinden .

Trump irrlichtert durch die Krise

Zweitens: Präsident Donald Trump irrlichtert weiter durch die Krise. Er sendet widersprüchliche und verantwortungslose Botschaften. Er ist – wie zu erwarten – ein völlig ungeeigneter Krisenmanager. Mal spielt er die Krise herunter, dann ermahnt er zur äußersten Vorsicht. Mal setzt er auf Kriegsrhetorik und Feindbilder („China-Virus“), dann wiederum lobt er die asiatischstämmigen US-Bürger über den grünen Klee. Nun fabuliert er, zu Ostern sei in den USA alles wieder ok. Nach dem Motto „Happy days are here again“ – die glücklichen Tage sind zurück – setzt er auf Wunschdenken statt auf Fakten. Doch das Ende der Coronakrise kann man nicht einfach verordnen.

Drittens: Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht die USA bald im Mittelpunkt des Infektionsgeschehens. Auf der Basis des schlechten Gesundheitssystems muss mit schlimmen Folgen gerechnet werden. Dafür ist man besonders im Epizentrum New York nicht vorbereitet. Doch Trump wird dies wohl auf den demokratischen Bürgermeister Bill de Blasio schieben.

Biden verströmt Vertrauen

Viertens: Die Demokraten geben auch keine gute Figur ab. Obwohl Joe Biden klar vorne liegt, gibt sein Konkurrent Bernie Sanders im Tauziehen um die Kandidatur nicht auf, setzt auf weitere Vorwahlen. Auch das ist verantwortungslos. Der Mann, den die Finanzkrise nach oben gespült hat, scheint nicht zu realisieren, dass die Coronakrise ihn nun ausbremst. Sein Charisma wirkt vornehmlich bei den längst abgesagten großen Events mit Publikum.

Biden dagegen verströmt jetzt in der Krise Vertrauen . Er umgarnt schon die Sanders-Wähler und sucht nach einer Frau als „Running Mate“ an seiner Seite – sei es die forsche Amy Klobuchar, die talentierte Kamala Harris oder die kämpferische Elizabeth Warren. Sanders sollte aufgeben – so schwer es fällt. Doch Vernunft ist in den USA ein politischer Faktor, der verloren gegangen zu sein scheint.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 27.03.2020 07:33
Wenig vernunft
Trump ist eine Puppe des US-Tiefenstaates, sprich der amerikanischen Konzerne, des Militärs und Geheimdienste und dient somit ihren Interessen. Wie sagte einst das Mitglied der Reagan-Redierung, Dr. Paul Greg Roberts: "Der CIA hat Trump zu einen Nobody reduziert, einem Nichts, zu einer totalen Irrelevanz". Doch schon die Vorgänger von Trump haben Billionen von Dollar für endlose Kriege ausgegeben uund billigend in Kauf genommen, dass sich u. a. enorme Defizite bei den Sozialausgaben summiert haben. Die Amerikaner haben jedoch ein verblüffendes Desinteresse an der Verschwendung von Geld und Leben. Nun haben die USA einen "neuen Feind" im eigenen Land. Die Corona-Pandemie. Und sie müssen eine Art neuen "Verteidigungshaushalt auf die Beine stellen, d. h. eine Menge Dollart drucken. Doch wie immer werden die gut organisierten Interessenruppen die Bevölkerung auch diesmal wieder entmündigen und erheblichen Einfluss auf die Überlebenschance nehmen und eine Vielzahl von Toten in Kauf nehmen. Ich kritisiere nicht allein Trump. Unser Planet Erde und die darauf lebenden Geschöpfe brauchen ganz dringend verantwortungsbewusste Führungspersönlichkeiten, die über Intelligenz und ein moralisches Gewissen verfügen, die Wahrheit respektieren und dazu fähig sind, die Grenzen ihrer Macht richtig einschätzen.
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