Kommentar zur Vergabe der KfW-Kredite
Ohne Risiko geht es nicht

Etwa 70 Milliarden Euro haben wir nach vorsichtigen Schätzungen 2008 für die Bankenrettung in Deutschland bezahlt, fast eine Milliarde Euro sollen allein an die Sparkassenverbände Westfalen-Lippe und Rheinland gegangen sein.

Freitag, 27.03.2020, 10:36 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 10:38 Uhr
Die ersten KfW-Hilfskredite sind bereits in der ersten Woche des staatlichen Sonderprogramms ausgezahlt worden. Foto: dpa
Die ersten KfW-Hilfskredite sind bereits in der ersten Woche des staatlichen Sonderprogramms ausgezahlt worden. Foto: dpa

Das sollten Geldinstitute im Hinterkopf haben, wenn jetzt Handwerker, kleinere Unternehmer und die viel zitierten Mittelständler bei ihnen KfW-Kredite beantragen, um durch die Krise zu kommen. Bei kleinen Firmen trägt die KfW 90 Prozent des Risikos, bei großen 80 . Die Hausbanken sollen das restliche Ausfallrisiko übernehmen, und da tun sich viele schwer, wie immer mehr Anrufe von Firmenchefs in unserer Redaktion zeigen.

Klar: Angesichts der Krise drohen Geldinstituten jetzt lange laufende Kredite zu platzen, und da will man sich nicht noch neue Risiken ins Haus holen. Zudem sind möglicherweise aber auch die Vorgaben der KfW (zwei verlustfreie Jahre, Eigenkapital, schnelle Zurückzahlung) so restriktiv, dass Hausbanken die Hände gebunden sind. Dann allerdings sollten die Regeln schnellstens überdacht werden.

Die Milliardenhilfe des Bundes klingt gut. Aber wenn sie nicht ankommt, ist sie keinen Cent wert.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 28.03.2020 06:34
Ohne Risiko
100.000 Anträge erwartet die Bundesagentur für Arbeit für die Gewährung von Geldmitteln u. a. Dafür sollen noch 100 Mitarbeiter eingestellt werden, die dann die Antragsunterlagen sichten und prüfen. Ich habe mir dieses "Antrags-Machwerk" angesehen. Der Antrag und das Merklbatt sind mal wieder typisch deutsch. Von wegen unbürokratische Hilfe. Es ist also nicht einfach, an die "milliardenschweren Reserven" (O-Ton Schulz) heranzukommen. Und auch die Aussage unseres Finanzministers, dass "wir genug Geld haben, wir allen helfen können und das auch tun" ist schlicht und einfach falsch. Unser Staat ist bis über beide Ohren verschuldet. Er hat nur zwei Geldquellen, nämlich die Steuereinnahmen und Kredite. Wenn aber alles stillsteht, kein Umsatz gefahren wird und keine Gehälter und Löhne gezahlt werden, woher sollen denn da die Steuern kommen? Also müssen weitere Kredite in Anspruch genommen werden. Was wird der Staat also tun, wenn die Geldquellen längere Zeit versagen? Dann wird er alles, was irgend ein Wert hat, konfizieren. Ich glaube nicht, dass die "Krise" in einigen Wochen vorbeit ist, weil das Virus nur der Auslöser unseres Problems ist. Und viele Verbraucher glauben das auch nicht. Sonst hätten sie nicht für ein Jahr Nudel nund Toilettenpapier gekauft.
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