Kommentar zur steigenden Zahl von Krankmeldungen – auch ohne Corona
Gesundheit unter Stress

Angst macht krank. Und das Coronavirus macht Angst. Den Managern in großen Unternehmen. Den Handwerkern, Gastronomen und Händlern, den Selbstständigen und Kleinunternehmern. Aber natürlich auch den Beschäftigten. Da muss man nicht einmal hoch verschuldet sein oder zu Depressionen neigen: Wenn der Betrieb geschlossen hat, in der Produktion das Material ausgeht oder in der Buchhaltung nur noch Rechnungen zu bezahlen sind, aber keine neuen mehr ausgestellt werden, dann schlägt das auch den Arbeitnehmern auf die Psyche.

Montag, 30.03.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 05:02 Uhr
Wer eine leichte Erkältung hat, kann sich derzeit telefonisch krank schreiben lassen. Foto: dpa
Wer eine leichte Erkältung hat, kann sich derzeit telefonisch krank schreiben lassen.

Ist es derzeit vor allem die Angst, die sich auf die Gesundheit auswirkt, so könnte es bald auch reale wirtschaftliche Not sein. Bei den Unternehmern ist sie vielfach schon da. Die staatliche Soforthilfe lindert sie für den Moment. Aber eine Dauerlösung ist sie natürlich nicht.

Ebenso wenig ist dies die Kurzarbeit für die Beschäftigten. Die Reduzierung des Einkommens auf bis zu 60 bzw. 67 Prozent stellt jene, die vorher schon nicht in Saus und Braus lebten, vor reale Probleme. Kurzarbeit ist besser als Arbeitslosigkeit – aber auch keine Dauerlösung.

Gesundheitlichen Stress bereitet auch die Enge, auf die viele zurückgeworfen sind. Da sind die Kinder, die nicht verstehen, dass Vater oder Mutter oder beide zu Hause sind und trotzdem keine Zeit haben. Da sind die Teenager, die nicht verstehen wollen, dass Schulsperrung keine verlängerte Ferienzeit bedeutet. Und dass man jetzt keine Kollegen, Freunde und zum Teil nicht einmal die entfernter wohnende Familie treffen kann, dass kein Theater, Kino oder Restaurant offen ist, das ist aufgrund der Bedrohung durch das Virus notwendig. Aber es ist trotzdem eine Belastung. Zum Glück ist dieses Leben auf Distanz zeitlich befristet.

Klar kann sein, dass auch mancher, für den noch Arbeit da ist und der in normalen Zeiten arbeiten würde, jetzt die Möglichkeit nutzt, sich bei Erkältung ohne Arztbesuch krankschreiben zu lassen. Das aber ist mit Sicherheit die weitaus kleinere Zahl. Zudem ist diese Möglichkeit auf 14 Tage befristet.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 30.03.2020 10:43
Angst
Es ist die Angst davor, jede Art von Verzicht und Einschränlung als Verlust der persönlichen Freiheit zu empfinden. Es ist die Angst davor, dass unsere Freiheit durch die Disziplinlosigkeit und Verantwortungslosigkeit vieler Mitmenschen verloren geht. Es ist die Angst davor, für die vermeidbaren Fehler unserer Nächsten zu bezahlen. Es ist ist die Angst davor, dass die Solidaremeinschaft, die im wahren Sinne nach doch eigentlich für die Menschen einstehen sollte, die ohne eigene Schuld in Not gerate sind. Es ist die Angst davor, für die vermeidbaren Fehler seines Nächsten bezahlen zu müssen. Es ist die Angst davor, dass alles zu einem unkalulierbaren Risiko wird und unsere Zukunft eine Risikogesellschaft ist. Es ist die Angst davor, dass die entstehenden Kosten zur Erhöhung der Versicherungsbeiträgte und Sozialkosten führt. Die Angst betrifft also primär die Folgen der Pandemie.
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