Kommentar zur Debatte um ein Ende der Corona-Schutzmaßnahmen
Der schnelle Exit ist eine Illusion

Die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus sind vorübergehend verhängt worden. Als vorläufiger Schlusspunkt ist der 19. April gesetzt. Wie lange sie tatsächlich dauern müssen, weiß kein Wissenschaftler und kein Politiker. Brauchen wir dann eine Exit-Strategie?

Montag, 30.03.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 09:30 Uhr
Eine Atemschutzmaske vom Typ FFP3. Foto: Friso Gentsch/dpa
Eine Atemschutzmaske vom Typ FFP3. Foto: Friso Gentsch/dpa

Ja, selbstverständlich. Es ist aber nicht sinnvoll, über einen Exit so zu sprechen, als könne man die Maßnahmen zur Beschränkung des öffentlichen Lebens bald wieder aufheben. Damit weckt man bei Bürgern, Wirtschaft und in den Kulturbetrieben Hoffnungen, die zu Enttäuschungen führen müssen.

Eine kluge Exit-Strategie sollte vielmehr in einem Plan bestehen, wie wir schrittweise ins normale Leben zurückkehren können. Für einen solchen Fahrplan die Prioritäten zu setzen, wird schwierig genug. Was soll zuerst wieder ans Laufen gebracht werden: Kitas, Schule und Unis? Volle S-Bahnen im Berufsverkehr? Einkaufszentren? Theater, Kinos und Konzertsäle?

Anstecken kann man sich überall

Es wird kaum möglich sein, die eine Institution zu öffnen und die andere mit dem Verweis auf eine noch nicht gänzlich überstandene Corona-Gefahr geschlossen zu halten. Anstecken kann man sich überall, wo Menschen in engem Kontakt stehen.

Eine Exit-Strategie muss also weiter greifen. Die Aufhebung der strengen Beschränkungen des öffentlichen Lebens können nur in dem Rahmen erfolgen, in dem das Gesundheitssystem in der Lage ist, die möglichen Neuerkrankungen angemessen zu versorgen. Dazu bedarf es mehr Schutzausrüstung, mehr Desinfektionsmittel, mehr Tests.

Medikament zur Behandlung oder Impfstoff sind nötig

Eine Rückkehr in den normalen Alltag wird wahrscheinlich vollumfänglich erst dann möglich sein, wenn es ein Medikament gegen das Virus gibt – oder besser noch einen Impfstoff.

Der Druck und die Not der Wirtschaft, möglichst rasch zu einem normalen Alltag zurückzukehren, wird in den nächsten Wochen trotz der gigantischen und beispiellosen staatlichen Hilfen für die Unternehmen wachsen. Wir sollten uns aber vor einer Diskussion hüten, die ökonomische gegen gesundheitliche Interessen abwägt. Man kann das Leben nicht gegen Geld aufwiegen.

So gehört zu einer Exit-Strategie, die diesen Namen verdient, auch sehr viel Kreativität und die unmissverständliche Botschaft, dass die Krise neue Wege fordert.

Es ist eine Illusion zu glauben, schon in wenigen Wochen könnten wir den Hebel umlegen und haben unser altes Leben zurück.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 30.03.2020 13:34
Schneller Exit
Für die Bekämpfung brauchen wir keine Strategie, sondern einen Erfolg unserer Wissenschaft. Was wir jetzt brauchen ist eine Strategie gegen die Antidemokraten, die ihre autoritäre Agenda durchsetzen wollen. Eine Strategie gegen diejenigen, die hinter der medialen Angstmacherei stecken. Wir brauchen eine Strategie, die die Verschuldung der Staaten, der Kommunen, der Konzerne, der Betriebe und Privathaushalte reguliert. Wir brauchen eine Strategie gegen die Spekulationsblasen. Wir brauchen eine Strategie, die die Rezession richtig einordnet und die zu erwartende grosse Depression abmildert. Wir brauchen eine Strategie gegen unbegrenztes Wachstum. Wir brauchen kein Sondergutachten, der "5 Waisen" vom heutigen Tage, dass nur so von Konjunktivenen sprüht. Denn merke: In einer selbstquälerischen Lust am Leiden werden wir uns schließlich selbst überfordern und dafür einen hohen Preis zahlen.
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