Kommentar zu Trump
Ende der „Fake News“?

Für den US-Chefimmunologen Anthony Fauci muss es sich wie der späte Sieg der Wissenschaft über die Inkompetenz eines Donald Trump anfühlen. Tagelang hatte er bei Pressekonferenzen neben dem US-Präsidenten gestanden, sich dessen Halbwahrheiten, Prahlereien und „Fake News“ angehört. Immer wieder hatte er ihm in ruhigem Ton widersprochen – wohl wissend, dass das Pochen auf Fakten ihn den Posten kosten könnte.

Montag, 30.03.2020, 21:00 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Nun plötzlich hat Trump ein- gelenkt. Er redet nicht mehr von „Normalität zu Ostern“. Im Gegenteil. Jetzt räumt er ein, es könne mindestens 100 000 Tote geben und dem Land weitere schwere Monate bevorstehen. Es ist unübersehbar, dass Trump die Weltmacht USA mit seiner zuvor vorherrschenden Methode „Augen zu und durch“ in eine fatale Lage gebracht hat. Die Vereinigten Staaten verzeichnen die meisten Corona- Fälle weltweit. Und so fragt man sich: Wie kann es sein, dass ausgerechnet das Land mit den meisten Nobelpreisträgern, den besten Elite-Universitäten und einer hyperinnovativen Technologiekultur einen Präsidenten wählt, der der Expertise aus Wissenschaft und Forschung so ablehnend gegenübersteht? Wie kann es sein, dass er immer noch in Umfragen gut dasteht, sogar besser als vor einigen Wochen, vielleicht sogar wiedergewählt wird? Die Antwort: Der Populist Trump suggeriert seinen Wäh- lern Stärke und Sicherheit.

Er liefert einfache Antworten, an denen alle inhaltlichen Widersprüche abprallen. Er weiß immer, wer schuldig ist. Erst Obama, dann die Chinesen, dann die als Panikmacher abgetanen Wissenschaftler. Und weil die bedrängten US-Bürger durch das Hilfspaket des Kongresses bald tausend Dollar und mehr bekommen können, wirkt Trump auf sie wie der Weihnachtsmann aus Washington, der ihnen in Notzeiten bei- steht.

Doch wer nur Trump für die historische Krise der USA verantwortlich macht, greift zu kurz. Die Lage ist das Ergebnis von jahrzehntelangem staatlichem Missmanagement, Abbau und Geringschätzung der Verwaltung, fehlender sozialer Absicherung und einem Gesundheitssystem, das für die Masse der Menschen keinen Schutz bereithält. Die so entstandene Angst hat viele Wähler in die Arme Trumps getrieben. Sein Versprechen, alles werde schnell wieder gut, fällt nun wie ein Kartenhaus in sich zu- sammen. Letzte Hoffnung sind jetzt die vielen kreativen Wissenschaftler, die Schnelltests oder Impfstoffe entwickeln können. Es wird Zeit, dass man auf sie hört.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 31.03.2020 10:10
Trump
In diesen Tagen erleben wir einen Trump, der nicht fähig ist, sich mit irgendetwas näher zu beschäftigen, was außerhalb der Eigenwerbung liegt. Nun hat das Establishment die Marionette Trump zum handeln gezwungen. Doch Trump ist ein Mann, dem es gelingen wird, auch sein Corona-Verhalten in einen persoenlichen Erfolg umzuwandeln. Amerika befindet sich in Wahlkampf und die Amerikaner lassen sich eher von Persönlichkeiten und extremer Tagespolitik fesseln. Wenn es Trump gelingt, das Corona-Thema bis zur Wahl hochzuhalten, wird es keine wesentliche Veränderung im Wahlverhalten geben.
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