Kommentar zur Rückholaktion von Urlaubern
Nicht zum Nulltarif

Wir waren jahrelang Reiseweltmeister. Die Bürger keines anderen Landes waren so viel unterwegs, gaben so viel Geld für ihr Urlaubsvergnügen aus. Bis 2012 gut 1,3 Milliarden Chinesen zusammen die 82 Millionen Deutschen gerade so hinter sich ließen. Ein Zeichen für den Wohlstand, über den wir uns jahrzehntelang freuen durften.

Dienstag, 31.03.2020, 20:50 Uhr
Passagiere des deutschen Kreuzfahrtschiffes „MS Artania“ gehen am Sonntag auf dem Flughafen Perth International von Bussen über das Rollfeld zu einem Flugzeug der Condor Airlines, das sie von Australien zurück nach Deutschland bringt. Foto: Richard Wainwright/AAP/dpa
Passagiere des deutschen Kreuzfahrtschiffes „MS Artania“ gehen am Sonntag auf dem Flughafen Perth International von Bussen über das Rollfeld zu einem Flugzeug der Condor Airlines, das sie von Australien zurück nach Deutschland bringt. Foto: Richard Wainwright/AAP/dpa

Kein Wunder, dass die Corona-Krise auch deutsche Urlauber gleich zu Hunderttausenden im Ausland erwischte. 200.000 von ihnen hat es schließlich richtig dumm erwischt. Sie sind wegen ausgefallener Flüge, abgesagter Touren, zugesperrter Hotels und geschlossener Grenzen weitab ihrer Heimat gestrandet.

Ihre Reiseveranstalter, die Fluggesellschaften und die deutsche Regierung haben alle Hebel in Bewegung setzen, sie nach Hause zu holen. Was offensichtlich längst auf einem sehr guten Weg ist. Nach zwei Wochen sind 175.000 der so böse überraschten Urlauber schon wieder zu Hause.

Ad hoc 175.000 Flugplätze zu organisieren ist keine Kleinigkeit. Dafür haben Mitarbeiter im Auswärtigen Amt rund um die Uhr gearbeitet; dafür wurden allein 145 Flüge komplett gechartert für Länder, aus denen keine regulären Flüge mehr zu bekommen waren.

Eine respektable Leistung. Und für die verbleibenden Urlauber werden sich auch noch Lösungen finden.

Dass sich alle Beteiligten alle Mühe geben, die ohne eigene Schuld gestrandeten Urlauber nach Hause zu bringen: Darauf durften die Betroffenen setzen – ohne jeden Rechtsanspruch.

Abgerechnet wird ohnehin später. Die aktuelle Luftbrücke ist die größte Rückholaktion für Urlauber in der Geschichte der Bundesrepublik. Und die gibt es nicht zum Nulltarif. Nach Auskünften des Auswärtigen Amtes müssen die Betroffenen Ticketpreise zahlen, die in etwa denen eines durchschnittlichen Economy-ClassFluges entsprechen. Ärgerlich. Aber nicht zu ändern.

Wer freilich jetzt immer noch alle Reisewarnungen ignoriert und noch ins Ausland reist, handelt unverantwortlich. Eine zweite Luftbrücke wird es auch für viel Geld und gute Worte nicht geben. Ein All-inclusive-Paket, das diese Risiken abdeckt, findet sich in keinem Katalog. Viele von denen, die jetzt mühsam wieder nach Hause gekommen sind, haben deutlich mehr Respekt vor Entfernungen auf diesem Globus. Reisen werden wieder als Abenteuer erlebt: Auch das ist eine Konsequenz der aktuellen Corona-Krise

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