Kommentar zu einer Maskenpflicht auch in NRW
Freiwillig wird das nichts

Ja, so eine Maske im Gesicht sieht komisch aus, man bekommt nicht so gut Luft und ist schwer zu verstehen. Aber auf der Intensivstation bewusstlos auf dem Bauch liegen und beatmet zu werden, das sieht auch komisch aus und endet in vielen Fällen mit dem Tod.

Dienstag, 21.04.2020, 18:53 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 08:18 Uhr
Dresden: Kunden gehen in einem Supermarkt einkaufen und tragen dabei Mundschutz. In Sachsen gilt im Einzelhandel eine Maskenpflicht. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Dresden: Kunden gehen in einem Supermarkt einkaufen und tragen dabei Mundschutz. In Sachsen gilt im Einzelhandel eine Maskenpflicht. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Wenn wir die schon beschlossenen und weitere Lockerungen wollen, weil selbst das reiche Deutschland dieses Virus wirtschaftlich nicht wird aussitzen können, dann werden wir die durch mehr Kontakte entstehende größere Infektionsgefahr irgendwie kompensieren müssen, damit die Zahl der Neuansteckungen nicht wieder steigt.

Erfolge in Jena wie in Asien

Wo es Erfolge im Kampf gegen das Virus gibt, spielen Gesichtsmasken eine Rolle. In Asien ebenso wie in Jena. Es ist zu erwarten, dass sich die Maskenpflicht in Sachsen, Bayern oder anderen Bundesländern ebenso positiv auswirken wird. NRW sollte sich flächendeckend anschließen ( Münster geht da mit einer kommunalen Pflicht voran) . Nimmt man die bestätigten Infektionen pro 100.000 Einwohner als Grundlage, liegt NRW nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Dienstag auf Platz fünf der 16 Bundesländer. Bei den Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen (Geschäfte, Schulen) ist NRW aber ebenfalls vorne mit dabei. Dieses durchaus riskante Vorgehen ließe sich mit Masken zumindest etwas absichern.

Kulturell nicht eingeübt, aber notwendig

Doch das Tragen von Gesichtsmasken ist bei uns kulturell nicht eingeübt. Die Mehrheit fremdelt weiterhin mit dem Gedanken. Der Schutz der anderen? Der Eigenschutz, wenn das eigene Vorbild mit dazu führt, dass auch das Gegenüber Maske trägt? Reichen als Argumente offenbar nicht. Daran hat auch die dringende Empfehlung von Kanzlerin und Landesregierungen nichts geändert: Im Supermarkt trifft man weiterhin eher Kunden ohne Maske. Zwar werden Maskenträger nun seltener angestarrt wie Außerirdische, aber darauf zu hoffen, dass alle freiwillig Masken aufsetzen, ist unrealistisches Wunschdenken.

In zehn von 16 Landesregierungen ist die Einsicht bereits gereift, dass man keine Zeit hat, auf eine Verhaltensänderung der Bevölkerung zu warten . In NRW leider noch nicht.

 

Kommentare

Anja  schrieb: 22.04.2020 11:54
Stoff ist nicht die Lösung
Eine Maskenpflicht ist schwierig, so lange es davon nicht einmal genug für Ärzte, Pfleger etc. gibt.
Stoffmasken sind keine Alternative, da sie sich bei falscher Handhabung zu wahren Infektionsschleudern entwickeln. Wenn man Masken nur unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen absetzen sollte, weil sie außen kontaminiert sein könnten, dann lege ich sie doch nicht in den Backofen, die Mikrowelle oder in meinen Kochtopf! Und für eine Maske die Waschmaschine zweieinhalb Stunden bei 95 Grad laufen zu lassen, erscheint mir auch nicht angebracht. Bleibt also nur DIY-Einweg.
Dietmar  schrieb: 22.04.2020 08:58
Freiwillig wird das nichts
Freiwillig wird das nie was, oft umso älter umso weniger einsichtig. Leider konnten die Politiker, welche das Kontaktverbot beschlossen haben, eine vollständige Versorgung der der deutschen Bevölkerung mit Schutzmasken nicht sicherstellen. Sonst wären sie längst Pflicht.
2 Kommentare
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