Kommentar zur Öffnung der Schulen
Tasten statt stolpern

Der über viele Jahre eher schlechte Ruf eines in Nordrhein-Westfalen abgelegten Abiturs taugt bis heute zur Satire-Vorlage etwa für Oliver Welke in der „Heute-Show“. Allein das wäre schon ein Grund, den Forderungen nach einem Prüfungsverzicht und auf der Vornote basierenden Abschluss nicht nachzugeben. Nein, das Abi 2020 soll bundesweit mit einer Prüfung bestanden werden. Auch in NRW. Natürlich sind die Umstände andere als sonst, erscheinen die Bedingungen im Moment noch unklar oder unsicher.

Freitag, 24.04.2020, 11:21 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 11:24 Uhr
Nach einer mehrwöchigen Corona-Zwangspause sind die Abschlussklassen wieder an den Schulen. Foto: dpa
Nach einer mehrwöchigen Corona-Zwangspause sind die Abschlussklassen wieder an den Schulen. Foto: dpa

Es dürfte aber den meisten angehenden Absolventen — auch in den Berufskollegs — lieber sein, jetzt nach langer und intensiver Vorbereitung ein echtes Finale mit realen Prüfungen abzuliefern. Die Alternative, plätschernd aus der Schule zu gleiten, ist nicht wirklich attraktiv. Die Abschlussprüfungen im Corona- Jahr 2020 absolviert zu haben, ist eine Leistung, die eher stolz macht als ein errechneter Schnitt von zweifelhaftem Wert, wenn NRW als einziges aller 16 Länder auf Klausuren und Prüfungen verzichten würde.

Vieles wurde improvisiert

Seit Donnerstag also tasten sich die Schulen wieder heran an das Leben nach dem Lockdown. Aber mancherorts ist man offensichtlich eher reingestolpert: Die Berichte nach dem ersten Tag stimmen skeptisch. Dass Lehrkräfte selbst die Reinigung von Klassen übernahmen, weil den Kommunen Personal und Dienstleister fehlten, muss unbedingt ein Ausreißer bleiben.

Und dass vor Ort vieles für den Neustart an den weiterführenden Schulen improvisiert wurde, führt vor Augen, dass Schulministerin Yvonne Gebauer sich unnötig im Streit mit den Schulträgern verkämpft hat: Den Schulbeginn erst nächsten Montag aufzunehmen, hätte die Ruhe in den Betrieb gebracht, die gerade so wichtig ist. Natürlich muss man auch fragen, warum viele Kommunen so wenig vorbereitet sind.

Aufgeheizte Debatte

In der aufgeheizten Debatte über den richtigen Zeitpunkt drohte jedoch das Gespür für die besondere Lage verloren zu gehen. Die Corona-Krise hat mit dem Lockdown in allen Bereichen eine Situation geschaffen, für die niemand eine Blaupause hat.

Das bedeutet: An den Schulen, in den Kitas und auch im Handel führt kein Weg daran vorbei, vorsichtig auszutesten, wie schnell — oder eben langsam — es weitergehen kann. Und für wen. Diesen Lernprozess müssen derzeit alle überall durchmachen. Soziales Lernen und Geduld sind keine Überforderung.

 

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