Kommentar zu Trumps Krisenmanagement
Merkelmania in den USA

Er wisse nun endlich, wen Joe Biden als Kandidatin für das Amt des US-Vizepräsidenten auswählen sollte, gab Bred Stephens gerade zum Besten: Angela Merkel. „Denn sie ist einfach perfekt, glauben Sie mir“, so der Kolumnist der „New York Times“. Warum? „Ihre Führung in der Coronaviruskrise ist universell herausragend.“

Freitag, 24.04.2020, 11:26 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 11:28 Uhr
Angela Merkel wird in den USA gelobt, Präsident Donald Trump wird von vielen kritisiert. Foto: dpa
Angela Merkel wird in den USA gelobt, Präsident Donald Trump wird von vielen kritisiert. Foto: dpa

Weltweit gibt es Lob für das Krisenmanagement Deutschlands. Dass sich besonders in den USA die positiven Schlagzeilen häufen, ist kein Zufall: Sie sind das Ergebnis der Wunschträume liberaler Kräfte nach mehr Vernunft à la Merkel im Weißen Haus. Vernunft – davon scheint sich der irrlichternde Donald Trump komplett verabschiedet zu haben. Er agiert im Wahlkampfmodus – und das bedeutet Schuldzuweisungen. Schwierige Aufgaben weist er zudem einfach demokratischen Gouverneuren zu.

Die deutsche Kanzlerin gilt dagegen als Weltmeisterin des Corona-Managements aus einem Guss und wird über den grünen Klee gelobt. Ein Großteil der „Merkelmania“ liegt darin begründet, dass sie besonnen agiert – sie ist so ein Gegenmodell zu Trump. Doch sie gilt auch als empathisch. Die Gesellschaft auf Einheit und Solidarität einzuschwören, ist schließlich wichtiger „weicher Faktor“ des Krisenmanagements. Trump versagt auch dabei total. Er spaltet. Stephens dazu: „Merkel hat einen auf Austausch ausgerichteten Auftritt, besitzt eine erstklassige Einstellung und eine wissenschaftliche Prägung ihres Verstands.“

Auch ihre Maßnahmen überzeugten: Frühes Testen, gute Planung, umsichtiger Neustart. Jill Rutteer vom Londoner Institute for Government resümiert: „Ihre Ehrlichkeit über den Ernst der Lage bringt Merkel in eine starke Position.“ Anders als Trump mache sie keinen Hehl daraus, dass noch viel auf die Menschen zukommt. Wegen ihrer Ost-Biografie werde Merkel in den USA unterstellt, dass ihr die Eingriffe in die bürgerlichen Freiheiten wehtun – anders als Trump.

Auch beim Medienauftritt schneidet sie besser ab: Trump fabuliert täglich stundenlang in seinen Briefings herum, zankt sich dabei mit Reportern. Experten an seiner Seite widersprechen seinen „Fake News“ immer häufiger vor laufender Kamera. Dagegen kommt Merkel mit ihren fundierten, knappen Reden gut an. Ein CNN-Reporter: „Sie steht für das Prinzip: Weniger reden, mehr Führung.“

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 24.04.2020 15:03
Merkelmania
Ich habe in den letzten Tagen sehr oft mit meinen amerikanischen Freunden gesprochen und kann nicht bestätigen, dass in den USA eine "Merkelmania" unter der normalen, zivilen Bevölkerung ausgebrochen ist. Dass Merkel in diesen Tagen ein hohes Ansehen bei der US-Opposition hat, ist verständlich. Trump, die Marionette des US-Tiefenstaates, macht nun wirklich keinen überzeugenden Eindruck. Weder die Republikaner noch die Demokraten verfügen über eine "Lichtgestalt", die die Probleme des Landes im Innern positiv verändern könnten. In den USA regiert das Kapital. Und das ist bekanntlich nicht mneschenfreundlich. Wie es den Deutschen geht und wer hier politisch die Verantwortung trägt, ist den Amerikanern völlig egal. Ihnen geht es um die Abdeckung der Bedürnisse. 50 Millionen Amerikaner liegen inzwischen unterhalb der Armutsgrenze. Über 40 Millionen Amerikaner leben von Essensmarken. Es ist also kein Wunder, dass viele Amerikaner das Vertrauen in die Regierung, die Gerichte u.a.verloren haben. Das Strohfeuer, was Trump erzeugt hatte, ist weitestgehend erloschen. Merkel hingegen kann sich noch auf einen stabilien, wirtschaftlichen und politischen Untergrund bewegen. Den Deutschen geht es um die Wohlstandssicherung, die bislang nicht infrage gestellt wurde. Sie neigen nicht zu Veränderungen. Vor allen Dingen nicht diejenigen jenseits über 60. Sie stehen nach wie vor zu der CDU und damit zur Kanzlerin. Das wird sich ändern, wenn der"Lockdown" sich als Hysterie erweist. Sollte die Kanzlerin jedoch mit ihrer Einschätzung recht bekommen, dann wird sie zur "Lichtgestalt" der deutschen Politik.
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