Kommentar zur Gutschein-Entscheidung der EU
Das ging einen Schritt zu weit

Die Versuchung ist groß, in dieser Coronavirus-Krise viele kundenfreundliche Errungenschaften zurückzudrehen. Als die Bundesregierung Anfang April die Brüsseler EU-Kommission bat, zentrale Teile der Reiserichtlinie durch „Auslegungshilfen“ de facto außer Kraft zu setzen, mag sie zwar das Wohl der Reisebranche im Sinn gehabt haben. Aber sie zwang gleichzeitig Millionen Urlauber dazu, Gutscheine der Tourismus-Konzerne für abgesagte Trips zu akzeptieren, obwohl diese mit etlichen Risiken behaftet sind.

Freitag, 24.04.2020, 19:57 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 20:04 Uhr
Erstattung der geplatzten Reise oder lieber doch ein Gutschein für einen Urlaub zu einem späteren Zeitpunkt? Das wird in der Reisebranche gerade heiß diskutiert. Foto: dpa
Erstattung der geplatzten Reise oder lieber doch ein Gutschein für einen Urlaub zu einem späteren Zeitpunkt? Das wird in der Reisebranche gerade heiß diskutiert. Foto: dpa

Die EU-Behörde lehnte das jetzt ab – zumindest als Zwangsinstrument dürfen Gutschriften nicht genutzt werden. Die Verbraucher werden sich freuen, denn sie können darauf bestehen, ihren Reisepreis zurückzubekommen. Aber sie sollten sich diese Forderung dennoch gut überlegen.

Denn tatsächlich hat die Krise das Tourismus-Geschäft besonders heftig getroffen. Da sollte die Frage, ob man mit der – dann allerdings freiwilligen – Annahme eines Reise- Bons kleinen und großen Reisespezialisten hilft, eine Überlegung wert sein.

Die Politik könnte beiden Seiten helfen. Denn die Idee von abgesicherten Gutschriften, die auch im Fall einer Insolvenz zu einer Rückerstattung der bereits bezahlten Kosten führen, würde die Bereitschaft der Urlauber fördern, den geplanten Trip einfach nur zu verschieben. Denn dann kann man den Menschen klarmachen: Das Geld ist auf keinen Fall verloren.

Wenn dann auch noch die Tourismus-Branche das Ihre dazu tut und für Preisstabilität in der Nach-Coronavirus-Ära sorgt, dürften sich weitere Urlauber bereit erklären, ihr Geld sozusagen als Überlebenshilfe in den Unternehmen zu lassen.

Nicht nur die EU, auch die Mitgliedstaaten treten nach dem ersten Schock in die Phase des Feintunings ihrer Notfall-Erlasse ein. Dass man in der ersten Hektik einfach alles getan hat, um den Schaden gerade bei den Unternehmen im Rahmen zu halten, ist verständlich. Aber die Verbraucher ohne jede Wahlmöglichkeit an der Sanierung einer ganzen Branche beteiligen zu wollen, ist ein Schritt zu weit.

Kommentare

Hagenbucher  schrieb: 28.04.2020 10:17
gutscheinregelung durch MSC
Aufgezwungene Gutscheinregelung bedeutet ich muß buchen und setze mich nicht hinnehmbaren
Gefahren aus. Die Pandemie kann noch 2 Jahre oder länger dauern. Corona an Bord, keine
Beatmungsgeräte, Quarantäne in einer Innenkabine. Anlaufen von Häfen nicht möglich. An Bord
keine Intensivbehandlung. Ansteckungsgefahr auf einem Schiff wesentlich höher, als an Land.
Einen Horror Urlaub buchen ?
1 Kommentare
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