Kommentar zur Wiederaufnahme von Gottesdiensten
Möglichst behutsam vorgehen

Eines vorab: Gottesdienste waren seit Mitte März in Nordrhein-Westfalen nicht einfach „verboten“. Das wäre auch verfassungsrechtlich höchst bedenklich. Die Regierung erachtete es vielmehr als ausreichend, von Kirchen und Religionsgemeinschaften in Selbstverpflichtungserklärungen den Verzicht auf Versammlungen zur Religionsausübung entgegenzunehmen. Dieser Selbstverpflichtung sind die Kirchen und Religionsgemeinschaften „in beeindruckender Weise nachgekommen“, so heißt es in Regierungskreisen.

Freitag, 24.04.2020, 20:11 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 20:26 Uhr
Illustration. Foto: Uli Deck/dpa
Illustration. Foto: Uli Deck/dpa

Keine Gottesdienste „wie sonst“

Nach sorgfältigen Vorbereitungen, die auch in diesen Tagen noch letzte Prüfungen durchlaufen, werden die Kirchen in NRW vom 1. Mai an wieder in die Lage versetzt, Gottesdienste anzubieten . Dieser Stichtag ist nicht zu verwechseln mit dem Beginn eines liturgischen Normalbetriebs, sondern eher eine Richtmarke, dass man sich nun langsam wieder an eine veränderte Normalität herantastet. Denn auch in den nächsten Wochen und Monaten wird es keine Gottesdienste „wie sonst“ geben.

Keine Pfarrei, keine Gemeinde und keine Ordensgemeinschaft will in den Verdacht geraten oder sich gar der Gefahr aussetzen, möglicherweise an einer neuen Infektionskette beteiligt zu sein . Zumal das Publikum in den Sonntagsgottesdiensten ja eher der dritten Lebensphase zuzurechnen ist und deshalb als besonders gefährdet gilt.

Sicherheitsabstände in den Bänken, ein Ausweichen in größere Räume oder ins Freie, vielleicht auch ein vorheriges Anmeldeverfahren für die Teilnehmer – alles das sind Varianten, um in dieser bedrohlichen Corona-Zeit wieder als Gottesdienstgemeinschaft zusammenzukommen.

Umgewöhnen ist notwendig

Für die Katholiken dürfte die Teilnahme an der Kommunion in Zeiten von Corona heikel sein. Hier zunächst auf Wortgottesdienste zurückzugreifen, könnte für diese oder jene Gemeinde sinnvoll sein. Gewohnte Formen der Kommunionausteilung gelten zurzeit als heikel und erfordern akkurate Hygienemaßnahmen.

Nicht zuletzt: Es ist bewundernswert, mit welcher Kreativität die Pfarreien und Gemeinden über die Kar- und Ostertage hinweg mit den Gläubigen in Kontakt traten – über Live-Streams, Meditationsangebote im Netz und Extra-Broschüren. Noch nie zuvor wurden vermutlich medial so viele Gottesdienste ausgestrahlt wie zuletzt. Zugleich war ein großes journalistisches Interesse an den Anstrengungen der Kirchen und ihren neuen Gottesdienstübertragungen spürbar. Gute Zeichen in einer Krise, die viele Menschen zur Besinnung auf das Wesentliche im Leben anstößt.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 25.04.2020 07:34
Beutsam vorgehen
Alles, was wir tun und jedes Wort, das wir aussprechen, ist ein Ausdruck unserer Spiritualität. Unsere eigene "moralische Ordnung" oder "ethnische Kultur" bestimmt unser Handeln, Es steuert alles was wir tun. Nun haben wir in den letzten Jahren erfahren müssen, dass das "Christliche" immer mehr schwindet und sogar innerhalb der Kirche nicht ausgeschlossen werden kann. An die Stelle von "christlich" sind die Begriffe "Säkularismus", "Liberalismus", "Pluralismus" und "Humanismus" getreten. Diese Konflikte kann der überzeugte Christ nicht in "seinem stillen Kämmerlein", dass von Jesus empfohlen wurde, um mit Gott zu sprechen, lösen. Vor allen Dingen nicht in einer Zeit, wo Jesus aus dem kollektiven Bewusstsein zunehmend entfernt wird. Also in ist ein Zusammenhalt gefragt, der offensichtlich nur in einer Gemeinschaft möglich ist. Und hier sind die Kirchen gefragt. Hier bietet sich nach den Skandalen in der katholischen Kirche ein neuer Ansatz, Vertrauen zu und in Gott zu gewinnen. Denn der Zusammenhalt ist in den "christlichen" politischen Parteien ist nicht mehr gegeben. Darum ist es der Wunsch vieler Christen, sich im gemeinsamen Glauben an Gott in der Kirche zu treffen, indem die eigene Spiritualität wieder entfacht werden kann. Leider wird es, wie an den früheren Gottesdiensten zu sehen war, nur von überwiegend älteren Gläubigen so gesehen. Es bleibt zu hoffen, das die Pandemie nicht zum vorzeitigen Ende des Lebens auf dieser Welt führt. Aber vielleicht hilft ein gemeinsames Gebet und Gottvertrauen.
Stefan B.  schrieb: 24.04.2020 22:12
Es ist eine Zwickmühle, genau die Gläubigen die am meisten zu schützen sind haben auch am wenigsten mit dem Internet und den dorthin übertragenen Gottesdiensten am Hut.

Was die wöchentliche Messe für diese bedeutet, das kann sich unsere Generation und die unserer Jugend erst recht nicht vorstellen.
2 Kommentare
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