Kommentar zu Klimaschutz in Corona-Zeiten
Gefahr zu versagen

Es ist richtig, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern derzeit alles dafür tut, die Corona-Epidemie in Deutschland abzubremsen und die Folgen der Maßnahmen so gut es geht auszubalancieren. Doch es wäre fatal, über diese Krise die andere große Krise unserer Zeit zu vernachlässigen: den Klimawandel.

Sonntag, 26.04.2020, 19:05 Uhr aktualisiert: 26.04.2020, 19:10 Uhr
Weimar am Freitag: Ein Transparent mit der Aufschrift “Klima schützen unterstützen!” hängt am Deutschen Nationaltheater hinter dem Goethe-Schiller-Denkmal. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
Weimar am Freitag: Ein Transparent mit der Aufschrift “Klima schützen unterstützen!” hängt am Deutschen Nationaltheater hinter dem Goethe-Schiller-Denkmal. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Auch in Deutschland wird seit einigen Jahren immer spürbarer, welche Auswirkungen die globale Erwärmung auf unseren Alltag hat. Dürren, die zu Ernteausfällen und sterbenden und brennenden Wäldern führen, Hitzerekorde, Starkregen und schneefreie Winter sind – da stimmen die Experten überein – keine üblichen Wetterphänomene mehr.

Es ist daher erschreckend, mit welchem Schneckentempo die Bundesregierung wichtige Vorhaben zum Klimaschutz angeht . Ja, es ist bereits einiges passiert. Doch die Maßnahmen reichen noch lange nicht aus, um die Klimaziele, zu denen Deutschland sich international verpflichtet hat, einzuhalten. Dafür maßgebliche Projekte wie der Kohleausstieg, ein Ende der Förderbeschränkung für Solaranlagen, weniger Hürden für Windkraftanlagen und die Verkehrswende gehen viel zu langsam voran – oder liegen sogar schon seit Monaten brach.

Dass es insbesondere zwischen den Koalitionsfraktionen von Union und SPD nicht vorangeht, hat nichts mit der Verbreitung des Coronavirus zu tun. Schon vorher lagen die Verhandlungspartner derart im Clinch, dass an rasche Beschlüsse nicht zu denken war.

Und so tritt die Bundesregierung an diesem Montag und Dienstag beim Petersberger Klimadialog nicht als Vorbild vor die Weltgemeinschaft. Bei der Umsetzung des Klimapakets bekleckern sich Union und SPD nicht mit Ruhm. Sie laufen Gefahr, den Klimaschutz zu verstolpern – und als Manager einer viel langfristigeren Krise als der Corona-Pandemie zu versagen.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 27.04.2020 10:05
Gefahr zu versagen
Berichtigung: Codex Alimentarius
Paul Schneider  schrieb: 27.04.2020 07:32
GEfahr zu versagen
Die Coronapandemie hat erreicht, dass nicht der Klimawandel die Schlagzeilen beherrscht, sondern Kurzarbeit, Abfindungen, Entlassungen, Arbeitslosigkeit und explodierende Sozialkosten. Nun wird seit Wochen nicht über Kohlendioxid geredet. Die Notstandsrethorik vieler Städte und Kommunen hinsichtlich des Klimawandels ist verblasst und die überschiessende Emotionalität, ich nenne es Wut und Reue, ist erlahmt. Nun haben die politischen Eliten dieser Welt einen willkommen Ansatzpunkt, den Klimawandel nicht mehr in den Vordergrund stellen, obwohl die drastischen Einschränkungen durch Corvid-19 deutlich machten, dass sich die Luftverschmutzung allgemein, das Kohlendioxid, der Feinstaub u.v.a.m. im besonderen, nachweislich verringert hat, indem die CO2-produzierenden Aktiviten heruntergefahen wurden. Sollte die Pandemie tatsächlich mit einem "Lockdown" überwunden werden, was m. E. vollkommen irrelvant sein wird, dann beginnt der neue Versuch, in den nächsten 30 Jahren die nötigen Schritte für den Klimawandel einzuleiten. Der "demokratische Ausgleich" der Interessen wird jedoch wieder einmal verhindern, dass der Klimaschutz vorangetrieben wird. Sowie man von Anfang an die wichtigsten Schritte in der Pandemie-Beherrschung versäumt hat, wird man auch diese wichtigsten Schritte für die Klimaverbesserung nicht konsequent angehen. Solange der Weltklimavertrag es jedem Staat überlässt, sich seine Klimaziele selbst zu setzen und nicht einmal spürbare Strafen vorsieht, werden die Ziele verfehlt werden. Und noch ein Hinweis: Wie wir gestern erfahren konnten, werden wir einige Probleme bei der Lebensmittelversorgung erleben müssen. So dass es ratsam ist, sich mit dem "Codex Alementarius" zu beschäftigen.
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