Kommentar zur Corona-Krise
Der Druck wächst

Die ganz großen Beschlüsse sind beim Corona-Gipfel wie erwartet ausgeblieben. Dafür gibt’s unerwartet dicke Luft in Düsseldorf. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bremst Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) aus – womöglich auch, um selbst nicht schon wieder als „Exit-Drängler“ dazustehen.

Donnerstag, 30.04.2020, 20:15 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 21:38 Uhr
Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, dicke Luft um die Schulöffnungen in Düsseldorf (Foto oben rechts: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet) und neue Studienergebnisse von Virologe Christian Drosten (unten links): In Sachen Corona wird der Druck immer größer. Fotos: dpa/Collage: Delker Foto:
Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, dicke Luft um die Schulöffnungen in Düsseldorf (Foto oben rechts: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet) und neue Studienergebnisse von Virologe Christian Drosten (unten links): In Sachen Corona wird der Druck immer größer. Fotos: dpa/Collage: Delker

Derweil finden die Vorsichtigen wie die Forschen neue Argumente. Hier die Studie von Christian Drosten, wonach Kinder die gleiche Virenlast tragen wie Erwachsene – was Schul- und Kitaöffnungen riskanter machen könnte. Dort die desaströsen Zahlen vom Arbeitsmarkt : mehr als 10 Millionen Kurzarbeiter und ein Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,7 Prozentpunkte zeigen, wie ernst die Lage ist.

Zweite Infektionswelle oder Kollaps der Wirtschaft – welches Risiko ist größer? Die eine richtige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Doch wir können nicht im Stillstand verharren, ohne dass Not und Elend erheblich steigen. Der Druck also wächst, Konzepte zu entwickeln, die ein Leben mit dem Virus erträglich machen. Die Bundeskanzlerin sollte dabei als entschlossene Antreiberin dieses Prozesses vorangehen. Bekanntlich hält Angela Merkel nicht viel davon, zu schnell ein zu hohes Risiko einzugehen. Umso mehr steht sie in der Pflicht, die Einschränkungen immer wieder aufs Neue kritisch zu hinterfragen.

Die Deutschen haben in den vergangenen sechs Wochen bewiesen, dass sie mit der schwierigen Lage umgehen können. Auch die Akzeptanz gegenüber den strengen Regeln ist weiter hoch. Das ist ein Schatz, den es zu pflegen gilt. Dazu sind Offenheit und Klarheit unabdingbar. Und im Diskurs muss größere Schärfe ertragen werden, weil auch die Folgeschäden des Shutdowns mit jedem Tag größer werden.

Der Streit um Wolfgang Schäubles Äußerungen zeigt, dass uns das einiges abverlangt. Zu Recht hatte der 77-jährige Bundestagspräsident angemerkt, dass das Grundrecht auf Leben – im Gegensatz zur Menschenwürde – kein absoluter Wert sei, sondern durch andere Grundrechte eingeschränkt werden könne . Das hatte zum Teil heftige Empörung ausgelöst. Doch Empörung allein hilft ebenso wenig weiter wie eine Verharmlosung der Situation mit dem Hinweis darauf, dass mo­mentan ja gar nicht alle Intensivbetten belegt sind. Sollte das denn ein Ziel sein?

Corona kehrt unser Innerstes nach au­ßen. Mitunter erschreckt man, was da zum Vorschein kommt.

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