Kommentar zur Corona-Warn-App
Smartphone ist kein Allheilmittel

Die deutsche Corona-Warn-App befindet sich seit Monaten in der Entwicklung, andere Länder waren deutlich schneller. Doch bei einem solchen Instrument ist Schnelligkeit nicht alles. Gründlichkeit, Datensicherheit und Vertrauen in die Technik haben Vorrang. Und solange Gesundheitsminister Jens Spahn seine Ankündigung einhalten kann, dass die App in der kommenden Woche an den Start geht , käme sie auch noch rechtzeitig vor den Sommerferien und dem erwarteten Reiseschub innerhalb Deutschlands.

Montag, 08.06.2020, 21:49 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 21:58 Uhr
Italien hat schon eine Corona-Warn-App. Foto: Manuel Dorati/ZUMA Wire/dpa
Italien hat schon eine Corona-Warn-App. Foto: Manuel Dorati/ZUMA Wire/dpa

Wichtige Waffe gegen die Ausbreitung des Coronavirus?

Eine solche App kann, sofern genug Menschen sie nutzen, zu einer wichtigen Waffe gegen die Ausbreitung des Coronavirus werden. Bis ein Impfstoff verfügbar ist, braucht es genauere und schnellere Kenntnisse darüber, ob an bestimmten Orten ein Ausbruch droht. Genau das soll die App ermöglichen.

Damit das gelingt, werden aber noch viele Menschen ihre Grundskepsis gegenüber neuen Technologien überwinden müssen. Geht es um Datenschutz, lässt sich häufig eine Doppelmoral ausmachen. Wer in seinem Zuhause Amazons Alexa oder andere Sprachassistenten nutzt und damit riskiert, abgehört zu werden, dürfte keine Vorbehalte gegen eine App haben, die unter höchsten Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben entwickelt wurde.

Auch die beste Technik birgt Missbrauchsrisiken

Dennoch: Auch die beste Technik birgt gewisse Missbrauchsrisiken. Dass eine spezielle Hotline nötig wird, um die Ergebnisse mancher Labore in die App einspeisen zu können, leistet dem Vorschub und sollte schnellstmöglich abgestellt werden. Merken die Menschen aber, dass sie echte Vorteile durch die Nutzung haben und ihr Gesundheitsschutz damit verbessert wird, kann die App sehr wertvoll im Kampf gegen die Pandemie sein.

Privilegien verbieten sich dabei ebenso wie Diskriminierungen gegenüber Menschen, die kein Smartphone oder ein zu altes Modell besitzen. Arbeitgeber dürfen sie genauso wenig zur Voraussetzung machen wie Ladeninhaber. Andersherum könnten die Mobilfunkanbieter mit gutem Beispiel vorangehen und für die Corona-Warn-App ein sogenanntes Zero Rating einführen. Das würde bewirken, dass der Datenverbrauch der Corona-App nicht gezählt wird und das beim Anbieter gebuchte Datenkontingent nicht belastet. Bei anderen Apps werben Anbieter damit bereits, in diesem Fall würden sie als Unternehmen noch einen sinnvollen Dienst an der Gemeinschaft leisten.

Abstand und Masken weiter wichtig

Aber selbst wenn genug Menschen die App herunterladen und nutzen: Vorsichtsmaßnahmen wie Abstandsregelungen und eine Maskenpflicht werden dadurch nicht obsolet. Sie bleiben die besten Instrumente in der Corona-Abwehr, bis ein Impfstoff verfügbar ist.

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