Kommentar zu John Boltons Enhüllungen
Der tanzende Zauberbesen

Halte die Zahl deiner Feinde in Grenzen – und sorge dafür, dass sie keinen Literaturagenten finden. Das ist eine Lektion, die Donald Trump nie beherzigt hat. Er feuert jede kritische Stimme in seinem Team. So auch John Bolton. So machte er sich den gerissenen Falken zum Feind.

Donnerstag, 18.06.2020, 20:59 Uhr
John Bolton (rechts), US-Sicherheitsberater, steht neben Donald Trump (links), Präsident der USA . Foto: dpa
John Bolton (rechts), US-Sicherheitsberater, steht neben Donald Trump (links), Präsident der USA . Foto: dpa

Der dritte von Trump entlassene Nationale Sicherheitsberater hat eben wohl auch einen guten Literaturagenten. Das Weiße Haus hatte immer schon Risse, aus denen die Wahrheiten heraustropfte, so sehr die Präsidenten sich bemühten, sie zuzukitten. Doch nach den ersten Auszügen aus dem Bolton-Buch steht fest: Diese Enthüllungen sind wie ein reißender Strom und heftig wie die Niagara-Fälle.

Außenpolitik nach Bauchgefühl, Behinderung der Justiz als Alltagsgeschäft, brandgefährliche Unwissenheit und dazu ein alles überstrahlender Wunsch nach einer zweiten Amtszeit – das ist demnach der Mix des Trumpschen Regierungsstils. Zudem wirft Bolton ihm wiederholten Amtsmissbrauch vor. Das Schreckgespenst eines neuen Impeachment-Verfahren steht für Trump im Raum. Er soll nicht nur die Ukraine und Russland, sondern auch China um Wahlkampfhilfe „angefleht“ haben.

Konkret ging es um den Kauf von Sojabohnen, um bei den Landwirten zu punkten. Besonders pikant: Selbst der ergebene Außenminister Pompeo soll sich über Trumps Dummheit lustig gemacht haben. Ist er nun der Nächste, der gehen muss?

Dass Bolton all dies nicht im Repräsentantenhaus aussagte und das Buch erst ein halbes Jahr vor der Wahl herauskommt, ist wohl sein Geschäftskalkül. Bolton wollte die Wirkung erhöhen. Man versteht nun, dass Trump ihn seit Monaten mit einem Shitstorm auf Twitter überzieht. Er hat wohl geahnt, was kommt. Er wird nichts unversucht lassen, „Wacko John Bolton“ als gierigen Kriegstreiber zu brandmarken.

Trumps Fans werden ihm dies glauben. Sie wollen auch – trotz Corona – zu seiner ersten Massenveranstaltung in Oklahoma kommen, halten Masken für unmännliche Spinnereien aus New York, die ihre liberalen Freiheiten auf dem Land bedrohen. Trump nimmt egoistisch ein „SuperSpreading-Event“ in Kauf, weil er auf seinen „Rallyes“ vor Ort besonders gut den Virus des Hasses verstreuen kann, der Menschen gegen Kritik an ihm immunisiert. Es passt zu Boltons Credo: Trump ordnet dem Wahlerfolg alles unter, alles. Doch den Zauberbesen, den Bolton tanzen lässt, wird Trump nicht mehr in die Ecke befördern können. Den Geist, den er selbst rief, bleibt.

Kommentare

Paul Schneider  schrieb: 19.06.2020 06:43
Boltons Enthüllungen
Die Amtszeit von Trump machte bisher deutlich, dass er kein wirklicher, unabhängiger politischer Führer ist, sondern, wie schon erwähnt, eine Marionette. Er verfolgt keine eigene Politik, sondern die der amerikanischen Konzerne, des Militärs und der Geheimdienste.
Und der Kriegstreiber Bolton ist da keine Ausnahme. Wenn Bolton nun den "Saubermann" spielen will, dann sollte man doch einmal nachfragen, wie er sich in der Clinton-Ähra verhalten hat, als dieser zwei militärische Angriffe gegen Serbien startete, als dieser der NATO befahl, das ehemalige Jugoslawien zweimal zu bombadieren. Und wie war es, als Bolton zum engsten Kreis von George W. Bush gehörte, der in Afghanistan und Irak einmaschierte und die Provinzen in Pakistan und im Jemen von der Luft aus angriff? Und es gibt weitere Verbrechen, wie in Somalia und Obamas Staatstreich gegen Honduras, Versuche, die Regierungen in Venezuela, Ecuador und Bolivien zu stürzen.
Das ehemalige Mitglied der Reagan-Regierung als stellvertretender Finanminister, Dr. Paul Gred Roberts, brachte es hinsichtlich Trump auf den Punkt: "Der CIA hat Trump zu einem Nobody reduziert, einem Nichts, zu einer totalen Irrelevanz."
Man kann Paul G. Roberts nur zustimmen, wenn er sagt, "Gewalt wurde in den USA zum Selbstzweck". Und:" Amerikas Gier nach Gewalt bringt jetzt die Schwachköpfe in Washington gegen Leute auf, welche mit Gewalt antworten können: die Russen und die Chinesen, der Iran und Nordkorea". Egal, welche Wirkung Boltons Buch haben wird, auch er verfolgt eine uralte US-Politik, die darauf zielt, eine globale Hegemonie zu etablieren und zu erhalten, indem sie alle Länder, die sich dagegen stellen, in ein Kriegsgebiet verwandeln.
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