Kommentar zum Profifußball in OWL
Leichter wird es nicht

Nun wird sie wieder bemüht, die selten passende Gleichsetzung mit dem kleinen gallischen Dorf in der Bretagne. Zum einen halten Asterix und die Seinen seit Jahren den Römern stand und, was im Falle des Sports noch viel wesentlicher ist, sie tun dies zum anderen nur mit Hilfe eines Zaubertranks. Also Doping. Was bekanntlich ja mittlerweile auch im Fußball verboten ist.

Freitag, 19.06.2020, 21:05 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 22:38 Uhr
Feiern die Meisterschaft: Bielefelds Fabian Kunze, Joakim Nilsson, Amos Pieper, Reinhold Yabo, Anderson Lucoqui und Torwart Agoston Kiss. Foto: Thomas F. Starke
Feiern die Meisterschaft: Bielefelds Fabian Kunze, Joakim Nilsson, Amos Pieper, Reinhold Yabo, Anderson Lucoqui und Torwart Agoston Kiss. Foto: Thomas F. Starke

Aber im Ernst: Es ist wenig hilfreich, schon jetzt verbale Vorkehrungen zu treffen, um argumentativ einen möglichen Abstieg aus der Bundesliga beim DSC Arminia Bielefeld vorweg zu nehmen. Die Fakten sind klar, leicht wird es nicht in der Bundesliga. Aber das ist doch das Schöne am Sport: Manchmal passiert auch das Unerwartete. Oder hatte etwa vor dieser Zweitligasaison jemand wirklich damit gerechnet, dass das Team von Uwe Neuhaus so souverän die Meisterschaft erringt. Mit der unerwarteten Corona-Unterbrechung – und ohne die Unterstützung seine leidenschaftlichen Fans. Wohl eher nicht!

Und der Blick in Richtung des OWL-Nachbarn zeigt dem Aufsteiger, was man jetzt vielleicht nicht machen sollte. Ein Festhalten an Bewährtem mag ostwestfälisch, muss aber deshalb nicht unbedingt richtig sein. Mittel, die in der 3. und 2. Liga probat sind, funktionieren nicht zwangsläufig in der 1.

Jung, hungrig und leidenschaftlich reicht eben nicht immer. Der SC Paderborn ist aber bewusst nicht ins Risiko gegangen, das hat dem Vereinskonto gut getan. Vielleicht ist das nicht nur in der aktuellen Situation sogar durchaus weise.

Denn eins ist klar, auch in der kommenden Spielzeit gilt nicht: Entscheidend is’ auf’m Platz. Der härteste Gegner wird das Coronavirus bleiben. Zwar machen die Zuschauereinnahmen bei den Etats der Erst- und Zweitligisten nur durchschnittlich etwas mehr oder weniger als 15 Prozent aus. Aber die aktuellen Spieltage haben doch bewiesen: Ohne Fans ist es nicht mal das halbe Vergnügen.

Dennoch sollten sich die Deutsche Fußball-Liga und die durch sie vertretenen Klubs in Zurückhaltung üben. Das Hygienekonzept der DFL hat zwar offensichtlich funktioniert, aber genauso offensichtlich sind die Sympathiewerte des Fußballs dennoch nicht wieder gestiegen. Und wie gefährlich das Virus weiterhin ist, zeigt sich ja gerade auf erschreckende Weise in Ostwestfalen-Lippe.

Deshalb wäre es vielleicht klug, auch wenn es schwer fällt, ausnahmsweise mal nicht meisterlich zu feiern. Der DSC Arminia Bielefeld hat doch bald 34 Spieltage Zeit, den Nachweis zu erbringen, dass er zu recht in der Bundesliga spielt. Und sollte der Klassenerhalt gelingen, wäre das nicht sogar noch mehr ein Grund zu feiern?

Der SC Paderborn kann beweisen, dass er aus der Vergangenheit gelernt hat und lässt sich nicht in die 3. Liga durchreichen. Das ist möglich – auch ohne Zaubertrank.

Und zum guten Schluss: Es mag ja auch gerne ausgelebte Fankultur sein, besonders den Nachbarnvereinen vielleicht nicht gleich die Pest, aber ähnlich Schlimmes an den Hals zu wünschen. Aber auch da kann man aus der Vergangenheit der beiden aktuellen ostwestfälischen Profiklubs lernen: Die Verfallszeit von Häme dauert oft nur eine Spielzeit.

OWL insgesamt sollte sich sowieso vor allem darüber freuen, weiter in der 1. und in der 2. Bundesliga vertreten zu sein – neben vielen anderen Vorzügen ist nämlich auch das ein wichtiger Standortfaktor, um den uns viele andere Regionen in Deutschland beneiden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7459096?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
Ein Stück aus dem Tollhaus
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker